sich , daß sie als ein armes Mädchen gegen ihn , den Sohn wohlhabender Leute , die sie nicht mit günstigen Augen ansehen würden , doppelt auf ihre Freiheit zu halten berechtigt sei ; deshalb ertrug er ihr Wesen mit ungewohnter Geduld und begnügte sich mit der halben Gunst , daß sie unter vier Augen du zu ihm sagte . Wenn er bei einer solchen Gelegenheit einen Kuß begehrte , so konnte sie ihm den Bescheid geben : » Ich will mich noch besinnen , bleibenlassen ist gut dafür . « Wurde er dringender , so sagte sie : » Soll ich mich zu meinem Schafknecht so heruntergeben ? « und entsprang ihm lachend . Ihre Augen aber fuhren fort , das Gegenteil von ihren Worten zu reden , und dies gab ihm wieder eine Zuversichtlichkeit , die sie zu beleidigen und zu nur um so übermütigeren Zurückweisungen zu reizen schien . » Ja , ja , man darf nur knallen und ausfahren ! « pflegte sie bei solchen Anlässen spöttisch zu sagen . Endlich aber erwachte der ungestüme Zorn in ihm , den er so lange gebändigt hatte . An einem sonnigen Dezembernachmittage kam er an ihrem Haus vorbei ; sie hatte ihn den Fußweg kommen sehen und stand hinter dem Hause , wo das freie Feld sich öffnete und die Berge der Alb herunterschauten . Er tat , als führe ihn der Weg nur so vorbei ; denn er hatte sich aus Unmut ein paar Tage nicht blicken lassen . Als er sie sah , grüßte er und lud sie zum Mitgehen ein , sie schlug es ab , fragte aber , warum er » nirgends hinkomme « . » Bist brav ? « fragte er dagegen .. » Freilich ! « erwiderte sie . » Gib mir einmal deine Hand « , sagte er . Sie ließ ihm die Hand , und er versuchte , ihr schnell und verstohlen einen Silberring an den Finger zu stecken . » Du tust mir ja so weh ! « schrie sie , denn sie fühlte bloß einen Druck und Schmerz am Finger , ohne zu wissen , woher : » Wer wird einem auch so weh tun ! « Indem sie sich sträubte und ihre Hand aus der seinen zu ziehen suchte , fiel das Ringlein zu Boden . » So ! « sagte er in ausbrechendem Grimme , » ichhab ' s nicht hingeworfen , ich brauch ' s auch nicht aufzuheben , und wenn du nicht anders wirst , so kann meinetwegen der Handel zu Ende sein . « » Komm , Hansele ! « rief Christine dem Lamme zu , das frei umherging und in diesem Augenblicke zu ihr gesprungen kam , » komm , dein Herr will dich mitnehmen , der Handel , sagt er , reue ihn . « Friedrich gab dem armen Tiere einen Stoß , daß es an die Wand flog , und ging ohne Abschied fort . » Bin ich mit dem Puff gemeint gewesen ? « rief ihm Christine nach . Er hörte es nicht mehr , wenigstens gab er keine Antwort . Sie setzte sich zu dem Lämmchen , das jämmerlich schrie , auf den Boden , streichelte und untersuchte es ; es hinkte ein wenig , hatte aber sonst keinen Schaden genommen . Nachdem sie es beruhigt , suchte sie nach dem Ringlein , das sie bald im Grase fand ; sie steckte es an den Finger und sah eine Weile seufzend hinter dem Trotzkopf her , dann zog sie es wieder ab und verbarg es sorgfältig an ihrer Brust . Friedrich strafte sie mit achttägigem Wegbleiben . Es kam ein großer Markttag und mit ihm der letzte Tanz vor der geschlossenen Zeit , die von Weihnachten bis Neujahr dauert . Sonst hatte er immer dafür gesorgt , daß sein Mädchen zum Tanze kam ; diesmal tat er keinen Schritt . Auch er war entschlossen , nicht hinzugehen ; als er aber von weitem die bekannten Töne des Ländlers vernahm , spiegelte er sich vor , er wolle seinen Unmut vertanzen und vertrinken . Gesagt , getan ; aber das erste , was ihm beim Eintritt in die Augen fiel , war Christine , die anscheinend sehr wohlgemut mit einem jungen Burschen tanzte . Er hätte laut aufschreien und dreinschlagen mögen , aber er bezwang sich und wählte schnell eine Tänzerin . Christinen zum Trotz tanzte er unaufhörlich , ohne sie ein einziges Mal aufzufordern . Aber auch sie blieb nicht verlassen sitzen , denn die Buben , wie man die jungen unverheirateten Männer nennt , kümmerten sich wenig um das , was man im Flecken über ihre Familie sprach , und hatten Wohlgefallen an ihrer Jugend und Schönheit . Sie war jedoch darauf bedacht , mit keinem zweimal nacheinander zu tanzen , und auch er wechselte seine Tänzerinnen fleißig , denn so gerne er ihr einen eifersüchtigen Verdruß bereitet haben würde , so fand er doch keine , mit der er durch längeres Zusammenhalten in den Ruf einer Liebschaft hätte kommen wollen . Sonst hatte er , wie es bei verbundenen Paaren Sitte ist , nur mit ihr und sie nur mit ihm getanzt ; heute machten sie jedes für sich die Runde durch die ganze junge Welt , soweit sie nicht verliebt oder verlobt , verbandelt oder verhandelt war . Einmal kamen sie beim Ausruhen nebeneinander zu stehen . » Tut ' s so ? « fragte Christine freundlich und gelassen zu ihm herüber . » Ich mag mich nicht am Narrenseil herumführen lassen « , schnaubte er zu ihr hinüber und riß seine Tänzerin von neuem in die Reihe . Sein Herz kochte , das Tanzen war ihm entleidet , und er setzte sich zum Wein , den er mit Heftigkeit in sich goß . Gleichgültig und düster sah er von hier aus der Lustbarkeit der andern zu , oder vielmehr , er sah nur Christinen , die zwar keinem einzelnen besondere Gunst erwies , aber