welchem Hagebucher senior vom Westen her seine Pforte erreichte , langte Hagebucher junior beschleunigten Schrittes von Osten her vor derselben an , und die Auseinandersetzung konnte auf der Stelle vor sich gehen . » Guten Abend , lieber Vater « , sagte Leonhard sanft und herzlich . » Das war ein schöner Tag , und dies ist ein glückliches Zusammentreffen . « Der Alte , leise keuchend mit zitterndem Hausschlüssel das Schlüsselloch suchend , antwortete nicht . » Welch eine Ernte ! « suchte Leonhard für seinen Teil die Unterhaltung weiterzuführen . » Welche Kornfelder ! Welcher Weizen ! Das wäre etwas für meine Freunde in der afrikanischen Wüste , im Tumurkielande - « Der Alte hatte jetzt das Schlüsselloch gefunden , die Haustüre jähzornig aufgerissen und stand nun auf der Schwelle , den Eingang in das Haus mit seinem Körper deckend . » Ich will nichts mehr von der afrikanischen Wüste , ich will nichts mehr von dem Tumurkielande , ich pfeife auf beides ! « schrie er . » Ich habe übergenug davon gehabt , und jetzt soll ein Ende damit gemacht werden ! Aus dem Pfau bin ich herausgelästert , und zehn Pferde sollen mich nicht wieder hineinbringen ; aber in meinem Hause will ich Ruhe haben . Mein ganzes Leben bin ich ein solider und achtbarer Mann gewesen , und so hat man mich ästimiert ; aber jetzt bin ich wie ein Kamel mit einem afrikanischen Affen drauf und kann mich nicht sehen lassen , ohne das ganze Pack mit Geschrei und Fingerdeuten und Gepfeife in den Gassen hinter mir zu haben . Und wer ist schuld daran ? Wer hat den ehrlichen Namen Hagebucher so in den Verruf und in die Mäuler des Janhagels gebracht ? Kein anderer als der Herr aus dem inwendigsten Afrika , der Phantast , der Landläufer - « » Vater ! Vater ! « rief Leonhard ; doch im höhern Tone schrie der Alte : » Was Vater , Vater ? Seit der Heimkehr des saubern Herrn zweifle ich an meiner eigenen Existenz ; die ganze Welt hat die Drehkrankheit gekriegt , und - und ich will es nicht mehr haben ! Aus dem Goldenen Pfau konnten sie den pensionierten Steuerinspektor Hagebucher hinauswerfen ; aber innerhalb meiner vier Pfähle bleibe ich noch Herr , der ganzen Welt zum Trotz , und lasse mir meine Rechnung nicht so leicht verwirren . « Es wäre vielleicht besser gewesen , wenn die Mutter und die Schwester Leonhards sowie die Magd des Hauses sich in diesem Moment nicht ins Mittel gelegt hätten . Aber von dem Lärm vor der Haustüre aufgeschreckt , kamen sie bleich und zitternd und warfen sich , als sie erkannten , wer da in der nächtlichen Dunkelheit im Streit liege , mit hellem Angst- und Wehruf zwischen die Parteien . Das goß nicht Öl , sondern Erdöl in die Flammen , und zu dem Feuer kam die erschrecklichste Explosion . » Ich lasse mir meine Rechnungen nicht verwirren « , schrie der Alte , » und einen Rechnungsfehler verachte ich , dulde ihn nicht und werfe ihn hinaus ! « Damit schob er die entsetzten Frauenzimmer in das Haus zurück , folgte ihnen , schlug dem Sohne die Tür vor der Nase zu und schob , um alle fernern Verhandlungen für heute unmöglich zu machen , den Riegel vor . Mitternacht schlug ' s auf dem Bumsdorfer Kirchturm , und Leonhard Hagebucher stand und hatte augenblicklich weiter nichts zu sagen . Ein halbe Stunde später jedoch konnten die Töchter des Helios und der Nymphe Merope an der Bumsdorfer Straße auch über ihn ihre Bemerkungen machen . Unsichern Schrittes wanderte er nach Nippenburg , und um ein Uhr morgens vernahm der Vetter Wassertreter seinen leisen Ruf unter dem Fenster , kam in schlurfenden Filzpantoffeln die Treppe herab , öffnete ihm die Tür und sprach , nachdem er das Geschehene erfahren hatte : » Auch wenn ich nicht längst auf dieses gewartet hätte , würde ich mich nicht darüber wundern . « Elftes Kapitel In einer ebenso schönen Nacht wie die eben geschilderte , auch nicht sehr lange Zeit nach dieser , saß Nikola von Einstein in ihrem Erkerstübchen auf dem Bumsdorfer Gutshofe und schrieb . Das Stübchen war schon manches Jahr auf dem Hofe unter der Bezeichnung » Nikolas Nest « bekannt und wurde als solches von jedermann mit einem zugleich liebevollen und bewundernden Lächeln respektiert . Es war wie eine Rosenknospe auf einem Korb voll Käse . Der Lehnsherr betrat es nur auf den Fußspitzen und hielt sich stets vorsichtig , aber mit staunender Billigung im Mittelpunkt desselben ; die Lehnsherrin konnte immer nur mit Mühe bewogen werden , ihre Schuhe vor der Tür nicht auszuziehen , und die Kusinen erklärten , es sei » zum Küssen reizend « , und hielten sich dann in ihrem Entzücken mit um so größerer Inbrunst an die Gebieterin des Zauberreiches . Es gab aber auch für Nikola in der ganzen weiten Welt , außer vielleicht der Katzenmühle , keinen andern Ort , an welchem sie sich so behaglich und geborgen fühlte wie in diesem ihrem Stübchen auf dem Bumsdorfer Gutshofe . Seit ihren Kinderjahren hatte sie alle ihre Neigungen dahin zusammengetragen , und jede neue Sommerfrische hatte das Nest weicher und zierlicher gemacht und seinen Schmuck und Putz vermehrt . Als Kind und junges Mädchen war sie hier sorgenlos , leichtherzig , lustig , glücklich gewesen , als älteres , sehr verständiges Mädchen und Hofdame der Prinzeß Marianne hatte sie hier - - doch ein gut Stück ihres Lebens ist in dem , was sie augenblicklich an ihre Freundin Emma in der Residenz schreibt , somit überhebt sie uns der nicht leichten und jedenfalls sehr verantwortungsvollen Aufgabe , das Buch ihres Daseins ins kurze zu bringen , und sagt selber , was zu sagen ist . » Hochwohlgeborene Frau Majorin und allersüßestes Herz ! Wälder und Felder schlafen , das Dorf schläft , und auch die gute Verwandtschaft weiß wenig von sich nach