nein ! unterbrach er mich ; das schien Ihnen nur so , weil sie Ihnen ein Greuel waren ! Ich lebe wie ich nun einmal lebe , aus freier Wahl und aus Liebe : denn ich erwerbe mir selbständig mein Brot und gönne meinem Herzen die süßeste Befriedigung die es genießen kann . « » Sind Sie verheirathet ? « fragte ich hastig . Mir schien daß man nur einem Weibe , einem Kinde solche Opfer bringen könne . » Nicht doch ! entgegnete er gelassen ; ich habe ewige Messen gestiftet für eine geliebte Seele . « Das war mir unverständlich ; und da man leicht geneigt ist zu seiner eigenen Beruhigung das Unverständliche kurzweg unverständig zu nennen : so verfehlte auch ich nicht dies Verfahren höchst unsinnig zu finden . » Welch eine seltsame Art von Befriedigung ! rief ich geringschätzig . Und wie ist denn der Genuß den Ihr Herz dabei empfindet ? « Er besann sich eine Weile und sagte dann unbefangen : » Ich denke es ist der jener Magdalene , welche die Füße des geliebten Heilandes mit köstlichen Narden salbte . « » Und Judas bedauerte daß das Geld für die Narden verschwendet - und nicht lieber den Armen gegeben würde , « sagte ich mit einem bittern Rückblick auf mich selbst , denn neben dieser Gesinnung kam mir die meine roh und niedrig vor . » Ich verstehe Sie nicht ! « sprach er aufrichtig . » Desto besser ! rief ich ; - doch nun sagen Sie mir wohin Sie Ihren Wanderstab setzen wollen ? « » Nach Italien . Ich kam von Wien hieher nur um den ehrwürdigen Bischof einmal wieder zu sehen , und diese Pietät ist mir gelohnt , da ich Sie gefunden habe . Heut Abend geht die Post nach München , da will ich fort . « » O ich bitte Sie , nicht so sehr flüchtig ! bleiben Sie ein Paar Tage hier ! wir haben so viel zu plaudern .... von Engelau .... von der Vergangenheit .... und - ich will auch nach Italien ; da reisen Sie mit mir . « » Ja , das thue ich gern , rief er lebhaft ; mir ist wol bei Ihnen ! zu Ihren eleganten Gesellschaften und zu Ihren Kunstgenüssen werden Sie mich wol aus Barmherzigkeit nicht verdammen - und sonst werden wir uns recht gut mit einander vertragen . « » Zuweilen werden Sie mich aus Barmherzigkeit gute Musik hören lassen ? « fragt ' ich lächelnd . » Was nennen Sie gute Musik ? « » Nun , solche welche mich von dem Kampfe innerhalb meines engen Selbst befreit und mich in eine Welt führt wo Geisterschlachten geliefert werden an denen meine Seele Theil nimmt . » Sind Sie so ernst ? « sagte er zweifelnd . » Ich bin eine Tochter des Nordens und Sie fragen ob ich ernst sei ! mein Gott , das ist ja die Mitgift welche uns in die Wiege gelegt wurde . Ich gehe nach Süden um etwas heiterer zu werden und um das Kind in eine fröhlichere Atmosphäre zu bringen . « » Ist die Seele ernst , so wird sie durch die fröhliche Umgebung nicht fröhlich . Höchstens zerstreut sie sich , und das thut ihr nicht immer wol . Der ernste Mensch sollte darauf bedacht sein sich zu sammeln um sich dann resigniren zu können . « » Resigniren ? aber wozu ? « » O zu Allem ! zu seinem Glück wie zu seinem Leid . « » Sie lieben Paradoxen ! « » Ich mögte wol wissen ob Sie sich zu einem Glück resigniren könnten ? sprach er gedankenvoll und fixirte mich mit seinen seltsamen Augen . Denn das Glück , sehen Sie , ist immer irgend eine Gestalt die am Saume unsers Horizontes schwebt , und eine aurorenhafte Glorie trägt , welche halb der irdischen und halb einer idealischen Welt angehört . Tritt nun jene Gestalt - die wir Ruhm , Ehre , Liebe , Genuß , oder sonst wie nennen ! - an uns heran , liegt sie zu unsern Füßen , schmiegt sie sich in unsre Arme - nun ja , dann halten wir sie am Herzen , dann schauen wir ihr Aug in Aug ; aber ! aber ! die Glorie schwebt noch immer fern am Horizont , am Saum zweier Welten ! das Glück das in die Erdenwelt hineintritt , tritt aus der Glorie heraus - und da muß man sich wol vorbereitet haben zur Resignation um nicht zu verzweifeln , um nicht die Rose fallen zu lassen weil sie Dornen hat , und den Freudenbecher weil er einen schaalen Bodensatz bietet . « » Und was thun Sie , Fidelis ? « » O ich ! - ich suche weder die Rose noch den Freudenbecher . « » Stoiker ! « rief ich , schwankend zwischen Unglauben und Vorwurf . Er lächelte und fragte dann : » Und Sie ? « » Nun .... wenn ich sie nicht suche , so rührte das wol nur daher , daß ich .... sie erwarte , und immer und ewig erwarte , und gar nicht begreife wie das Leben vergehen könnte ohne sie . - Aber wie sind Sie zu Ihrer melancholischen Ansicht über das Glück gekommen ? « setzte ich nachdenklich hinzu , weil sie ungefähr mit meinen Erfahrungen übereinzustimmen schien . » Wie alle Menschen : durch Erfahrung ! jedoch nicht wie alle durch eigene , sondern durch fremde Erfahrung . « » Eine solche pflegt sehr unvollkommen zu sein . » Meistentheils , ja ! « sprach er abbrechend und fragte ob ich schon etwas über meine Abreise festgesetzt hätte . Unwillkürlich erröthete ich , weil mich in der That nichts daran gehindert hatte als meine kindische Erwartung eines Briefes von Astrau . » Ich dachte übermorgen , « sagte ich plötzlich entschlossen - und dabei blieb es . Mit Rührung und Liebe verließ ich meinen guten Onkel