brauchen . Ein Paar Notizen über Feldern wären mir lieber . « » Die kann ich leider nicht geben ! « antwortete Kirchberg in demselben Ton , und ging . Schon zwei Monat waren vergangen ; Andlau kam nicht wieder . Die Geschäfte seiner verstorbenen Mutter waren in großer Unordnung . Seine Brüder hatten lebhafte Neigung , ihren Nachlaß zu theilen , gar keine - ihn zu entwirren . Er stand mit seiner grandiosen Uneigennützigkeit so frei zwischen ihnen beiden , daß sie gleiches Vertrauen zu ihm hegten und ihn beschworen , das Ganze in seine Hand zu nehmen , um es zu schlichten . » Das Gut meiner verstorbenen Mutter muß erst verkauft werden - schrieb er an Faustine - das mag sich bis zum Frühling hinziehen : so lange müssen wir Geduld haben , meine Ini ! dann bin ich frei , und doppelt meiner Freiheit froh , weil ich sie durch ein Opfer mir erkauft habe . Meine Geschäfte sind langweiliger Art ! ich muß hier und dorthin fahren , muß mit diesen und jenen Leuten unterhandeln - nun , das ist nichts für Dich ! Dir soll ich von andern Dingen erzählen ! Süße und Liebe , wer kann auch anders , als von süßen und lieblichen Dingen zu Dir sprechen ? wer kann anders , als zu Deinen Füßen niedersinken und Dich anbeten , nicht weil Du schön , nicht weil Du anmuthig bist , nicht weil Du diesen oder jenen Vorzug hast , sondern nur weil es eine Wonne ist , ein Geschöpf anzubeten , das , wie von silbernen Flügeln getragen , über die staubige Erde hingeht . Der Gedanke an Dich ruhet mich aus , wenn ich müde bin von dem künstlichen Treiben der Menschen ; erfrischt mich , wenn mir die Seele welk wird von ihrem Lügenhauch ; erhebt mich , wenn Zweifel an Treue und Wahrheit mich beschleicht . Du bist für mich das Compendium der Schönheit . In Dir hab ' ich Alles vereint , und ein Atom Deines Wesens beseelt mir jede Erscheinung des Lebens . Die Frauen haben größern Einfluß auf die Männer , als umgekehrt . Sie sind so subtil , daß sie in das gesammte Lebensgeäder des Mannes wie Balsam oder wie Gift eindringen . Obgleich es ihrer Eitelkeit schmeichelt , wollen die Frauen doch nichts von diesem immensen Einfluß wissen , weil sie sich vor der Verantwortung fürchten , welche er nach sich zieht . Aber er ist unleugbar . Hier stirbt ein Mensch , weil ihm seine Liebste untreu gewesen ist , ein gemeiner Mensch - hör ' an die Geschichte : Es war ein wunderhübsches Bauermädchen auf dem Gut meines jüngsten Bruders , das einzige Kind ihrer Eltern , der Stolz des Dorfes , Braut von einem jungen Knecht , der nicht reich war , nicht hübsch , kurz keine andern Vorzüge hatte , als den , daß er sie und sie ihn liebte . Ein reicher Bauersohn aus der Nachbarschaft , so wie ein Jäger meines Bruders , hatten um das Mädchen geworben und waren spöttisch abgewiesen worden ; sie hatte ihren Schatz ! Diesen Herbst sollte die Hochzeit sein . Ehe es so weit kam , schien wol eine Veränderung mit dem Mädchen vorgegangen , aber wie das gewöhnlich geht : das fiel Allen erst ein , nachdem die Sache sich aufgelöst hatte . Drei Tage vor der Hochzeit geht sie mit ihrem Bräutigam zum Jahrmarkt in die Stadt . Da tritt bei einer Bude ein junger Soldat , etwas betrunken , zu ihr heran , und sagt ein Paar Worte , die das Mädchen und ihren Bräutigam zittern und erbleichen machen . Letzterer ruft dem Soldaten zu : Du lügst ! und der erwidert lachend : Es steht ja der Verena auf die Stirn geschrieben . Da , ohne sich einen Augenblick zu besinnen , ohne ein Wort zu sprechen , nimmt der Knecht das Messer , welches er eben gekauft , und stößt es dem Mädchen bis ans Heft in den Busen . Sie starb binnen vier und zwanzig Stunden , unaufhörlich wiederholend , daß ihr Liebster ganz recht daran gethan , sie zu tödten , denn sie sei ihm falsch gewesen und habe auch keinen ruhigen Tag mehr gehabt , seit sie sich mit dem Soldaten zu weit eingelassen . Der Soldat , schnell ernüchtert , beschwor die Aerzte , das Mädchen zu retten , und betheuerte immer bei Seele und Seligkeit , er habe nur in trunkenem Muthe gesprochen , er wisse nichts von dem Mädchen . Der unglückliche Mörder , in Kerker und Banden , sagt nichts als : Ich will sterben , denn das Verenli ist falsch gewesen und die Welt taugt nichts . Weiß der Himmel , welch Urtheil man ihm sprechen wird . Ist das nicht eine hübsche Geschichte ? Du meinst , nur in höhern Ständen , unzerstreut durch Arbeiten und geringe Bedürftigkeiten der Existenz , könne sich die Liebe bis zur intensesten Leidenschaft ausbilden , und nichts halte ihr besser das Gleichgewicht , als wenn man sich um das tägliche Brot bemühen müsse . Hier hast Du einen Beweis vom Gegentheil . Vielleicht ist ' s eine Ausnahme ; wie ich denn überhaupt eine gewaltige , dauernde Liebe zu den Ausnahmen rechne , beim Volk und bei den Vornehmen . Jene kommen nicht dazu , weil ihre Seelenkräfte unentwickelt bleiben beim sterilen Handwerk ; diese , weil das hohle , entnervende Treiben der Gesellschaft auf sie wirkt , wie Regenschauer auf Vogelflügel : sie verlieren ihre frische Elastizität . Und selbst wenn bei allen Classen die Energie sich vollkommen entfaltet hätte , so würde man deshalb kaum häufiger die Liebe finden , denn sie ist wie das Genie etwas , was man empfängt , nicht erstrebt ; und man könnte sie in ihrer Unwillkürlichkeit capriciös nennen , wenn man sie nicht lieber göttlich nennen mag . Lebe wohl , Du - meine Göttin mag ich nicht sagen : sie steht