will Dich bitten , mir Deine Gegenwart bei meinen beabsichtigten Besuchen zu schenken . Ich freue mich , daß Euer Durchlaucht so angenehm über mich befehlen , sagte nun gleichfalls Mistreß Morton heiterer , sich dem Armstuhle nahend , in dem die Herzogin noch immer mit allen Zeichen der Ermüdung ruhte . Sie hob jetzt den Kopf und fuhr freundlich fort : Es wird wohl nöthig sein , daß Du Deine Hand an meinen Kopfputz legst , denn ich muß , wie ich vermuthe , nicht sehr bedacht gewesen sein , ihn zu schonen , und da wir so eben gehen , in der Fremden eine neue Bekanntschaft zu machen , wollen wir uns nicht als eine Verwirrte ihr zeigen . Doch halt , laß sehen , liebe Morton , ob ich stehen kann ? - Es geht , fuhr sie fort , indem sie mit ihrer ganzen schönen Haltung einige Schritte vorwärts that , und das Lächeln , welches auf den bleichen Lippen , während sie sprach , mit den vorherrschenden Schmerzenszügen gekämpft hatte , brach auf einen Augenblick durch , und sie versuchte zu scherzen , indem sie fortfuhr : Ich werde so schnell , wie Pons , die Treppe hinab und hinauf eilen . Rufe den Knaben , er soll zu meinen Töchtern und dann zur Fremden mir vorangehen . Als sie jedoch die Handschuhe , die ihr Morton darreichte , ergriff , sanken plötzlich ihre Arme an ihr nieder . Sie faßte die Lehne des Stuhls , und hob Kopf und Blick mit unaussprechlichem Ausdruck gegen die Decke . Da zog Pons den Vorhang , der die angrenzenden Zimmer trennte , und zeigte sein heiteres jugendliches Gesicht , das er mit Mühe in die Ehrfurcht ausdrückenden Falten zu ziehen suchte , indem er sich und seine kleine mit Federn geschmückte Mütze zur Erde neigte . Schnell war die Herzogin wieder gefaßt . Nun , Pons , sagte sie freundlich , bist Du munter , oder nach Pagenart schläfrig und unlustig , selbst den Fächer oder Schleier Deiner Dame zu tragen ? Pons ließ statt aller Antwort sein Auge zu ihr aufgehen , und dies widerlegte mächtig den geäußerten Verdacht , denn was je an Schalkheit und Munterkeit in dem Hirn eines Pagen reifte , blitzte aus diesem kohlschwarzen Augenpaar . So , so , sagte die Lady lächelnd , Deine tiefe Verbeugung sollte mir blos den Schalk verbergen , der mich jetzt anblickt . Der aber nie schläfrig und unlustig ist , wenn seine erhabene Gebieterin ihn mit ihren Befehlen beehrt , flüsterte Pons . Kind , rief die Herzogin , Mortons Arm im Hinausgehen nehmend , Du sprichst , als hättest Du John Spencers Pagen-Lexikon gelesen , ein berühmtes Buch , unter Heinrich des Achten wohl dressirter Pagenzunft . Pons flog wie ein bunt gefiedertes Vögelchen in seinem zierlichen Kostüm von den Farben des Hauses durch die hohen Zimmer und Gallerien , das Nahen seiner Herrin an die in den Vorzimmern der jungen Gräfinnen harrenden Diener zu melden , und die Herzogin ward mit lauter Freude von Arabella und Lucie empfangen . Beide waren mit ihren Damen in der Gesellschaft des Master Copley , der jeden Tag einige Morgenstunden dazu benutzte , den wissenschaftlichen Theil der Erziehung der jungen Gräfinnen zu leiten . Es war ein unbeschreiblich heiterer und höchst ehrwürdiger alter Mann , als Geistlicher von den gemäßigtesten Gesinnungen , von einer gründlichen wissenschaftlichen Bildung , unverheirathet und mit ganzem Herzen an der herzoglichen Familie hängend , der er seit dem Vater des letzt verstorbenen Herzogs als Schloßkaplan diente . Die Herzogin hatte heute eine anmuthige weiche Hingebung gegen Alle , sie wußte Jedem ein gütiges Wort zu sagen oder einen freundlichen Blick zu geben . Mistreß Morton war ganz glücklich , denn so war die Herzogin in ihrer besten Stimmung , milde und doch mit der Würde , die ihr hoher Rang und ihr ernster Karakter mit sich brachte . Sie wußte dann Alles um sich her in eine angenehme Stimmung zu versetzen und heilte die kleinen Wunden , die sie oft schlug , so daß selbst neue weniger schmerzten . Doch fühlte Mistreß Morton wohl , daß gegen das Ende ihres Besuches ein kleiner Kampf in ihr entstand ; sie war zerstreut und blickte zuweilen ernst um sich her . Endlich erhob sie sich ; doch noch zaudernd trat sie an eins der hohen Bogenfenster , das nach dem Park hinaus ging . Sie schien den Sonnenblick zu verfolgen , der die trüb ' aufgehäuften Wolken eben durchbrach und langsam an den grünenden Partieen des Parkes dahin strich . Mistreß Morton sah über die Schulter Copley ' s , mit dem sie eifrig sprach , wie der Ausdruck in den Zügen der Lady schnell , und nichts Gutes verkündigend , wechselte , aber es ging vorüber . Muthig richtete sie sich von dem Fenstergesims empor ; sie ging auf ihre Töchter liebreich zu , schloß sie in ihre Arme und blickte ihnen lange zärtlich in die Augen , küßte sie dann beide und sagte sanft : Meine geliebten Kinder , wir wollen nie Euern theuern Vater vergessen , stets seiner Tugenden gedenken und ihnen nachleben , dann werden wir alle ertragen können , was Gott verhängt . Sie entließ die tief gerührten Kinder aus ihren Armen , grüßte mit einer anmuthigen Bewegung die Uebrigen und schritt mit fester Haltung , ohne Mortons Arm , aus den Zimmern , die Gallerie entlang , welche sich in einem Saale endigte , der in zwei Eingängen zu den Gemächern des Prinzen von Wales führte , deren eine Reihe die prachtvollen Zimmer enthielt , welche die alte Herzogin für jetzt bewohnte ; in den andern dagegen befanden sich die sogenannten Vorzimmer , nach dem Schloßplatze hinaus gehend und jetzt von der Fremden bewohnt , welche die Herzogin im Begriff stand aufzusuchen . Pons flog schon , von seiner Meldung zurückkehrend , der Herzogin in dem Saale entgegen , aber sie schien ihn nicht zu sehen ,