sie lange , wehmütig und wie fragend , das Bild ihres Vaters . Endlich wandte sie sich zu Gottfried . Aber nicht wie um gewöhnlich Auskunft zu erhalten über den Gang einer Pendeluhr , über die Leistung eines Echappements und ähnliche angenehme Dinge , sondern mit einer Erkundigung nach dem ihr unangenehmsten Menschen - dem Agenten des Amerikaners . Der war noch da und behelligte Gottfried nur zu oft mit seinen Besuchen . Er kam unter allerlei Vorwänden , hatte jedoch nur einen Zweck , den unerreichbarsten . Gottfried lächelte mitleidig . » Die Uhrensammlung möcht er an sich bringen . « » Er soll sie haben . Ich verkaufe die Uhren . « Gottfried stieß einen Schrei des Erstaunens aus . Das war nicht im Scherz , war auch nicht obenhin wie die Andeutung einer Möglichkeit gesagt , das war ein ernster , wohlüberlegter Entschluß , den Gottfried mit innerster Empörung vernahm . » Das tust du für Halwig ! « brach er plötzlich los , und Lotti senkte bejahend das Haupt . » Ich kann nicht anders . Ich werde dir alles erklären , aber nicht jetzt . Jetzt möchte ich nur den Abschied von meinen armen Uhren schon überstanden haben . Du wirst - ich bitte dich - mit dem Agenten sprechen . Es bleibt bei dem Preis , den der Amerikaner damals dem Vater angeboten . Weißt du , ob er den noch bezahlen will ? « » Das will er gewiß . « » Bestelle ihn also ... und gleich , wenn du mir eine Wohltat erweisen willst . « Er blickte in ihr schmerzlich verzogenes Gesicht . » Ich werde dir die Wohltat erweisen , ihn nicht zu bestellen . « » Gottfried ! ... « » Lotti , Lotti ! ... Wie kannst du - und für den ? ... Warum denn alles für den ? « Sein ganzes Innere war im Aufruhr , und Lotti verlor fast das Gefühl ihres eigenen Leids über der Teilnahme mit der bitteren Qual , mit welcher er rang und die auszusprechen ihm nicht gegeben war . » Ich muß , siehst du ! « sagte sie , » ich darf nicht anders . « » Überleg ' s. Mir zuliebe ... versuch einmal , etwas mir zuliebe zu tun , überleg ' s ! ... Es wird dich gereuen . « » Es ist nicht mehr Zeit zu überlegen , ich habe mein Wort verpfändet - und gereuen ? Ich glaube , daß es mich nie gereuen wird . « » Auch dann nicht , wenn du erfahren wirst , daß du es umsonst getan hast ? - Und das wirst du erfahren ! « Lotti widersprach ihm nicht , und Gottfried fuhr eifrig fort : Ein solches Opfer ... » o wahrhaftig , der ein solches Opfer annimmt , der ist ' s nicht wert ! « » Er würde es nicht annehmen , wenn er davon wüßte . Geh jetzt und komm bald wieder , mit dem - Käufer . « Sie wollte sich erheben , aber die Knie versagten ihr den Dienst , und sie lehnte sich erschöpft in den Sessel zurück . Gottfried trat näher . » Du kannst nicht helfen , glaube mir , es ist hier nicht zu helfen . « » Aber eine Frist zu gewinnen , und in dieser Frist die Gelegenheit ... « » Zu einem Wunder ? « fiel Gottfried ein . » Vielleicht . « Er wandte sich unwillig ab , und Lotti sagte entschlossenen Tons : » Darf der Arzt , der einen Kranken aufgegeben hat , ein Mittel , ihn zu retten , unversucht lassen ? Er darf es nicht - wegen seines eigenen Seelenfriedens , wegen dieses furchtbaren vielleicht , das dich böse gemacht hat . « » Mich böse ? ! « rief Gottfried . Mit unbeholfener Zärtlichkeit erfaßte er ihre Hand , und wie ein Erstickender flüsterte er : » Was würde der Vater sagen ? ... Lotti , denk an ihn . « » Ich habe zuerst an ihn gedacht und sage dir : er hätte es auch getan . « Sie suchte ihm ihre Hand zu entziehen , er hielt sie fest und rief : » Mag sein ... aber der Vater hätte dabei auch ein Wort für mich gehabt ... Mißverstehe mich nicht ! ... ich hab ja gar kein Recht - ich meine nur , er hätte zu mir gesprochen : Das geschieht für einen andern - deshalb brauchst du nicht zu denken , daß mir der andere lieber ist als du . « Er stockte , wie erschrocken über seine eigene Kühnheit , und gab die Hand Lottis plötzlich frei . Sie sah ihn an , bestürzt und angstvoll , mit Schamröte übergossen . Der Schmerzensschrei des schweigsamen Mannes erweckte in ihrer Brust einen Sturm von Selbstanklagen . Ihre Verwirrung vergrößerte noch die seine . » Verzeih « , stotterte er , » ich gehe « , und wandte sich zur Flucht mit einer so ratlosen und hastigen Eile , daß Lotti - es schien ihr selbst unglaublich - über ihn lachen mußte . Er blieb stehen , halb empört , halb erfreut : » Du lachst ? « » Ich lache - « sie brach in Tränen aus : » Wir sind zwei alte , erbärmliche Weichlinge . « » Weichlinge ... « wiederholte er und näherte sich ihr schüchtern - » Lotti - « » Gottfried - « Und die » Geschwister Feßler « umarmten sich . 13 Am Nachmittage fand in der Wohnung des Fräuleins Charlotte Feßler eine feierliche Handlung statt . Das Fräulein übergab Herrn C.B. Fischer , Agenten des Hauses F.O. Wagner-Schmid in New York , in Gegenwart der Herren G. Feßler , Uhrenmachermeister , und W. Schweitzer , Advokat , eine Sammlung , bestehend aus dreihundert altertümlichen Taschenuhren . Durchschnittspreis per Stück fünfhundert Gulden . Summe des Kaufpreises : Einmalhundertundfünfzigtausend Gulden . Herr C.B. Fischer , ungewöhnlich lang ,