und Barfüßele hielt still und athmete kaum . Und wie ihr die Haare so mitten durch getheilt wurden , und wie sie so da saß , die Hände zusammengepreßt und Alles mit sich machen lassen mußte , und die hochschwangere Frau sie bald warm anhauchte , bald an ihr herumbosselte , da kam sie sich vor als würde sie plötzlich verzaubert , und sie redete kein Wort , als dürfe sie den Zauber nicht verscheuchen , und senkte demüthig den Blick . » Ich wollt ' , ich könnte dich zu deiner Hochzeit so einkleiden ! « sagte die Bäuerin , die heute von lauter Güte überfloß . » Ich möchte dir einen rechtschaffenen Hof gönnen und es wäre Keiner mit dir angeführt ; aber heutigen Tages geschieht das nicht mehr . Da springt das Geld nach dem Geld . Nun sei du nur zufrieden . So lang mir ein Auge offen steht , soll dir bei mir nichts fehlen , und wenn ich sterbe - ich weiß nicht , es ist mir dießmal so bang um die schwere Stunde - gelt , du verläß ' st meine Kinder nicht und vertrittst an ihnen Mutterstelle ? « » O Gott im Himmel , wie könnt Ihr nur so was denken ! « rief Barfüßele und Thränen rannen ihr aus den Augen . » Das ist eine Sünde , und man kann auch sündigen , daß man Gedanken über sich kommen läßt , die nicht recht sind . « » Ja , ja , du hast recht , « sagte die Bäuerin , » aber wart ' noch , sitz ' noch still , ich will dir meinen Anhenker holen und den will ich dir um den Hals thun . « » Nein , um Gotteswillen nicht ; ich trage nichts was nicht mein ist . Ich thät ' mich in den Boden hinein schämen vor mir selber . « » Ja , aber so kannst du nicht gehen . Oder hast du vielleicht noch selber Etwas ? « Barfüßele erzählte , daß sie allerdings einen Anhenker habe , den sie als Kind von der Landfriedbäuerin erhalten , der aber wegen Dami ' s Auswanderung verpfändet sei bei der Wittwe des Heiligenpflegers . Barfüßele mußte nun stillsitzen und versprechen , sich nicht im Spiegel zu sehen , bis die Bäuerin wieder käme , die nun forteilte , um das Kleinod zu holen und selber für das Darlehen zu bürgen . Welche Schauer flossen nun durch die Seele Barfüßele ' s , wie sie so da saß , sie , die allzeit Dienende nun bedient , und in der That fast wie verzaubert . Sie fürchtete sich fast vor dem Tanz , sie war jetzt so gut und so freundlich behandelt - wer weiß wie sie herumgestoßen wird und Keiner sieht nach ihr um , und all ihr äußerer Schmuck und ihre innere Lust ist vergebens ! » Nein , « sagte sie vor sich hin , » und wenn ich weiter nichts habe als daß ich mich gefreut habe , das ist auch genug ; und wenn ich mich gleich wieder ausziehen und daheim bleiben müßte , ich wäre schon glückselig . « Die Bäuerin kam mit dem Schmuck und das Lob des Schmuckes und Schimpfen auf die Heiligenpflegerin , die einem armen Mädchen solche Blutzinsen abnehme , ging seltsam durcheinander . Sie versprach , noch heute das Darlehen zu bezahlen und es Barfüßele allmälig am Lohn abzuziehen . Jetzt endlich durfte Barfüßele sich betrachten . Die Frau hielt ihr selber den Spiegel vor und aus den Mienen Beider glänzte es und sprach es wie ein jauchzender Wechselgesang der Freude . » Ich kenn ' mich gar nicht ! ich kenn ' mich gar nicht ! « sagte Barfüßele immer und betastete sich auf und nieder mit beiden Händen im Gesicht . » Ach Gott , wenn nur mein ' Mutter mich so sehen könnte ! Aber sie wird Euch gewiß vom Himmel herab segnen , daß Ihr so gut zu mir seid , und sie wird Euch beistehen in der schweren Stunde ; brauchet nichts zu fürchten . « » Jetzt mach ' aber ein ander Gesicht , « sagte die Bäuerin , » nicht so ein Gotteserbarm ; aber es wird schon kommen , wenn du die Musik hörst . « » Ich mein ' , ich höre sie schon , « sagte Barfüßele . » Ja , horchet , da ist sie . « In der That fuhr eben ein großer Leiterwagen mit grünen Reisern besteckt durch das Dorf und darauf saß die ganze Musik , und der Krappenzacher stand mitten zwischen den Musikanten und blies die Trompete , daß es schmetterte . Nun war kein Halt mehr im Dorf , Alles machte sich eilig davon . Die Bernerwägelein , einspännig und zweispännig , aus dem Dorf selber und aus den benachbarten , die hier durch mußten , jagten einander fast wie im Wettrennen . Rosel stieg zu ihrem Bruder auf den Vordersitz und Barfüßele saß hinten im Korbe . Sie schaute immer vor sich nieder , so lange man durch das Dorf fuhr , so schämte sie sich . Nur beim Elternhause wagte sie aufzublicken : die schwarze Marann ' grüßte heraus , der rothe Gockelhahn krähte auf der Holzbeuge und der Vogelbeerbaum nickte : » Glück auf den Weg ! « Jetzt fuhr man durch das Thal , wo der Manz die Steine klopfte , jetzt über den Holderwasen , wo eine alte Frau die Gänse hütete . Barfüßele nickte ihr freundlich . Ach Gott , wie komm ' denn ich dazu , daß ich hier so stolz und geschmückt vorbeifahre , und ist ' s denn nicht eine gute Stunde bis Endringen und man meint doch , man wäre kaum eingesessen und jetzt heißt ' s schon absteigen ! und die Rosel ist schon begrüßt und umstanden von allerlei Gefreundeten und : » Ist das eine Schwester deiner Schwägerin , die du da bei dir