nur alles , wie es war , wie du dich eingeschlichen hast in seine Stube , und was er gesagt hat , wie er dich gesehen hat . « » Da hat er ja nichts gesagt . « » Nichts gesagt ? « » Nichts , aber fürchterlich geglotzt . « » Und du ? « » Und ich hab ihn gebeten , daß er mich beim Herrn Lehrer lassen soll . « » Und dann ? Weiter , Pavlicek , weiter . « » Dann hat er mit dem Kopf gemacht : Nein , nein , und noch fürchterlicher nach dem Mittel geglotzt und gewinkt , daß ich ihm davon gehen soll . « » Und du hast ihm davon gegeben ? « » Ja . « » Und niemand war dabei ? « » Niemand . « » Und die Magd ? Ist die draußen an der Tür gewesen ? « » Die ist draußen an der Tür gewesen . « » Und was hat sie gesagt ? « » Sie hat gesagt : Gott geb ' s , daß das Mittel hilft . « » Und du ? « » Ich hab auch gesagt : Gott geb ' s. « » Und wie du in den Garten hinausgekommen bist , war niemand dort ? « » Der Peter « , sprach Pavel mit Bestimmtheit , » er hat mich gehört und mir nachgeschrien . « » Das ist gut , alles gut , das mußt du alles aussagen « , flüsterte Vinska und umarmte ihn , als ob sie ihn ersticken wollte ; » und es wird dir nichts geschehen , sie sind ja gescheit bei Gericht und wissen gleich , ob ein Mittel giftig ist oder nicht . Dir wird nichts geschehen , und uns wird geholfen sein ... ich bitte dich also , erbarm , erbarm dich ! « Sie sah ihn an wie ein in Todesangst Ringender den Retter , von dem er sein ganzes Heil erwartet , und ein wonniges Gefühl der Macht schwellte die Brust des verachteten Jungen . » Was krieg ich , wenn ich ' s tu ? « rief er übermütig und packte sie an beiden Armen . » Wirst du dann den Peter stehen lassen und mich nehmen ? « Wilde Verzweiflung flog über ihre Züge ; von Zorn übermannt , vergaß sie alle Klugheit . » Dummer Bub - so war ' s nicht gemeint ! « Sie schrie es fast und suchte sich von ihm loszumachen . Er spottete : » Nicht ? Warum also gibst mir Küsse und nennst mich Allerliebster ? ... Soll ich statt euer vor Gericht , damit der Peter dich nehmen kann ? Das willst ? « » Das will ich ! « sprach sie finster ; » das muß ich . Dummer Bub ! ... « Sie trat einen Schritt zurück und erhob die gerungenen Hände . » Ich muß als Weib ins Bürgermeisterhaus oder in den Brunnen . « » Du mußt ? - mußt ? - mußt ? ... « Er hatte begriffen und stöhnte auf in qualvollem Entsetzen ... » Nichtsnutzige ! « Ihre Augen schlossen sich , ein Tränenstrom rann über ihre Wangen . » Ich hab geglaubt , daß du mich liebhast und mir helfen wirst « , sprach sie mit weicher Stimme , » aber du willst nicht . « Sie schwieg , ihm raubten Grimm und Schmerz den Atem . Eine Weile standen sie wortlos voreinander : er im Begriff , auf sie loszustürzen , um sie zu erwürgen , sie auf das Schlimmste gefaßt und sich darein ergebend . » Vinska « , begann er endlich , und sie , bei diesem Ton , so trotzig er auch klang , sie faßte wieder Hoffnung . » Was - guter , guter Pavel ? « » Nichtsnutzige ! « wiederholte er mit zusammengebissenen Zähnen . Sie wollte sich von neuem vor ihm niederwerfen , da hob er sie in seinen Armen auf , trug sie zur Tür und stieß sie hinaus . Noch einmal wandte sie sich vernichtet , zerknirscht : » Was wirst du sagen vor Gericht ? « » Ich werd schon sehen , was ich sagen werd « , antwortete er . » Geh . « Sie gehorchte . 10 Im Bürgermeisterhause herrschten Verwirrung und Schrecken . Zum zehnten Male erzählte Peter den Neugierigen , die in die Sterbestube hereindrangen , wie er noch vor Mitternacht mit seinem Vater gesprochen und dann in die Kammer nebenan schlafen gegangen sei und wie ein paar Stunden später ein Röcheln ihn geweckt habe ... Wie er aufgesprungen , zum Vater gestürzt , ihn schon in den letzten Zügen gefunden und den Knecht nach dem Priester und die Magd nach dem Doktor geschickt ... Und wie beide zu spät gekommen ... Und wie der Doktor , da er nach der Hand des Toten griff , die zur Faust geballte fast gewaltsam hatte öffnen müssen , um ihr ein halb geleertes Fläschchen entnehmen zu können , welches die Finger , im Todeskampf erstarrt , noch festhielten . Die Zuhörer drückten ihre Teilnahme durch Seufzen und Klagen aus ; Peter fuhr fort : » Der Pfarrer schaut . Was ist das ? fragt er , und der Doktor schaut auch , und wie er schon ist , sagt nichts - Herrgott im Himmel , ruft der Pfarrer : Ist ihm sein Leiden zuviel geworden ? Ist er in Todsünde gestorben ? - Er ist an einer Verblutung gestorben , sagt der Doktor , und das Fläschchen führt er an die Nase . Und das ist Kamillengeist ! sagt er . « » Wer ' s glaubt « , fiel ein altes Weib dem Peter in die Rede , und er schluchzte auf . » Wer ' s glaubt , das hab ich auch gesagt ! Gift hat mein Vater bekommen , ich hab am Abend einen Kerl aus dem Garten schleichen sehen , und ich glaub