sagte Frau Haller , » denn wenn es ihr wieder gelingt , von diesem edlen König ausgezeichnet zu werden , wie sie es von dem alten Kaiser ward , als er das letzte Mal hier war und sie aufforderte , den Celtes öffentlich zu krönen , so wird ihr der Kamm immer noch höher schwellen . « » Ach ja , « sagte Eleonore etwas boshaft ; » ich erinnere mich , sie saß damals gerade neben Euch , und blieb erst sitzen , ohne sich zu rühren , indeß Ihr schon aufstandet , als der Bote des Kaisers kam sie abzurufen . « Katharina hätte bei dieser Erinnerung vor Aerger bersten mögen , denn daß damals nicht sie , sondern Elisabeth zu der Krönung des Dichters hervorgerufen ward , war die Hauptursache ihres Neides und Hasses . Aber sie erwiderte Nichts , denn eben steigerten sich diese Empfindungen zum höchsten Grad , als sie gewahrte , wie König Max aus dem Kreise der Schützen trat und einem seiner ritterlichen Begleiter winkte , und dieser darauf Christoph Scheurl und seine Gemahlin vor den König führte , sie ihm vorzustellen . Verstand die Entferntstehendere auch nicht , was er sprach , so sah sie doch an seinen huldvollen Mienen , die fast mehr bewundernd als gnädig auf Elisabeth ruhten , an ihrem mehrfachen Verneigen , zartem Erröthen und dem Lächeln des Triumphes , das ihr ganzes Antlitz verklärte , daß es nur Schmeichelhaftes sein konnte . Jetzt trat auch der lustige Rath hinzu , und obwohl Elisabeth vor seinen Worten die Augen niederschlug , so zeigte doch das beifälligstolze Lächeln ihres Gemahls , daß in dem Sprüchlein des Narren nur ein cynischer Scherz die für sie darin enthaltene Huldigung begleitet hatte , wofür ihm Max lächelnd mit dem Finger drohte und Elisabeth bat , seinem getreuen Bruder die Freiheit der Rede nicht übel zu deuten , die er selbst sich müsse gefallen lassen ; worauf der Narr mit komischer Geberde Abbitte that , bis ihm Elisabeth die Hand reichte , die er demuthvoll küßte . Katharina stand stumm und sprachlos vor Wuth , während Eleonore ihren Gatten Anton Tucher in der Nähe Scheurl ' s gewahrte und sich zu ihm durchzudrängen suchte , um wenigstens auch der Ehre der Vorstellung theilhaftig zu werden , was ihr denn auch gelang , aber ohne daß der König sich weiter mit ihr unterhalten hätte , sondern Anton nach seinem Vater fragte , der auch zur Stelle war und seinerseits nun wieder seinen Sohn Stephan vorstellte . Indeß war der Markgraf von Brandenburg zu Elisabeth getreten und sagte : » Es gelang mir heute nicht einen Gruß von Euch zu erhalten , als ich an Euch vorüberritt , und als getreuer Vasall begnügte ich mich zu Gunsten Seiner Majestät darauf zu verzichten . « » Verzeiht , edler Fürst , « unterbrach sie ihn ; » ich war von der Verwirrung , die ich durch meine Unbesonnenheit beinahe angerichtet , so bestürzt , daß es wie ein Flor vor meine Augen sank . « » Nun , « lächelte der Markgraf , » diese Entschuldigung will ich unsern Rittern vermelden , die mit mir in gleicher Lage waren , und von denen Einer sich nicht so leicht beruhigen wird . « Elisabeth sah ihn verwundert fragend an , und der Markgraf fuhr fort : » Ich vermeine wohl die schöne Jungfrau Behaim wieder zu erkennen , die vor zwei Jahren den Konrad Celtes krönte - doch wußte ich nicht , daß es die Hausfrau Scheurl ' s war , die in dessen zierlichem Hause thronte gleich einer Feenkönigin . So waret Ihr es doch überdrüssig , nur die spröde Muse eines Poeten zu sein , und ich sehe Euch als gute deutsche Hausfrau wieder ? « Warum mußte Markgraf Friedrich , wenn auch vielleicht unwissend , Elisabeth gerade in dem Augenblicke so durch seine Anspielungen demüthigen , wo sie sich durch die Huld des ritterlichen Königs einmal wieder erhoben fühlte und ihr Herz in stolzer Begeisterung schlug ? Ihre ganze Seelenstärke gehörte dazu , um ihre Bewegung zu verbergen , so daß sie ruhig sagen konnte : » Ihr seid sehr gütig , mich so in Eurem Gedächtniß behalten zu haben ; es war ein großer Kummer für die Meinigen und meinen Gemahl , daß wir uns die Ehre Eurer Gegenwart nicht zu meiner Hochzeit erbitten durften , da ihr fern von uns in den Niederlanden weiltet . « » Nun , « lächelte der Markgraf , » es findet sich wohl eine andere Gelegenheit , von Euch zu einem Familienfeste geladen zu werden ; wie ich Euch aus der Taufe hob , war ich freilich noch ein junger Mann , doch denk ' ich auch jetzt noch einen stattlichen Taufzeugen abgeben zu können . « Obwohl damals solche Scherze sehr an der Tagesordnung waren bei Vornehmen wie Geringen , erröthete Elisabeth doch unwillig , und da sie eben jetzt Ursula gewahrte , die verlegen zur Seite stand , weil sie sich unter den Augen der ganzen Familie Tucher befand , und deshalb um so weniger wagte mit Stephan Wort und Blick zu wechseln , so nahm sie Elisabeth bei der Hand und sagte : » Vielleicht erinnert Ihr Euch noch meiner lieben Freundin Jungfrau Ursula Muffel ? « » Wenigstens von diesem Morgen , « antwortete der Markgraf , » denn von dieser holden Jungfrau fand mein Gruß Erwiederung . Wo ist Herr Gabriel , Euer Vater ? Mich dünkt , ich sah ihn noch nicht . « » Dort steht er - « sagte Ursula auf ihn deutend . Und Elisabeth flüsterte leiser zu dem Markgrafen : » Ich empfehle ihn Eurer besonderen Gnade und werde Euch das Weitere schon noch erklären . « Nachdem sie die Beiden einander genähert und mit feinem Takt eine Unterredung zwischen ihnen eingeleitet , nahm sie Ursula ' s Arm und sagte : » Mir wird so heiß und enge in dem Menschengewühl , lass ' uns