loben . Das wäre dem Jos rein unmöglich gewesen . Die , für welche Dorothee das ganze Jahr sparte und sorgte , mußte er entschuldigen , solange er konnte , dann aber wenigstens ihre Fehler , wie weh ihm diese auch tun mochten , mit dem Mantel der christlichen Liebe zu bedecken suchen . Es fiel ihm nie ein , von Hansens Tadel gegen das Mathisle , den Hansjörg und sogar Dorotheens kränkelnde Schwester auf das Nichtvorhandensein einer wirklichen Neigung zu schließen . Es konnte ja ebensogut in dieser Härte ein Unbehagen des stolzen Bauern verborgen liegen , der sich von so gemeiner Leute Kind gefangen fühlte . Hans ließ dem Knechte nie Zeit , über seine Reden lange nachzudenken . Nicht etwa , daß er unermüdet arbeiten sollte . Hans hielt im Gegenteil das Leben eher für eine Kurzweil als nur für eine Reihe von Tagwerken , und als Arbeiter war ihm sein Knecht fleißig mehr als genug , aber beinahe zu still . Er bat den Jos oft , ihm ruhig etwas recht Lustiges zu erzählen , und hörte dann so aufmerksam zu , als ob Jos sein Ratgeber und Tröster sei . Aber der arme Knecht hatte nicht immer einen lustigen Einfall in der Tasche , und beide waren oft , ja immer herzlich froh , wenn Dorothee mit dem Mittagsessen kam , wie wenig sie bei der ungewöhnlichen Hitze dieses Sommers auch hungern mochten . Wenn sie zum Essen rief , dann kam der Appetit sicher . Oh , ihre Stimme konnte befehlen . Jos hatte noch nie eine ähnliche gehört als vielleicht - denn ganz wunderbar bekannt , ja eigen war sie ihm immer vorgekommen - in seinen Träumen , in denen er überhaupt manches aus seinem jetzigen Leben schon einmal durchgemacht zu haben behauptete , ohne jedoch noch ersinnen zu können , wie es dann endlich gekommen sei . Schon früher wollte er im Traum , oder er wußte selbst nicht wann , unter der großen Buche neben Hansen und Dorotheen gesessen seih , unter der er jetzt sein Mittagsmahl einzunehmen pflegte . Auch dann hatte das Bächlein gemurmelt , und die Vögel hatten laut gezwitschert , wenn Dorothee über seine nun dutzendweise kommenden Einfälle laut auflachte . Aber das hatte er in seinen Träumen denn doch nicht erlebt , daß Dorothee nicht nur für Hansen , sondern auch noch für ihn einen besonderen Lieblingsbissen auspackte . Das war eine Freude ! Dorotheens wunderbare Stimme mußte nochmals bittend befehlen , bevor Jos so etwas zu vernichten wagte . Die glücklichsten Menschen wie die besten Frauen sind häufig die , von welchen man am wenigsten zu sagen weiß . Das Glück unseres Knechtes glich nicht der künstlichen Arbeit der Blumenmacherin , die den Kirchenaltar ziert , sondern dem bescheiden blühenden und duftenden Kinde des Frühlings , welches vielleicht kaum Beachtung findet . O schade , daß so ein liebliches , duftumflossenes Kind der schönen Jahreszeit mit aller Kunst nicht auch den Sommer über erhalten bleibt und daß es um so schneller verdirbt , wenn man es der einsamen Stelle entreißt , wo es wuchs und blühte . Achtes Kapitel Was Jos mit den Eierschalen dem Krämer und seiner Tochter säte Zu Ostern hatte nicht nur für Jos , sondern auch für den Krämer ein neues Leben begonnen . Die Eierschalen vor der Haustür konnten keine anderen sein als die , welche er am Abende vorher in Stighansens großmächtigem Wetterhut auf einem Balken der Brücke stehen sah . Was war auch natürlicher als das ! Angelika und Zusel hätten sich , wären sie im gleichen Alter gewesen , fast zum Verwechseln ähnlich gesehen . Ja , Zusel hatte nach des Krämers Ansicht entschieden noch den Vorzug gegenüber Angelika , welcher der feurige Blick ihrer Schwester fehlte und jenes grelle Rot der Wangen , ohne welches der Bauer sich ein schönes Gesicht nicht zu denken vermag . Schon die Angelika hatte Hansen die Mutter und seine ganze Verwandtschaft kaum zu erwehren vermocht . Jahrelang trauerte er um sie , aber endlich mußte doch Zusel seine Trösterin werden . Das war dem Krämer ganz klar , seit ihm durch die Entfernung Hansjörgs die Gunst der wunderlichen , stolzen Stigerin zu gewinnen gelang . Länger , als im allgemeinen gerade Brauch ist , ließ der Krämer des scheuen Burschen erstes Liebeszeichen vor der buntbemalten Haustüre liegen , als ob das den vielen hier nach dem Gottesdienste Vorübergehenden nicht nur etwas zu raten , sondern viel zu verstehen geben sollte . Das seltsame Betragen seiner Tochter war nicht imstande , ihn für die Länge aus seiner Festtagsstimmung herauszubringen . Nachgesagt muß ihm werden , daß er bereute , dem Mädchen durch seine Mitteilung und seinen Beweis von Hansjörgs Treulosigkeit so weh getan zu haben . Es war das wirklich mehr in der Leidenschaftlichkeit des Augenblicks als , wie sonst das meiste , was er tat , nur aus Berechnung geschehen . Er hätte diese Waffe gegen eine Neigung , die er noch immer im Herzen seines Kindes lebendig fürchtete , schon lange brauchen können , wenn er dem lieben Geschöpfe nicht gar so weh zu tun gefürchtet hätte . Nun aber war es geschehen , das ließ sich nicht mehr ändern , und es galt nur an das zu denken , was jetzt zu tun oder zu verhüten sei . Zusel krankte jetzt an dem , was doch einmal , früher oder später , über sie hätte kommen müssen . Eine alte Geschwulst war plötzlich aufgebrochen . Das tat freilich weh und erschreckte , wenn man sich schon daran gewöhnt hatte ; doch die Hoffnung , bald geheilt zu werden , war nun berechtigter als je zuvor . Es mußte schmerzen , sich von dem noch unvergessenen Geliebten so verraten und verkauft zu sehen , aber nun erst mußte sie sich gewaltig zu dem festen , ehrlichen Stighans hingezogen fühlen , der so etwas gewiß niemals getan hätte . Und - das vergaß der Krämer denn doch nicht ganz -