Hand , einen Schwager des Lord Nelson , und sagte : » Dieser feine Mann mit der Habichtsnase , der soll Sie zu Tisch führen , er ist der schönste von der ganzen Gesellschaft , nehmen Sie vorlieb ; « der Engländer lächelte , er verstand aber nichts davon . Bei Tisch wechselte er mein Glas , aus dem ich getrunken hatte , und bat mich um Erlaubnis , daraus zu trinken , der Wein würde ihm sonst nicht schmecken ; das ließ ich geschehen , und alle Weine , die ihm vorgesetzt wurden , die goß er in dies Glas und trank sie mit begeisterten Blicken aus ; es war eine wunderliche Tischunterhaltung ; bald rückte er seinen Fuß dicht an den meinigen und fragte mich , was meine liebste Unterhaltung sei ; ich sagte , ich tanze lieber , als ich gehe , und fliege lieber , als ich tanze , und dabei zog ich meinen Fuß zurück . Ich hatte meinen kleinen Strauß , den ich vorgesteckt hatte , ins Wasserglas gestellt , damit er nicht so bald welken solle , um ihn nach Tisch wieder vorzustecken , er frug : » Will you give me this ? « Ich nickte ihm , er nahm ihn , daran zu riechen und küßte ihn ; er steckte ihn in Busen und knöpfte die Weste darüber zu und seufzte , und da sah er , daß ich rot ward . - Sein Gesicht übergoß sich mit einem Schmelz von Freundlichkeit ; er wendete es zu mir , ohne die Augen aufzuschlagen , als wolle er mich auffordern , seine wohlgefällige Bildung zu beachten ; sein Fuß suchte wieder den meinen , und mit leiser Stimme sagte er : » Be good , fine girl . « - Ich konnte ihm nicht unfreundlich sein , und doch wollte ich gerne meine Ehre retten ; da zog ich das eine End meines langen Gürtels um sein Bein und band es geschickt an dem Tischbein fest , ganz heimlich , daß es niemand sah ; er ließ es geschehen , ich sagte : » Be good , fine boy . « - Und nun waren wir voll Scherz und Witz bis zum End der Tafel , und es war wirklich eine zärtliche Lust zwischen uns ; und ich ließ ihn sehr gern meine Hand an sein Herz ziehen , wie er sie küßte . - Ich hab meine Geschichte der Mutter erzählt , die sagt , ich soll sie Dir schreiben , es sei ein artig Lustspiel für Dich , und Du würdest sie allein schön auslegen ; es ist ja wahr , Du ! Der es weiß , daß ich gern den Nacken unter Deine Füße lege , Du wirst mich nicht schelten , daß ich der Kühnheit des Engländers , der gern mit meinem Fuß gespielt hätte , keinen strengeren Verweis gab . - Du , der die Liebe erkennt und die Feinheit der Sinne , o wie ist alles so schön in Dir ; wie rauschen die Lebensströme so kräftig durch Dein erregtes Herz und stürzen sich mit Macht in die kalten Wellen Deiner Zeit und brausen auf , daß Berg und Tal rauchen von Lebensglut , und die Wälder stehen mit glühenden Stämmen an Deinen Gestaden ; und alles , was Du anblickst , wird herrlich und lebendig . Gott , wie gern möcht ich jetzt bei Dir sein ! Und wär ich im Flug , weit über alle Zeiten und schwebte über Dir : ich müßte die Fittiche senken und mich gelassen der stillen Allmacht Deiner Augen hingeben . Die Menschen werden Dich nicht immer verstehen , und die Dir am nächsten zu stehen behaupten , die werden am meisten Dich verleugnen ; ich seh in die Zukunft , da sie rufen werden : » Steiniget ihn ! « Jetzt , wo Deine eigne Begeistrung gleich einem Löwen sich an Dich schmiegt und Dich bewacht , da wagt sich die Gemeinheit nicht an Dich . Deine Mutter sagte letzt : » Die Menschen sind zu jetziger Zeit alle wie Gerning , der immer spricht : Wir übrigen Gelehrten , und ganz wahr spricht ; denn er ist übrig . « - Lieber tot als übrig sein ! Ich bin es aber nicht , denn ich bin Dein , weil ich Dich erkenne in allem . - Ich weiß , daß , wenn sich auch die Wolken vor dem Sonnengott auftürmen , daß er sie bald wieder niederdrückt mit glänzender Hand ; ich weiß , daß er keinen Schatten duldet als den er unter den Sprossen seines Ruhmes sich selber sucht . - Die Ruhe des Bewußtseins wird Dich überschatten ; - ich weiß , daß , wenn er sich über den Abend hinwegbeugt , so erhebt er wieder im Morgen das goldne Haupt . - Du bist ewig . - Drum ist es gut mit Dir sein . Wenn ich abends allein im dunklen Zimmer bin und des Nachbars Lichter den Schein an die Wand werfen , zuweilen auch Streiflichter Deine Büste erleuchten , oder wenn es schon still in der Stadt ist , in der Nacht ; hier und dort ein Hund bellt , ein Hahn schreit ; - ich weiß nicht , warum es mich oft mehr wie menschlich ergreift ; ich weiß nicht , wo ich vor Schmerz hin will . - Ich möchte anders als wie mit Worten mit Dir sprechen ; ich möchte mich an Dein Herz drücken ; - ich fühl , daß meine Seele lodert . - Wie die Luft so fürchterlich still ruht kurz vor dem Sturm , so stehen dann grade meine Gedanken kalt und still , und das Herz wogt wie das Meer . Lieber , lieber Goethe ! - Dann löst mich eine Rückerinnerung an Dich wieder auf ; die Feuer- und Kriegszeichen gehen langsam an meinem Himmel unter , und Du bist wie der hereinströmende Mondstrahl . Du bist groß und herrlich und besser als