von fern Erlau ' s fröhliches Lachen entgegentönte . Eine Menge Personen bewegten sich bei Reinhard ' s Ankunft unruhig durcheinander . Erlau stand bei einer Theaterdecoration , die ein Gemäuer darstellte , und versuchte , einem jungen Offiziere die Arme in eine bestimmte Stellung zu bringen . Nicht weit davon saß Therese mit einer Dame , Beide in weite Tücher gehüllt , die Kopf und Gestalt umgaben . Madame Meier spielte mit einem Kinde , das ebenfalls bei den Bildern , die man probirte , beschäftigt werden sollte ; kurz jeder der Anwesenden hatte nur Sinn für die Probe , und Reinhard ' s Eintritt wurde kaum beachtet . Wie anders hatte er es sich gedacht ! Jenny war gar nicht in dem Zimmer . Er näherte sich Theresen und fragte nach ihr ; aber Therese hatte sie seit einer Weile nicht gesehen . Es wurde ihm unheimlich in dem Getreibe , er wollte in ein Seitenzimmer und von da , wo möglich , nach Hause gehen , als er , die Nebenstube betretend , Steinheim peroriren hörte . Und warum soll denn nun urplötzlich aus dem Bilde nichts werden , von dem wir uns so viel Effekt versprachen ? Weil ich nicht will ! war Jenny ' s kalte Antwort , die vor dem Spiegel stand und ihre Locken ordnete . Aber das ist es eben , was ich frage , warum wollen Sie nicht ? Sie selbst hatten den Templer und die Jüdin gewählt ; Sie sehen reizend in dem Turban aus ; der Hauptmann ist der stattlichste Templer . Gestern , noch heute früh , war Ihnen Alles genehm , und nun ? - » Löset mir , Graf Oerindur , diesen Zwiespalt der Natur ! « Jenny gab keine Antwort und beschäftigte sich ruhig mit ihrer Frisur , bis Erlau hineinstürmte . Holdes , angebetetes Fräulein ! rief er , keine Capricen ; mein schöner Hauptmann steht mit ausgebreiteten Armen und sieht so sehnsüchtig und so göttlich einfältig in die Ferne , daß sich eine der Himmlischen erbarmen und in seine Arme hinuntersteigen müßte . Seien Sie nicht unerbittlicher ! Sie sind immer ein Engel , eine Göttin ; warum wollen Sie nun absolut mit einem Male eine wasserblaue schmachtende Madonna vorstellen ? Sie , die der Himmel gleichsam für diese glühende Rebecca prädestinirte ? Kommen Sie Fräulein ! oder der Hauptmann kommt aus der Position ! Ich habe Ihnen ja vorhin gesagt , lieber Erlau , mir gefällt das Bild nicht . Zu dem Bendemann ' schen bin ich bereit und will auch gern in irgend einem biblischen Tableau stehen , sonst aber ....... Während Jenny die ersten Worte sagte , gab Erlau Steinheim ein Zeichen , sich zu entfernen , warf sich , ehe sie ausgesprochen , ihr zu Füßen und rief mit komischem Pathos : Aber kann denn ein Candidat der Theologie sich nur in einen Heiligen verwandeln ? Wie , wenn es mir gelänge , ihn zum Orden der Templer zu bekehren ? Jenny war erzürnt und wollte das Zimmer verlassen . Aber Erlau , dessen Muthwillen man Vieles nachsah , hielt sie , darauf bauend , an der Hand zurück . Sind Sie böse , Fräulein ! weil mein kleiner Finger mir einmal die Wahrheit gesagt hat ? fragte er . Sie sind nicht eigensinnig , ich kenne Sie ; dahinter steckt die Meinung Ihres Lehrers und Meisters , dem ich sehr gram sein würde , wenn er nicht das hohe Glück hätte , Ihr und mein Freund zu sein . Wenn nun aber Reinhard selbst ....... Ich wüßte nicht , sagte Jenny mit einer erheuchelten Kälte , die um so schneidender erschien , je bewegter sie war , was Ihnen das Recht gibt , derlei zu vermuthen ? Herrn Reinhard ' s Meinung hat mit meinem Entschlusse Nichts zu schaffen , gar Nichts ! glauben Sie mir das . Erlau fühlte , daß er leichtsinnig zu weit gegangen sei , er wußte auch , daß sie nicht dachte , was sie sprach . Aber während er noch schwankte , was er thun solle , sie zu begütigen , sah Jenny Reinhard plötzlich vor sich stehen . Das nahm ihr alles Maaß und alle Fassung . Sie versuchte zu lachen , setzte schnell den rothen Turban auf , den sie zu der Rolle der Rebecca brauchte , gab dem verwunderten Erlau den Arm und sagte : Kommen Sie ! Sie sollen sehen , daß ich nachzugeben weiß , und daß ich meinen eigenen Willen habe . Damit ging sie mit dem Maler mit flüchtigem Gruß an Reinhard schnell vorüber in den großen Saal . Reinhard war wie versteinert . So vollkommen abstoßend war ihm Jenny nie zuvor erschienen . Schon der Ton , in welchem sie mit den Männern verkehrte , hatte ihn verletzt ; er konnte sich ihr Verhalten nicht erklären und ihre Aeußerung über ihn empörte sein ganzes Herz . Das also war der Lohn für seine Liebe ! Er hatte sich in einen Sessel geworfen , dann hatte er gehen wollen und war doch geblieben . So ging die Zeit hin und er bemerkte es kaum . Er wußte nicht , was er wollte , kaum was er dachte . Es war ihm dumpf und trüb zu Sinn . Mit einem Male trat Therese an ihn heran . Sie hatte ihn gesucht und nahte ihm schüchtern mit der Frage : warum er die Gesellschaft verlassen habe ? Reinhard antwortete ausweichend . Es ist Schade , daß Sie fortgingen , sagte Therese , Jenny sah so schön aus als Rebecca . Es ist eine allgemeine Bewunderung und ich eilte nur hinaus , um Sie zu suchen . Reinhard hörte düster brütend zu . Kommen Sie ! bat Therese freundlich dringend und beängstigt durch des jungen Mannes Schweigen , kommen Sie doch ! und sein Sie nicht so traurig , es thut mir gar zu leid ! - Gutes Kind ! seufzte Reinhard aus tiefster Brust und ergriff Theresens