den lieben Gott entthront habe , seufzte er aus tiefster Brust , als er einmal Regina mit Uriel sprechen sah : Gott Dank ! sie liebt ihn nicht ! - Dem Grafen mochte sich auf dem Ball dieselbe Überzeugung aufgedrängt haben . Wenigstens ging diese Angelegenheit nicht so rasch vorwärts , als er es wünschte ; daher nahm er sich vor , sie auf die bündigste Weise zu Ende zu bringen . Er ließ eines Morgens Uriel in sein Schreibkabinet rufen und sagte : » Mein lieber Junge , ich sehe , daß Du Regina sehr gern hast . Das freut mich außerordentlich , denn ich habe immer Eure Verbindung gewünscht und gewollt . Ich finde zu meiner Freude Regina so weit über ihre Jahre hinaus vernünftig und geistig entwickelt , daß mir nichts lieber wäre , als Euch bald verheiratet zu sehen . Bringe also die Sache in Ordnung . Meinen Segen hast Du . « » Aber nicht Regina ' s Herz , « entgegnete Uriel , auf dessen Zügen Freude und Trauer kämpften . » Larifari ! soll sie Dir etwa ihr Herz anbieten ? « » Sie hat entschieden Hyazinth lieber als mich . Sie spricht mehr mit ihm , beschäftigt sich mehr mit ihm .... « - » Lieber Junge , das verstehst Du nicht ! das alles kann gerade ein Beweis sein , wie ungefährlich Hyazinth für sie ist , der ohnehin ein pures Kind ist . Ich begreife Dich gar nicht ! Du hast Regina gern - ich freue mich darüber - und Du siehst aus , als wäre Dir ein Unglück widerfahren ! Wie kann ein Verliebter so zaghaft sein ? Solche Schüchternheit überlasse doch den jungen Mädchen . Allons ! heute noch sprichst Du mit Regina , nicht wahr ? « » Nein , lieber Onkel , das ist unmöglich ! sie wird vor Erstaunen aus den Wolken fallen ... « » Und Du wirst sie auffangen in Deinen Armen ! das macht sich ja ganz vortrefflich ! « » Es ist unmöglich , mit Regina von Liebe und von Ehe zu reden , denn sie denkt nicht entfernt daran , bester Onkel . « » Uriel , mache mich nicht böse ! Was soll ich von Dir halten , daß Du nicht im Stande bist , einem siebenzehnjährigen Mädchen ein paar Liebesgedanken beizubringen ! Es gibt ja nichts Leichteres auf der Welt ! « » Je nachdem das Mädchen - und der Bewerber ist . Regina ist ein sehr seltenes Mädchen und ich bin ein ganz gewöhnlicher Mensch . « » Du hast wohl nicht Lust zu dieser Ehe ? « fragte der Graf unmutig und mit gerunzelter Stirne . » Nur zu dieser Ehe , lieber Onkel , « antwortete Uriel mit großer Bestimmtheit . » Gut , mein Junge , « sagte der Graf erheitert . » Da Du aber ein so entsetzlich blöder Schäfer bist , was , unter uns gesagt , das schöne Geschlecht gar nicht besonders liebt : so werde ich Deine Bewerbung vorbringen . Glaube mir ! unter fünfhundert Mädchen , die ganz kalt und spröde scheinen , befindet sich kaum eine einzige , welche einen jungen , charmanten Mann , der zugleich eine gute Partie ist , ausschlüge . Dafür hat die Natur gesorgt . Geh ' jetzt ! ich bringe Dir bald das Jawort der Herzenskönigin . « Der gute Graf hatte sich selbst Mut und Zuversicht eingesprochen . Es war ein Etwas in seiner Tochter , das ihn heimlich ängstigte , sie könne unter jenen fünfhundert jungen Mädchen eine Ausnahme machen , oder wenigstens machen wollen . Aber wenn sie auch ihren eigenen Willen hat , wie ich fürchte : so ist sie doch gehorsam , murmelte er , in seinem Kabinett auf-und niedergehend , schellte , sagte zu dem eintretenden Bedienten : » Die Gräfin Regina ! « und überlegte , in welcher Weise er am eindringlichsten zu ihr reden könne . Regina hatte eben ihre schöne Stickerei vollendet und aus dem Rahmen genommen . Sie freute sich kindlich ihrer Arbeit , schlug sie in Seidenpapier ein und nahm sie mit , um sie dem Grafen zu zeigen , als sie zu diesem gerufen wurde . » Was bringst Du da ? « rief er ihr freundlich entgegen ; denn er hatte sich vorgenommen , ungemein liebevoll zu sein . » Einen Umhang um das Ciborium , lieber Vater . Ich hab ' ihn gestickt . Gefällt er Dir ? « sagte Regina und breitete froh ihre prächtige Arbeit aus . » Ja , ja , ganz gut ! « rief der Graf schnell verdüstert , schob die Stickerei so hastig bei Seite , daß sie vom Tische fiel und setzte hinzu : » Laß jetzt die Kindereien , wir haben von ernsten Dingen zu reden . « Regina nahm ihre Stickerei auf , schlug sie sorgsam wieder ein und sah dann ihren Vater in unbefangener Erwartung mit ihren strahlenden Augen an . » Liebes Kind , « sagte der Graf entschlossen , » ich spreche jetzt nicht als Vater zu Dir , sondern im Auftrage eines anderen , der eine herzliche Liebe zu Dir hat und um Dich wirbt . « » Bitte , lieber Vater , danke ihm für diese gütige Gesinnung und sage ihm , ich wünsche nicht , mich zu verheiraten ! « rief Regina lebhaft . » Weißt Du denn , von wem ich rede ? « fragte der Graf . » Nein ! und ich brauche es auch nicht zu wissen , denn Name und Persönlichkeit sind mir ganz einerlei . « » Aber mir nicht ! « rief der Graf mit mühsam bekämpftem Zorn . » Wisse , es ist Uriel ! und wisse , er hat nicht bloß meine Zustimmung , sondern meinen Wunsch , und den Wunsch Deiner seligen Mutter und seiner Eltern für sich ; folglich macht sein Name einen ganz enormen Unterschied . « Regina schwieg , senkte ihr