eine Thräne blitzte an ihrer Wimper . » Nun gut , so will ich Ihnen sagen , was noch nie Jemand gehört hat . Aber Sie werden es Niemanden sagen ? « » Nie , meine Hand darauf ! « Sie hob mit stockender Stimme an , aber erzählte ohne Befangenheit mit einer gewissen gleichgültigen Ruhe : » Ich war 17 Jahr alt , als ich nach Trient geschickt wurde , um dort in einem Hotel , das einem Verwandten von uns gehörte , bei der Wirthschaft zu helfen . Und da war ein Offizier vom Genie , dem alle Mädel nachliefen . Ich glaube , das war ' s nur , was mich reizte . « » Aha ! Und woher ? « » Aus Ungarn . « » Ach was Teufel ! So , und der waral so Deine große Flamme ? « » Ach , ich weiß selbst nicht recht . Ich glaube gar nicht , daß ich ihm so gut war . Es war nur .. Eitelkeit . « » Weil er Hauptmann von Genie war ? « fragte er mit leichter Ironie . » Nein , weil die Mädel ihm nachliefen . Ach , als die Geschichte ' rauskam und mein Vater davon hörte und mich nach Haus befahl , da hat er geweint , viel mehr wie ich - er , ein Mann und Offizier ! « Ein etwas verächtlicher Beigeschmack lag bemerkbar in diesen Worten . Eduard mußte , instinktiv fühlen , daß sie eher mit Ekel und Geringschätzung an diese Jugendliebe zurückdachte . » Und dann .. aber Sie dürfen nie je zu Jemand ein Wort davon sagen , nicht wahr ? Das wär abscheulich .. « auf seine abwehrende Handbewegung fuhr sie rasch fort . » Als er nun fortversetzt wurde und ich fortmußte , da glaubte ich meine Schande nicht überleben zu können . Und nun that ich was ganz Verrücktes . Ich stand in der Nacht auf , nahm die Streichholzschachtel , schabte von allen Streichhölzern den Phosphor ab , und trank das mit Wasser . Aber meine Natur war kräftiger als das Gift . Ich bekam nur furchtbare Kopfschmerzen - das war Alles . « » So und weiter kam nichts ? « fragte er mit besonderer Betonung . Sie erröthete leicht und schüttelte ernst den Kopf . » Nicht das Geringste . « Wieder trat eine Pause ein . » Ach , « sagte sie plötzlich , » ich glaube , ich hab ihn doch furchtbar gern gehabt . « » Und haben Sie weiter nichts von ihm gehört ? « » O ja . Er hat gesagt , daß er mich heirathen wolle , wenn er pensionirt ist - eher kann er ' s nicht . « » So ? Wie alt ist er denn ? « fragte Eduard mit einer leisen Regung eifersüchtigen Mißtrauens . » Dreiundreißig . « » Ach Herrje ! Da kann er ja noch lange lange nicht daran denken . Es wird ihm auch ohnehin nie einfallen . « Wieder klopfte draußen die Wirthin . Beide rührten sich noch immer nicht . Sie standen lautlos nebeneinander und blickten - sie auf die dunkle Straße , er auf ihrem schönen gramzuckenden Mund . » Ach , « seufzte sie plötzlich , » Ich habe Den auch vergessen . Ich bin Niemandem gut , Niemandem . « » Danke ! « lächelte er und fuhr mit dem Finger ihre klassisch geschnittene Nase entlang . » Ach , ich meine nicht so .. « flüsterte sie verwirrt , » Nur nicht so wie damals .. « » Nun und der Kohlrausch ? « » Ach , das war nur Spaß . Es kann sein , daß ich hassen werde . « Sie nahm die Lampe , zündete sie langsam und stand , auf den Tisch gelehnt , nachdenklich da . » Wir müssen uns jetzt trennen . Meine Wirthin wird sonst bös . « » Soll ich mitkommen ? « fragte er zum Scherz . » O ja wohl , « lachte sie freundlich . » In der Zeit können Sie ja was zeichnen , wie ? « » Nein , nein . Ich muß fort . Ich muß auch meine Uhr einlösen . « » Ihre Uhr ? « fragte sie rasch mit einem eigenthümlichen Aufblitzen der Augen . » Nun ja , ich war Dir vorgestern untreu , mein Schatz , « sagte er lächelnd . » Dabei mußt ' ich meine Uhr lassen , weil ich zu viel Geld zum Fenster hinauswarf . « Sie schmollte , aber ohne bös zu werden . » Also gut denn , trennen wir uns . Morgen Abend geht ' s fort ? « » Ja . Ach , ich werde an diese Stube zurückdenken , so lange ich lebe , « seufzte sie . » Die thränenreichsten Stunden meines Lebens verbracht ' ich hier . Und dennoch .. mir wird der Ort stets theuer sein . « Beide sahen sich ernsthaft an . » Und unter welchen Umständen geh ich weg - ach Gott ! « Sie sah wieder wie geistesabwesend in die Luft . » Nun , « murmelte sie halb vor sich hin . » Meine Wirthin geduldet sich ja .. « » Wie , brauchst Du Geld ? « fragte er hastig . » Es ist mir nur um die Uhr .. « stammelte sie verwirrt . » Wie , hast Du die noch nicht einlösen können ? Sagen Sie , wieviel Sie dazu brauchen ? « » Ach , nur 42 Mark . « » Hier sind sie . « Er legte zwei Goldstücke auf den Tisch . » O , besten Dank ! Von keinem Andern würd ich einen Pfenning annehmen . Der Eberhart hat auch immer gefragt , ob ich Geld brauchte , und ich hab stets gesagt : Ich brauch nichts . Nur von Ihnen .. « » Nun , das versteht sich doch von selber .