mir vergönnt sein wird . « Schweigend genehmigte Madame St. Albans dieses Anerbieten , und beide gingen , von Asta geführt und von den Segenswünschen der guten Geschwister begleitet , den schweren Weg . Von den großen Alleen , welche zu den verschiedenen Eingängen des Schlosses führten , leitete Asta ihre Begleiterinnen seitwärts in ein kleines wildes Gehölz , womit eine eben so grade und regelmäßig gepflanzte Allee verwachsen war . Der Fußsteig war hier schmal und uneben , kaum für zwei Personen gangbar , und erlaubte nur einige Schritte weit um sich zu sehen . - So standen sie plötzlich an einer verfallenen Treppe - Asta winkte Elmerice geheimnißvoll zu , und Madame St. Albans , die den Ort erkannte , machte seufzend ihren Arm von ihrer jungen Führerin los . - » Geht nun mit Gott zurück und betet für mich , Elmerice , mein liebes Kind ! Wann ich Euch wiedersehe , weiß ich freilich nicht , Nachricht werdet Ihr wohl von mir hören . « - Tief gerührt nahm Elmerice nun Abschied und beschwor sie , ihr jede Möglichkeit anzugeben , wodurch sie ihr dienen und zur Pflege ihrer Gesundheit beitragen könne . Aber kaum wußte Elmerice , ob die arme Frau ihre Rede verstanden habe ; denn bleich und in trübes , tiefes Nachdenken versenkt , wandte sie sich ab und stieg an Astas Hand die Stufen hinan , die in eine Art Thoreingang führten und jetzt Beide den Blicken der besorgt Nachschauenden entzog . Längst waren sie verschwunden , kein Geräusch , keine Bewegung ließ die Ahnung aufkommen , daß hier menschliche Wesen existirten ; aber Elmerice blieb wie gefesselt auf der Stelle stehen , als müsse sie ihnen nach , als könne sie nicht zurückbleiben . Das Gefühl , das sie seit gestern empfand , trat hier noch mächtiger hervor . - Wie zu einer nothwendigen Leistung trieb es sie dem geisterhaften Schlosse zu , und mit nie gekanntem Entsetzen , mit dem tiefsten , bangsten Schmerz schien es sie wieder zu verjagen . Sie blickte nach einem Ausweg , der sie in anderer Richtung führen könnte , sie wollte , sich selbst überlassen , einen Eindruck , der so mit seiner Unklarheit sie quälte , verstärken oder mildern durch einen ungestörten Anblick des Schlosses . Sie arbeitete sich durch das Gestrüpp bis zu den Stämmen der Bäume und befand sich bald auf einem freieren Standpunkte , von wo sie eine neue Ansicht des Schlosses gewann , von dem sie jetzt durch einen niedrigen Wall und ein dahinter laufendes Wasser getrennt war . Auf einer festungsartigen Uebermauerung zeigte sich hier die älteste Seite des Schlosses , die fast nur aus aneinandergereihten Thürmen in den verschiedensten Höhen und Dimensionen , mit sehr beschränkten Verbindungsmauern versehen , bestand . Der graue Schieferstein des Unterbaues , die spitzen , niederhängenden Thurmdächer mit gleicher Schieferdeckung , die schwärzlich überzogenen Mauern und Wände der erhaltenen oder schon eingesunkenen Räume gaben auch von hier aus nur eine Bestätigung des empfangenen Eindrucks , den sie sich nicht anders klar zu machen wußte , als indem sie sich eingestand , nicht einem Bauwerke gleiche dies wunderbare Schloß , sondern aneinander gedrängten Geistern , die in den abweichendsten Verkappungen sich verbunden hielten , hier ihre Herrschaft zu behaupten . - » Ihr widersprecht durch Euer Ansehen nicht den grauenvollen Berichten , die an Euren Namen haften und die Phantasie der Menschen mit Schauer erfüllen « - seufzte Elmerice , » und wer weiß , was die Zukunft noch für mich in Euren Mauern birgt ! « - Sie versuchte der Richtung , die der Wall und das schmale Wasser gaben , zu folgen , und es gelang ihr , so einen Theil des Schlosses zu umkreisen , das an der erwähnten Seite nur die Spitze , vielleicht das kleine Jagdschloß , welches zuerst hier erbaut ward , zeigte , und sich beim Weitergehen vor Elmerice in seiner späteren bedeutenderen Ausdehnung entwickelte - aber dieser spätere Theil , der schon unter Heinrich dem Zweiten entstand , war doch in seiner Architektur , wenn auch fürstliche Pracht beabsichtigend , düster und überladen , und der jetzt durch die Zeit entstandene Verfall desselben nicht minder schwermüthig und unheimlich . - Vor Allem aber bewegte sie der Anblick des düsteren Eingangthores ; in drei Terrassen , welche durch Gräben von einander getrennt waren , worüber Brücken führten , stieg das Terrain bis zu dem größeren Hofe empor , der mit eisernen Gittern verschlossen war . Um diesen Hof schienen die Hauptzimmer des Schlosses zu liegen ; aber wie düster mußte ihr Inneres sein , da hier das Grabmal des ersten Besitzers aus dem Hause Crecy , von hohen Ulmenbäumen umgeben , stand , welche ihrem eigenen Triebe überlassen , ihre weiten Zweige beschattend über den ganzen Raum verbreiteten . Elmerice hatte wie eine Träumende die Terrassen erstiegen und stand gegen die Stäbe des Gitters gelehnt , und schaute in den Hof und fühlte nicht , daß ihre Kniee bebten , ihr Mund den kurzen , gepreßten Athem nur noch hervorseufzte . Sie starrte hinein , als müsse sie jetzt sehen oder erfahren , was ihr Aufschluß gäbe über das , was ihre Brust in gleichem Maaße hier anzog und zurückstieß . Aber es ward ihr kein Aufschluß - Todtenstille herrschte in dem schauerlichen Raume , und alle Zeichen der Verödung drängten sich ihr auf . Das Grabmal selbst schien eingesunken , und seine äußeren Trophäen durcheinander gefallen ; zwischen dem weißen und schwarzen Marmorpflaster des Hofes drängte sich der Rasen , die Freitreppen , die an den Zimmern emporstiegen , waren von der überall sich anbauenden Vegetation der Moose und Schlinggewächse überzogen , oder lagen mit zerbrochenen Stufen und Geländern halb verfallen auf dem Pflaster - und der vorrückende Abend sowohl , wie der Schatten der Bäume , verhinderte den Blick in die Gemächer , zu denen sie führten , und die wie weite Grabgewölbe dahinter lagen . Längst war Schloß und Riegel an dem Thore