Wir , die Munks ... und das größere Interesse ! Otto , das hättest du nicht sagen sollen , nicht weil es mich und meine Familie herabsetzt , sondern weil es die ganze Treibelei und dich an der Spitze mit einem Ridikül ausstattet , das dem Respekt , den die Männer doch beständig beanspruchen , nicht allzu vorteilhaft ist . Ja , Freund , du forderst mich heraus , und so will ich dir denn offen sagen , auf eurer Seite liegt Interesse , Gewinn , Ehre . Und daß ihr das empfindet , das müßt ihr eben bezeugen , dem müßt ihr einen nicht mißzuverstehenden Ausdruck geben . Das ist der erste Schritt , von dem ich gesprochen . Und da ich mal bei Bekenntnissen bin , so laß mich dir sagen , Otto , daß diese Dinge , neben ihrer ernsten und geschäftlichen Seite , doch auch noch eine persönliche Seite haben und daß es dir , so nehm ich vorläufig an , nicht in den Sinn kommen kann , unsre Geschwister in ihrer äußeren Erscheinung miteinander vergleichen zu wollen . Hildegard ist eine Schönheit und gleicht ganz ihrer Großmutter Elisabeth Thompson ( nach der wir ja auch unsere Lizzi getauft haben ) und hat den Chic einer Lady ; du hast mir das selber früher zugestanden . Und nun sieh deinen Bruder Leopold ! Er ist ein guter Mensch , der sich ein Reitpferd angeschafft hat , weil er ' s durchaus zwingen will , und schnallt sich nun jeden Morgen die Steigbügel so hoch wie ein Engländer . Aber es nutzt ihm nichts . Er ist und bleibt doch unter Durchschnitt , jedenfalls weitab vom Kavalier , und wenn Hildegard ihn nähme ( ich fürchte , sie nimmt ihn nicht ) , so wäre das wohl der einzige Weg , noch etwas wie einen perfekten Gentleman aus ihm zu machen . Und das kannst du deiner Mama sagen . « » Ich würde vorziehen , du tätest es . « » Wenn man aus einem guten Hause stammt , vermeidet man Aussprachen und Szenen ... « » Und macht sie dafür dem Manne . « » Das ist etwas anderes . « » Ja « , lachte Otto . Aber in seinem Lachen war etwas Melancholisches . Leopold Treibel , der im Geschäft seines älteren Bruders tätig war , während er im elterlichen Hause wohnte , hatte sein Jahr bei den Gardedragonern abdienen wollen , war aber , wegen zu flacher Brust , nicht angenommen worden , was die ganze Familie schwer gekränkt hatte . Treibel selbst kam schließlich drüber weg , weniger die Kommerzienrätin , am wenigsten Leopold selbst , der - wie Helene bei jeder Gelegenheit und auch an diesem Morgen wieder zu betonen liebte - zur Auswetzung der Scharte wenigstens Reitstunde genommen hatte . Jeden Tag war er zwei Stunden im Sattel und machte dabei , weil er sich wirklich Mühe gab , eine ganz leidliche Figur . Auch heute wieder , an demselben Morgen , an dem die alten und jungen Treibels ihren Streit über dasselbe gefährliche Thema führten , hatte Leopold , ohne die geringste Ahnung davon , sowohl Veranlassung wie Mittelpunkt derartiger heikler Gespräche zu sein , seinen wie gewöhnlich auf Treptow zu gerichteten Morgenausflug angetreten und ritt , von der elterlichen Wohnung aus , die zu so früher Stunde noch wenig belebte Köpnicker Straße hinunter , erst an seines Bruders Villa , dann an der alten Pionierkaserne vorüber . Die Kasernenuhr schlug eben sieben , als er das Schlesische Tor passierte . Wenn ihn dies Imsattelsein ohnehin schon an jedem Morgen erfreute , so besonders heut , wo die Vorgänge des voraufgegangenen Abends , am meisten aber die zwischen Mister Nelson und Corinna geführten Gespräche noch stark in ihm nachwirkten , so stark , daß er mit dem ihm sonst wenig verwandten Ritter Karl von Eichenhorst wohl den gemeinschaftlichen Wunsch des » Sich-Ruhe-Reitens « in seinem Busen hegen durfte . Was ihm equestrisch dabei zur Verfügung stand , war freilich nichts weniger als ein Dänenroß voll Kraft und Feuer , sondern nur ein schon lange Zeit in der Manege gehender Graditzer , dem etwas Extravagantes nicht mehr zugemutet werden konnte . Leopold ritt denn auch Schritt , sosehr er sich wünschte , davonstürmen zu können . Erst ganz allmählich fiel er in einen leichten Trab und blieb darin , bis er den Schafgraben und gleich danach den in geringer Entfernung gelegenen » Schlesischen Busch « erreicht hatte , drin am Abend vorher , wie ihm Johann noch im Momente des Abreitens erzählt hatte , wieder zwei Frauenzimmer und ein Uhrmacher beraubt worden waren . » Daß dieser Unfug auch gar kein Ende nehmen will ! Schwäche , Polizeiversäumnis . « Indessen bei hellem Tageslichte bedeutete das alles nicht allzuviel , weshalb Leopold in der angenehmen Lage war , sich der ringsumher schlagenden Amseln und Finken unbehindert freuen zu können . Und kaum minder genoß er , als er aus dem » Schlesischen Busche « wieder heraus war , der freien Straße , zu deren Rechten sich Saat- und Kornfelder dehnten , während zur Linken die Spree mit ihren nebenherlaufenden Parkanlagen den Weg begrenzte . Das alles war so schön , so morgenfrisch , daß er das Pferd wieder in Schritt fallen ließ . Aber freilich , so langsam er ritt , bald war er trotzdem an der Stelle , wo , vom andern Ufer her , das kleine Fährboot herüberkam , und als er anhielt , um dem Schauspiele besser zusehen zu können , trabten von der Stadt her auch schon einige Reiter auf der Chaussee heran , und ein Pferdebahnwagen glitt vorüber , drin , soviel er sehen konnte , keine Morgengäste für Treptow saßen . Das war so recht , was ihm paßte , denn sein Frühstück im Freien , was ihn dort regelmäßig erquickte , war nur noch die halbe Freude , wenn ein halb Dutzend echte Berliner um ihn herumsaßen und ihren mitgebrachten Affenpinscher über