hatte , daß man durch dessen Fernrohr lebendige Wesen im Monde und feurige Schiffe in der Sonne sehen könne . Frau Margret hatte immer die lebendigste Einbildungskraft , und bei ihr ging alles in Fleisch und Blut über . Sie pflegte mehrmals in der Nacht aufzustehen und aus dem Fenster zu schauen , um nachzusehen , was in der stillen dunklen Welt vorging , und immer entdeckte sie einen verdächtigen Stern , der nicht wie gewöhnlich aussah , ein Meteor oder einen roten Schein , welch allem sie gleich einen Namen zu geben wußte . Alles war ihr von Bedeutung und belebt ; wenn die Sonne in ein Glas Wasser schien und durch dasselbe auf den hellpolierten Tisch , so waren die sieben spielenden Farben für sie ein unmittelbarer Abglanz der Herrlichkeiten , welche in der Sonne selbst sein sollten . Sie sagte : » Seht ihr denn nicht die schönen Blumen und Kränze , die grünen Geländer und die roten Seidentücher ? diese goldenen Glöcklein und diese silbernen Brunnen ? « und sooft die Sonne in die Stube schien , machte sie das Experiment , um ein wenig in den Himmel zu sehen , wie sie meinte . Ihr Mann und der Schneider lachten sie dann aus , und der erste nannte sie eine phantastische Kuh . Jedoch auf einem festern Boden stand sie , wenn von Geistererscheinungen die Rede war , denn hier hatte sie feste und unleugbare Erfahrungen die Menge , welche sie schon Schweiß genug gekostet hatten , und fast alle andern wußten auch davon zu erzählen . Seit sie nicht mehr aus dem Hause kam , waren freilich ihre Erlebnisse auf ein häufiges Pochen und Rumoren in alten Wandschränken und etwa auf das Umherschleichen eines schwarzen Schafes in der nächtlichen Straße beschränkt , wenn sie um Mitternacht oder gegen Morgen ihre Inspektionen aus dem Fenster hielt . Ausnahmsweise begegnete es ihr noch einmal , daß sie ein kleines Männchen vor der Haustür entdeckte , welches , während sie mit scharfen kritischen Augen dasselbe beobachtete , plötzlich in die Höhe wuchs bis unter ihr Fenster , daß sie dasselbe kaum noch zuschlagen und sich ins Bett flüchten konnte . Hingegen in ihrer Jugend war es lebhafter hergegangen , als sie , besonders noch auf dem Lande , bei Tag und Nacht durch Feld und Wald zu gehen hatte . Da waren kopflose Männer stundenweit ihr zur Seite gegangen und näher gerückt , je eifriger sie betete , umgehende Bauern standen auf ihren ehemaligen Grundstücken und streckten flehend die Hand nach ihr aus , Gehenkte rauschten von hohen Tannen hernieder mit schreckbarem Geheul und liefen ihr nach , um in den heilsamen Bereich einer guten Christin zu kommen , und sie schilderte mit ergreifenden Worten den peinlichen Zustand , in dem sie sich befand , wenn sie nicht unterlassen konnte , die unheimlichen Gesellen von der Seite anzuschielen , während sie doch wußte , daß dieses höchst schädlich sei . Einige Male war sie auch ganz aufgeschwollen auf der Seite , wo die Gespenster gelaufen waren , und mußte den Doktor herbeirufen . Ferner erzählte sie von den Zaubereien und bösen Künsten , welche zur Zeit ihrer Jugend , gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts , noch gang und gäbe waren unter den Bauern . Da waren in ihrer Heimat reiche gewaltige Bauernfamilien , welche alte Heidenbücher besaßen , mittelst deren sie den schlimmsten Unfug trieben . Daß sie mit offener Flamme Löcher durch Strohbunde brennen konnten , ohne diese zu zerstören , oder auf dem Wasser gehen oder den Rauch aus den Schornsteinen in beliebiger Richtung aufsteigen und possierliche Figuren bilden zu lassen verstanden , gehörte nur zu den unschuldigen Scherzen . Aber greulich war es , wenn sie ihre Feinde langsam töteten , indem sie für dieselben drei Nägel in einen Weidenbaum schlugen unter den gehörigen Sprüchen ( Margrets Vater siechte lange Zeit infolge dieser freundschaftlichen Manipulation , bis sie entdeckt und er durch Kapuziner gerettet wurde ) , oder wenn sie den armen Leuten das Korn in der Ähre verbrannten , um sich nachher zu verhöhnen , wenn sie hungerten und Not litten . Man hatte zwar die Genugtuung , daß der Teufel den einen oder andern mit großem Aufwand abholte , wenn er reif war ; allein das geriet den gerechten Leuten selbst wieder zum Schrecken , und es war eben nicht angenehm , den blutigen Schnee und die gelassenen Haare auf dem Platze zu sehen , wie es der Erzählerin selbst begegnet war . Solche Bauern hatten Geld genug und maßen es bei Hochzeiten und Leichenfeiern einander in Scheffeln und Wannen zu . Die Hochzeiten waren dazumal noch sehr großartig . Sie hatte selbst noch eine solche gesehen , wo sämtliche Gäste , Männer und Weiber , beritten waren und nahe an hundert Pferde beisammen . Die Weiber trugen Kronen von Flittergold und seidene Kleider mit drei- bis vierfach umgewundenen Ketten von zusammengerollten Dukaten ; aber der Teufel ritt unsichtbar mit , und es ging nach dem Nachtessen nicht am ehrbarsten zu . Diese Bauern hatten während einer großen Hungersnot in den siebziger Jahren ihren Hauptspaß daran , mit zwölf Dreschern in weitgeöffneten Scheunen zu dreschen , dazu einen blinden Geiger aufspielen zu lassen , welcher auf einem großen Brote sitzen mußte , und nachher , wenn genug hungrige Bettler vor der Scheune versammelt waren , die grimmigen Hunde in den wehrlosen Haufen zu hetzen . Bemerkenswert war es , daß der Volksglaube diese reichen Dorftyrannen vielfach die verbauerten Nachkommen der alten Zwingherren sein ließ , unter welchen man alle ehemaligen Bewohner der vielen Burgen und Türme verstand , die im Lande zerstreut waren . Ein anderes ergiebiges Feld für abenteuerliche Kunden war der Katholizismus mit seinen hinterlassenen leeren Klosterräumen und den noch lebendigen Klöstern , welche etwa in der katholisch gebliebenen Nachbarschaft sich befanden . Dazu trugen die Ordensgeistlichen der letztern vieles bei , besonders die Kapuziner , welche sich heute noch mit den Scharfrichtern freundschaftlich in die Arbeit teilen ,