Himmel wurde trüber und trüber , wie ihre Stimmung ; ihr Herz war unruhig und furchtsam , wie die Schwalben , die ängstlich hin und her flatterten . Eine Spinne hatte ihr Netz in einer Ecke aufgeschlagen und spann und spann den langen , gleichen Faden unermüdlich fort , so oft er abriß , ihn auf ' s Neue knüpfend - kein Laut in der Natur , außer dem heimlichen Flüstern der Bäume , die nicht aufzuathmen und sich zu regen wagten , bei der glühenden Luft . Die Wolken sanken immer tiefer zur Erde nieder . Es war ihr , als müßten sie sie erdrücken , wenn es so fortging . Sie hielt es nicht länger in den dumpfen Zimmern aus , sie hoffte frei aufzuathmen im Freien , sich selbst zu entfliehen , und ging eilig hinab in die breiten Alleen des Gartens . Aber auch hier fand sie weder die Kühlung , noch die Beruhigung , deren sie bedurfte ; sie wollte Bewegung , Leben , Menschen um sich sehen . Es trieb sie mit ungewohnter Hast durch die schattigen Partien des Gartens , nach den offneren , freien Plätzen ; sie näherte sich dabei der Straße und sah den Briefträger dem Thore zuschreiten , der ihr einen Brief des Geheimraths brachte . Es war fast zu dunkel geworden , ihn im Freien zu lesen und , da sie sich nicht entschließen konnte , in das Haus zurückzukehren , ging sie in den Pavillon , wo sie für den Abend zu bleiben dachte , zündete selbst die Lichter an und setzte sich zum Lesen nieder . Je länger sie las , je bewegter schien sie zu werden ; endlich legte sie den Brief fort und lehnte sich in den Divan zurück , das Gesicht in den Händen verbergend . Meining ' s liebevoll sehnsüchtiger Brief that ihr mehr wehe , als die härtesten Vorwürfe es vermocht hätten . Es fiel ihr schwer , Lob zu ertragen , das sie nicht verdiente , Liebe zu empfangen , die sie nicht erwiderte , und ein Vertrauen zu genießen , das sie nicht vergelten konnte . Es wäre ihr nicht möglich gewesen , in dieser Stimmung den Brief zu Ende zu lesen , es schien ihr , als wäre er nicht an sie gerichtet . Er galt der Clementine , die Meining ' s würdig war , die Anspruch hatte auf seine Achtung - das war sie nicht mehr . Hatte sie doch gestern noch Robert auf das Lebhafteste herbeigewünscht ; wozu nützte der Kampf einzelner Stunden , wenn der Geliebte immer als Sieger aus demselben hervorging ? Sie warf sich vor , unredlich gegen sich selbst zu sein und - auch diesmal hafteten ihre Gedanken wieder an dem Namen des Geliebten , bis sie in jenen Zustand versank , der , eben so fern vom Schlummer , als vom Wachen , nervöse Menschen nach starker , geistiger Aufregung oft befällt . Alle ihre Gedanken flossen und verschwammen in einander , bis die ganze Welt wie ein nebelgraues , unbestimmtes Etwas , das ihr fremd und vollkommen gleichgültig dünkte , vor ihrem getrübten Blicke dalag . Da öffnet sich plötzlich die Thüre des Gartenhauses , die hohe Gestalt eines Mannes erscheint in der Thüre . Er ruft sie an mit ihrem Namen , er breitet ihr seine Arme entgegen und , widerstandlos zu ihm hingezogen , fliegt sie mit einem Ausruf des Entzückens ihm entgegen und sinkt ihm an das Herz . Unter den Küssen des Geliebten erwacht sie an seiner Brust , und die zärtlichsten Worte der Liebe , die süßesten Thränen sagen ihm , wie warm das Herz ihm schlägt , das an dem seinen klopft . Er bat sie nicht um ihre Liebe , er gelobte ihr die seine nicht , und doch floß das Geständniß ihrer Liebe von Clementinen ' s Munde , doch hörte Robert nicht auf , der Geliebten zu sagen , wie glücklich er sei . Er ruhte zu ihren Füßen , er küßte ihre Hände , beugte ihr Haupt zu sich hernieder , und sie barg wieder wie in ihrem Traume ihr Angesicht in seinem dunkeln Haar , das sie spielend durch die feinen Finger gleiten ließ . Worte , die dem Himmel angehörten , wechselten mit kindischem Spiele , wie nur die wahre Liebe es schuldlos kennt . Draußen war es fast Nacht geworden . Ein heftiger Regen fiel in großen , rauschenden Tropfen hernieder ; fern leuchtende Blitze zuckten durch die buntgemalten Fenster und warfen sonderbares Streiflicht in das kleine Gemach . Die ängstliche Clementine suchte Robert ' s Hand , wie Schutz erbittend , und er fand die zaghafte Frau lieblicher als je in dieser Schwäche . Sieh , Geliebte ! sprach er , so will ich Dich immer behüten , immer suche Zuflucht bei mir . Wie liebe ich Dich in dieser Bangigkeit , wie froh macht mich das Gefühl meiner Kraft , Dir , Du Zarte , Schwache ! gegenüber . Glaube mir , alle Eure Gewalt liegt in Eurer Hülflosigkeit ; werde nie muthig , nie stark , meine Geliebte ! Niemals könnte ich , wie Meining , Deiner süßen Furchtsamkeit lachen ; und jedes Gewitter , das über uns aufzieht , soll mir ein liebes Erinnern an diese Stunde sein . Ich will es segnen , wenn es Dich , mein Leben , künftig in den kühlen Gemächern unsres Hauses , nach Schutz verlangend , in meine Arme führt . Und abermals wollte er Clementine an sein Herz ziehen , aber plötzlich aufschreckend machte sie sich aus den Armen des Geliebten los . Meining ' s Name hatte Alles um sie her verwandelt , das Paradies ihrer Wonne versank , und die Wirklichkeit machte ihre Rechte wieder geltend . In dem Rausch der Ueberraschung , in welche das unverhoffte Wiedersehen des Geliebten sie versetzt , hatte sie Alles vergessen , hatte Nichts gedacht , als das unaussprechliche Glück , das sie ihr Leben hindurch ersehnt