« fragte sie . » Doch nicht krank ? « » Nein , nicht krank « , erwiderte Sophie , die sofort erriet , was in Theresens Seele vorging . » Die letzten Tage waren so schwere Tage . Da will sie sich ausruhen , solange es irgend geht . Sie hat mich gebeten , sie zu entschuldigen . « » Arme Verwandte « , sagte Therese mit halblauter Stimme vor sich hin . Danach stiegen alle die breite Treppe hinauf in den ersten Stock , wo zwei Fremdenzimmer hergerichtet waren , ein großes und ein kleines , beide nebeneinander und die Zwischentür auf , nur durch eine schwere Portiere geschlossen . In dem großen Zimmer sollte die Mama mit Manon schlafen , in dem kleineren Therese . Die Auszeichnung , die darin lag , söhnte diese halb wieder aus . » Und nun könnt ihr euch « , sagte Sophie , » noch volle zwei Stunden ausruhen . Oder soll ich euch gleich ein Frühstück aufs Zimmer schicken , und ihr geht dann im Park spazieren , bis die Tante kommt ? Es ist am schönsten des Morgens . « Manon und die Mama schienen auch wirklich zu schwanken , namentlich erstere , die von » Morgenspaziergängen im Park « eine hohe Vorstellung hatte . Therese hielt es aber für unklug , diese Dinge zu sehr zu betonen und zu tun , als ob man dergleichen noch nie gesehen habe ; die Güter in Pommern , die sie kannte , hatten doch schließlich auch ihre Paris , und so sagte sie denn , es wurde wohl das beste sein , dem Beispiel der Tante zu folgen und für das , was der Tag noch alles bringen müsse , nach Möglichkeit Kräfte zu sammeln . Vierzehntes Kapitel Um halb neun erschienen die Damen unten in der großen Halle , darin ein Feuer brannte , trotzdem die Luft draußen beinahe sommerlich war . Die Tante begrüßte die Verwandtschaft herzlich und zugleich mit einem so vornehmen Anstand , daß Therese ziemlich verwundert war . Damals , in Pyrmont , hatte die Generalin einen sehr bürgerlichen Eindruck auf sie gemacht , woraus alle Meinungsverschiedenheiten und kleinen Häkeleien entstanden waren . Und jetzt nun so ganz anders . War es das Gefühl , hier in Adamsdorf auf der eigenen Scholle zu sein ? Oder war es einfach der Schmerz , der sie geadelt hatte ? Sie entschied sich für den Schmerz . Ihr Beisammensein beim Frühstück währte nicht lange ; waren doch nur noch wenige Stunden bis zum Begräbnis , und der Adel aus der Nachbarschaft erschien sehr wahrscheinlich um ein gut Teil früher . Die Mama fragte , ob sie den Schwager noch einmal sehen könne , was verneint wurde ; der Sarg sei schon geschlossen . Manon und Therese drückten ihre Trauer darüber aus , waren aber eigentlich froh und fanden Trost in der Wendung , » er lebt so in einem lichteren Bilde in uns fort « . Schon um zehn füllte sich der Platz vor dem Schloß mit Leuten aus dem Dorf ; die Alten , Männer wie Frauen , waren ernst und bewegt , denn sie hatten den General geliebt und verehrt , das junge Volk aber war mehr oder weniger in Kirmesstimmung und kicherte sich sehr Irdisches ins Ohr . Um elf kamen die Equipagen , eine halbe Stunde später die beiden Geistlichen aus dem Dorf ( auch der katholische ) , und um zwölf setzte sich der Zug unter Gesang in Bewegung , bis in die Kirche . Hier sprach der Geistliche ; nach ihm , in privater Eigenschaft , auch der alte katholische Pfarrer , » der nur dem Dank für die schöne Gerechtigkeit Worte leihen wolle , die den verehrten Toten ausgezeichnet habe « - danach noch die Einsegnung , und der Sarg senkte sich in die Kirchengruft . Therese hatte ein schmerzliches Gefühl , daß ein Poggenpuhl ausersehen sei , so zwischen den Särgen einer fremden Familie zu liegen , und ihre Haltung , die durch Ernst auffiel , gab diesem Gefühle Ausdruck . Einige billigten es ; andre aber - Schlesische von Adel - fanden es etwas albern und flüsterten sich zu : » Pommerscher Junkerhochmut « . Denn die Schlesier haben keine Junker . Oder wenigstens keine ganz echten . Alle waren übrigens mit der Feier zufrieden , einen Kirchenältesten ausgenommen , der nicht darüber weg konnte , daß auch der » alte Katholsche « gesprochen habe . Das ginge nicht . Wenn man das einreißen lasse , so setze man sich in die Nesseln und die » Simonie « sei fertig . Was er darunter eigentlich verstand , konnte nicht aufgeklärt werden . Gleich nach der Feier in der Kirche wurde ein Imbiß genommen , Mittagstafel fiel aus , und als die Gäste wieder fort waren , zogen sich die beiden alten Damen , die Generalin und die Majorin , in ihre Zimmer zurück . Sie bedurften der Ruhe , wollten allein sein . Sophie hatte noch in der Wirtschaft zu tun , und so blieben nur Manon und Therese , die sich alsbald zu einem Spaziergange an dem von einem Wässerchen umzogenen Außenrande des Parkes hin entschlossen . Es mochte gegen vier Uhr sein , die Sonne neigte sich schon und schien durch hohe Silberpappeln . Kein Lüftchen ging , alles still , nur von einer benachbarten Schmiede her hörte man ein Hämmern und Pinken und ganz zuletzt , als man weiter und schon bis in die Nähe der Felder gekommen war , auch das Dengeln der Sense ; weiße Birkenbrücken führten über das Wässerchen hinüber , und an einzelnen Stellen machte der Laubengang kleine Nischen und Buchtungen , in denen Bänke standen . Die Vögel sangen nicht mehr , aber ein Eichhörnchen sprang über den Weg . Therese gab ihre kritische Laune ganz auf und fand sich gemüßigt , anerkennende Äußerungen über den schlesischen Adel einzustreuen . » Es ist alles reicher hier « , sagte sie , »