laß doch das : später . Für jetzt bist du zufrieden , nicht ? « Er preßte ihren Arm leidenschaftlich an sich . Diese bäuerliche Vorbedachtsamkeit verstimmte ihn , brachte ihn in Verlegenheit . Was kümmerte ihn ihr : später ? Vielleicht brachte sies in der That zu etwas auf litterarischem Gebiete . Vielleicht nicht . Ihm galt hauptsächlich die Gegenwart . Ach , daß diese kleinen Mädchen so viel Mätzchen machten , bevor sie sich ergaben ! Sie erhielt wirklich eine kleine Summe . Auf der Postanweisung stand : » Für die Novellen Gebet und Ein armes Mädchen « . » Warum war die Redaktion nicht genannt , nur dein Name ? « fragte sie später Tage . » Weil ich es von der Redaktion abholte , um es sofort an dich zu senden « log er . Dann quälte sie ihn , er solle sich doch mit den anderen Sachen beeilen . Er wurde ungeduldig . Einmal bat er sie , zu Klingenbergs zu gehen . Es sei Brauch , Leuten , bei denen man eingeladen war , einen Besuch zu machen . » Ach die sind mir zu langweilig « meinte sie . » Du mußt aber « beharrte er . Sie ging nicht . » Was hatte ich davon , als ich dort war ? Wenn du und Lohringer nicht gewesen wärt - « » Ja , Lohringer « sagte er bissig . » Laß ihn ; du weißt , ich mag ihn gut leiden « . » Gott ja , schwärme für ihn . Seine Glatze ist ja auch wirklich anschwärmenswert « . » Du bist roh « rief sie . Sie gingen kühl auseinander und sprachen sich etliche Tage nicht . Sie langweilte sich fürchterlich . Seine Werke , drei Bände Gedichte , die er ihr gebracht hatte , kannte sie schon auswendig . Sie besaß auch keine rechte Lust zu lesen . Die Frage : was wird nun aus mir ? bring ichs auch wirklich zu etwas ? lag schwer auf ihr . Sie schrieb allerlei kleine Sächelchen , tastete unsicher in sich herum und wußte nicht recht , welchen Stoff sie wählen sollte . Grade als sie recht unglücklich den Kopf in die Hände gestützt dasaß , kam Tage . Sie gingen spazieren . Als sie die Stadt hinter sich hatten , sagte sie : » Weißt du , ich glaube doch , daß es eine Dummheit von mir war , was ich gethan habe . Vielleicht wärs das Beste , ich ging wieder ins Fröbelhaus zurück « . » Thus « sagte er achselzuckend . » Nun bist du auch noch so gegen mich « rief sie weinerlich . » Was willst du denn eigentlich ? « Er blieb stehen und sah sie an . » Mein Gott , etwas Sicheres vor mir erblicken , eine Thätigkeit haben . Ich sitze den ganzen Tag in den Ecken herum « . » Du schriftstellerst ja « bemerkte er ungeduldig . » Aber ich glaube , es kommt nichts dabei heraus « . » Warum glaubst du das ? « » Weil ich denke , ein Mensch , der wirkliches Talent in sich hat , weiß doch , was er schreiben soll . Ich aber weiß nie , wozu ich die Feder ansetzen soll . Es ist manches in mir , aber verworren , so ... ich weiß nicht wie « . Er nickte . » Aber ich weiß es . Ich will dir etwas sagen . Ein Mädchen so ganz ohne jede innere Erfahrung , ohne jede Erschütterung der Seele - ich will ehrlich zu dir reden - kann unmöglich etwas leisten . Du müßtest einmal - « » Was denn ? « » im Arm eines Mannes gelegen haben « , er sah von ihr fort , » gebebt , gejauchzt , geweint haben , eine Erfahrung gemacht haben , dann wäre die Künstlerin in dir reif und du brächtest schöne Bücher zu stande . Was du jetzt schreibst , ist lauter Kinderstammeln , die Redaktionen wollen es nicht . Die ersten zwei Stücke gefielen , aber immer das gleiche Gesänglein anzuhören , ermüdet « . » Also ? « fragte sie leise . » Also , du wirst es wissen « . Sie sahen beide zu Boden . Sie zog ihr Taschentüchlein heraus und drückte es leicht an die Augen . Das war unverblümt . Und trotzdem , genau hatte sie ihn doch nicht verstanden . » Also wird nichts aus mir « sagte sie nach einer Weile tonlos . » Wenn du dir selbst hindernd im Weg stehst « . Er zuckte die Schultern . » Was soll ich denn thun ? « rief sie leidenschaftlich . » Jeder behandelt mich als kindisches Ding , belächelt , bemitleidet mich ; was soll ich denn thun ? « Tage blieb stehen und sah ihr in die Augen . » Dem Mann , zu dem du dich am meisten hingezogen fühlst , angehören « . Sie spürte heiße Schauer über sich gehen . » Du ahnst nicht , welche Veränderung mit dem Weibe nach einem mutigen Schritt vorgeht . Die Welt erscheint ihm in ganz anderen Farben , eine ungeahnte Lebenskraftund Lust rauscht durch seine Adern ; Schönheit , Gesundheit , Geist übergießen es mit ihren beglückenden Gaben . Ein Mädchen ist immer eine vor den Thoren des Lebens Harrende ; erst das Weib dringt hinter das Geheimnis des Daseins « . » Ach , vielleicht hast du recht , aber - « sie seufzte . Er warf die Arme um sie und preßte einen heißen Kuß auf ihre frischen Lippen . » Johanne ! « Sie sagte garnichts . Mit gesenktem Haupte schritt sie neben ihm nach Hause . Und nun begann ein stillschweigendes , erbittertes Kämpfen zwischen ihnen . Einen Tag war er stürmisch , zärtlich , kühn gegen sie . Wenn sie ihn erzürnt in seine Schranken zurückwies , blieb er am nächsten Tag aus und vernachlässigte sie