herabhängenden altmodischen Messing-Laternen der Halle die Lichter , und in den Räumen , welche man zu ebener Erde auf die ganz unerwartete Nachricht von der bevorstehenden Ankunft des Barons geöffnet und für ihn hergerichtet hatte , flammten die Feuer lustig in den großen Kaminen , aber trotz der Mühewaltung des vorausgesandten Dieners war und blieb der melancholische Hauch , der über dem Hause lag , unzerstörbar . Das widerwillige Bellen der beiden alten Hunde , welche den fremden Eindringlingen den Eingang verwehren zu wollen schienen , erschreckte die Baronin , und die steifen Verbeugungen und Knixe der in dem Hause waltenden Kammerfrau von Fräulein Esther , die mit kaltem Auge , ohne eine Miene zu verziehen , ohne ein Wort des herzlichen Willkomms zu äußern , ehrerbietig und feierlich wie der Aufseher eines Grabgewölbes Zimmerthüre um Zimmerthüre öffnete , waren vollends niederschlagend . Dem Baron war selbst dabei nicht wohl zu Muthe . Das Hôtel kam ihm fremd und wie verwandelt vor , da er es jetzt mit dem Auge seines jungen Weibes und als dessen nächsten Aufenthalt betrachtete . Er war des Hauses und seiner ganzen Einrichtung von seiner ersten Kindheit an gewohnt gewesen ; seitdem hatte sich nichts in demselben verändert , und er hatte daher , wenn er Tante Esther sonst aufgewartet , kaum noch auf ihre Umgebung geachtet . Alles hatte , so wie es da war , mit der blassen , stolzen Greisin zusammengehört , Allem hatte das alte Fräulein seinen Charakter aufgeprägt , und so einheitlich lebte Esther ' s Bild mit diesem Hause in dem Geiste ihres Neffen fort , daß er immer meinte , wenn er den Kopf zurückwende , werde Tante Esther in dem steifen , schwarzen Kleide , mit dem schwarzen Spitzentuche über der thurmhohen Frisur wieder an dem Kamine sitzen , unwillig darüber , daß der Baron sich unterfangen habe , die fremde , junge Frau ohne ihre besondere Erlaubniß hierher zu führen , und daß er daran denke , in dem Hause seiner Tante Anordnungen zu treffen , ehe er deren Meinung darüber eingeholt . Es fehlte nicht viel , so hätte er Angelika gebeten , sich von dem Sessel am Kamine zu erheben , weil die Tante es niemals geduldet hatte , daß Jemand anders sich ihres Armstuhles bediente oder sich auf einem der Plätze niederließ , auf denen sie gewöhnlich zu sitzen pflegte . Jetzt erst , da er in der Residenz zu leben und das Haus nach seinen Bedürfnissen umzugestalten dachte , wurde ihm die Herrschaft der Verstorbenen , die ihm bis dahin nur in komischem Lichte erschienen war , drückend und lästig . Er hatte nichts dagegen , daß sie ihrem Erben die Verwerthung dieses Hauses , welches mit seinen Gärten in der aufblühenden Stadt ein bedeutendes Vermögen darstellte , durch ihr Testament wesentlich erschwert hatte . Er war reich und hatte den Sinn des Edelmannes , dem der liegende Besitz , das eigentliche Haben , neben dem Genießen die Hauptsache ist . Aber der Eigenwille der alten Dame , welche nicht nur ihrer Kammerfrau , sondern auch ihren Hunden und Katzen ein fortdauerndes Asyl in ihrem Hause gesichert hatte , ohne seinem jetzigen Besitzer auch nur die Möglichkeit einer Ablösung dieser Last zu gestatten , sofern er sie nicht nach Richten übersiedelte , empörte ihn ; und die Verpflichtung , die alten Bilder und gewisse Zimmer und Möbel für immer unverändert zu belassen , so lange das Haus in seinem Besitze blieb , hemmte daneben den Baron bei den Planen für die Umgestaltung desselben mehr , als er es erwartet hatte . Es war in dem Hause Alles stets so ausschließlich auf Fräulein Esther und auf deren Bedürfnisse und Gewohnheiten berechnet gewesen , daß der Bann , den ihre Willkür bei ihrer Lebzeit um sie her verbreitet hatte , auch jetzt noch auf dem Hause lastete , nachdem sie selbst es bereits mit der stillen Ahnengruft ihrer Familie in dem Garten von Schloß Richten hatte vertauschen müssen . Der Baron befand sich in einer sehr unangenehmen Lage . Seit Monaten hatte er sich damit beschäftigt , das schöne Stammschloß seiner Familie zu würdiger Aufnahme der jungen , schönen Herrin einzurichten . Mündlich und schriftlich war zwischen ihm und seiner Braut vielfach darüber verhandelt worden , und obschon er ihr die Art der Einrichtung mehrfach geschildert , hatte er doch gehofft , sie durch den heitern Glanz der kunstgeschmückten Räume , in welchen sie künftig zu leben hatte , angenehm zu überraschen . Statt dessen hatte er sie in die Residenz gebracht , und er begriff es jetzt kaum , wie der vorsichtige und kluge Freund ihm diesen Vorschlag habe machen und wie er selbst darauf habe eingehen mögen . Wo er Freude zu erregen beabsichtigte , rief er unabweislich eine trübe Stimmung hervor . Statt in breitem Behagen sorgenfrei und leicht mit seiner jungen Frau zu leben , sollte und mußte sie jetzt nothwendig mancherlei Mühen und Arbeiten übernehmen , und statt des Dankes , den er von ihr zu ernten gewünscht , hatte er wegen einer plötzlichen Abänderung des festgestellten Planes , für die sich nicht der geringste haltbare Grund anführen ließ , Entschuldigungen zu machen und um Vergebung zu bitten . Er konnte nicht aufhören , sich diese Uebelstände zu wiederholen , und doch vermochte er es nicht einmal völlig zu ermessen , wie sehr Angelika von ihrer neuen Umgebung litt , und wie der Hauch der Vergänglichkeit , der hier Alles umwitterte , auf die Phantasie einer jungen Frau wirken mußte , die mitten in ihren Glücksträumen ihren ersten großen Schmerz , ihre erste bittere Erfahrung in sich zu überwinden gehabt hatte . Angelika fühlte sich in dem Hause wie in der Verbannung , wie in der Gefangenschaft . Es war das ihrige geworden , ohne daß sie sich gewöhnen konnte , es als solches zu betrachten , denn überall , in welches Zimmer sie kam , fand sie entweder das Bild der Tante mit dem verschleierten , weltabgeschlossenen Blicke