, die aus goldenen Rahmen ernst und feierlich niedersehen . Die Luft des Gemaches ist duftig warm . Der Rauch der besten Havanna-Zigarren zieht in blauen » Wölkchen vorüber , und auf dem Marmorgesims des Kamins dampft Punsch und Grog aus kristallenen Gläsern . Zur Rechten und zur Linken des Feuers bemerken wir in zwei großen Sesseln zwei junge Männer , die Beine dem Feuer behaglich entgegenstreckend . Der eine , den Ellenbogen in die Lehne des Sessels drückend , stützt den schönen schwarzgelockten Kopf auf die schneeweiße Hand . Die Flammen des Kamins spiegeln sich in seinem dunklen Auge . Er scheint in tiefes Sinnen versunken . Minutenlang liegt er regungslos da ; aber plötzlich fährt er zusammen , er streicht die Locken von der Stirn , und die halberloschene Zigarre aufs neue an die Lippen führend , lacht er und zeigt unter dem kohlschwarzen Schnurrbart eine Perlenreihe der schönsten Zähne . Der zweite der jungen Raucher bildet den besten Kontrast zu dem ersteren . Er ist lang , dünn , trocken , blondhaarig , mit kahler Glatze - eine etwas ruinierte Erscheinung , die durch fashionable Manieren den frühen Verlust aller übrigen körperlichen Reize wiedergutzumachen strebt . Der Blonde weiß sehr graziös zu rauchen , aber nur selten greift er nach seinem Grog , den er , statt zu trinken , wie aus Langerweile nachlässig in den Kamin schüttet . Mit einem ironischen Lächeln blickt er auf den sinnenden Freund . » Trösten Sie sich « , beginnt endlich der Blonde , » trösten Sie sich , Ritter , Sie werden die Herzogin jedenfalls noch heute abend zu Gesichte bekommen . Sie werden eine geistreiche Dame kennenlernen . « Der Schwarzgelockte hebt sich langsam im Sessel empor : » Sagen Sie mir zum zwanzigsten Male , Graf , glauben Sie wirklich , daß ich reüssieren werde ? « » Das hängt einzig und allein von Ihnen ab : übrigens werde ich Sie nach Kräften unterstützen - « » Ich schenke Ihnen meinen schönsten Hengst ! « » Einen Hengst für eine Herzogin ! Es tut mir nur leid , daß ich nicht mehr so gut wie früher mit ihr stehe . « » Wieso , Graf ? « » Ich sagte der Herzogin einst , daß ich aus reiner Sympathie eine kahle Glatze trüge : und sehen Sie , das konnte sie mir nie vergessen . « » Armer Mann - - « » Ja wahrhaftig , hüten Sie sich davor , die leiblichen Schönheiten der Herzogin näher zu besprechen . Loben Sie nur ja nicht ihre glänzenden schwarzen Haare , ihre herrlichen Zähne oder ihren eleganten Wuchs - die Herzogin würde dies für die abscheulichste Ironie halten , denn alles Lob fiele auf den Perruquier zurück , auf den Zahnarzt und auf ähnliche nützliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft . « » Aber was soll ich tun - ? « » Ich setze voraus , daß Sie nicht von der Herzogin benutzt zu werden wünschen , sondern daß Sie die Herzogin benutzen wollen ? « » Allerdings ! « » Sie müssen daher die Herzogin zu unterjochen suchen . « » Sehr richtig ! « » Und es stehen Ihnen zwei Wege zu diesem Ziele offen . « » Welche ? « » Entweder müssen Sie als Tyrann auftreten - oder als harmloser Schäfer . Das eine Mal werden Sie durch Ihre Keckheit , durch Ihre Unverschämtheit die Eitelkeit der Herzogin in so barbarischer Weise aufstacheln , daß sie es sich zur Ehrensache macht , Ihnen nur nach dem fürchterlichsten Kampfe das Feld zu räumen . Ein wahres Gemetzel von Blicken , Worten , Ränken und Intrigen wird sich zwischen Ihnen entwickeln . Sie werden , ohne die Eitelkeit der Herzogin zu verletzen , jede ihrer Frechheiten durch eine eklatantere Bosheit zu überbieten wissen . Ihre List werden Sie durch List umgehen , ihrer Lüge werden Sie durch noch größere Lügen imponieren , die Renommage mit ihren galantesten Sünden werden Sie durch die Erzählung galanterer Abenteuer zu paralysieren suchen . Malt die Herzogin grau , so malen Sie schwarz ; malt sie rot , so malen Sie purpurrot , und ist es zuletzt nicht mehr möglich , sie im Raffiniertsein zu überbieten , da schlagen Sie plötzlich in das ganz Entgegengesetzte um und vernichten Ihre Gegnerin durch das Einfache . Sie treiben die Herzogin bis auf den Chimborasso des Unerhörten und lassen sie plötzlich in die Sahara des Allergewöhnlichsten fallen , und ich bin gewiß , daß Sie zuletzt siegen , daß das raffinierte Alter der raffinierten Jugend weichen muß , daß die Herzogin zum Rückzug bläst , ja , daß sie enttäuscht zusammensinkt , daß sie ächzt und winselt - aber dann erst ist der Augenblick gekommen , wo Sie Ihrem Feldzuge die Krone aufsetzen . Denn statt den Fuß siegend auf ihren Nacken zu setzen , verzichten Sie plötzlich auf den Ruhm der gewonnenen Schlacht ; statt zu triumphieren , machen Sie Ihren Triumph zu dem Triumph der Herzogin : während sie Ihnen zu Füßen fallen will , kommen Sie der Herzogin zuvor und fallen ihr zu Füßen , ein sentimentaler Satan , ein verliebter Nero , so daß Sie Ihre fallende Gegnerin mit den Armen auffangen und sie emporrichten , sie maßlos erstaunend durch Ihre Überlegenheit und zum Danke rührend durch Ihre unbeschreibliche Galanterie . Seien Sie versichert , Ritter , durch ein solches Spiel werden Sie die Herzogin durchaus gewinnen - sie wird alle Ihre Schulden bezahlen - - « » Und den andern Weg ? « fragte der Ritter , indem er sich aufmerksamer emporrichtete . » Nun , der ist bei weitem einfacher , vielleicht zu einfach , als daß Sie sicher und gewiß damit zum Ziele kommen . Soweit ich Sie zu beurteilen verstehe , werden Sie die Rolle eines Roués besser spielen können als die eines Gimpels ; die zweite Manier , die Herzogin zu erobern , besteht nämlich wie gesagt darin , daß Sie eben als harmloser , unerfahrener