, als ein Schattenspiel . « » Ein Schattenspiel ! « riefen die Damen in die Hände klatschend , » ach , das ist ja ganz unvergleichlich ! wirklich ein ordentliches , chinesisches werden wir sehen ? « » Allerdings « , sagte der Graf , » und zwar ein ganz neu eingerichtetes , wozu Herr Nolten die Bilder auf Glas gemalt , und dieser Herr , der als Dichter noch allzuwenig von sich hören ließ , den Text geliefert hat . Soviel ich weiß , besteht der letztere durchaus in einer dramatisierten Fabel , rein von der Erfindung des Herrn Larkens . « » Diese Fabel « , bemerkte der Schauspieler , » und der Ort , wo sie vorgeht , ist freilich närrisch genug , und es bedarf einer kleinen Vorerinnerung , wenn man den Poeten nicht über alle Häuser wegwerfen soll . Ich hatte in der Zeit , da ich noch auf der Schule studierte einen Freund , dessen Denkart und ästhetisches Bestreben mit dem meinigen Hand in Hand ging ; wir trieben in den Freistunden unser Wesen miteinander , wir bildeten uns bald eine eigene Sphäre von Poesie , und noch jetzt kann ich nur mit Rührung daran zurückdenken . Was man auch zu dem Nachfolgenden sagen mag , ich bekenne gern , damals die schönste Zeit meines Lebens genossen zu haben . Lebendig , ernst und wahrhaft stehen sie noch alle vor meinem Geiste , die Gestalten unserer Einbildung , und wem ich nur einen Strahl der dichterischen Sonne , die uns damals erwärmte , so recht gülden , wie sie war , in die Seele spielen könnte , der würde mir wenigstens ein heiteres Wohlgefallen nicht versagen , er würde selbst dem reiferen Manne es verzeihen , wenn er noch einen müßigen Spaziergang in die duftige Landschaft jener Poesie machte und sogar ein Stückchen alten Gesteins von der geliebten Ruine mitbrachte Doch zur Sache . Wir erfanden für unsere Dichtung einen außerhalb der bekannten Welt gelegenen Boden , eine abgeschlossene Insel , worauf ein kräftiges Heldenvolk , doch in verschiedene Stämme , Grenzen und Charakterabstufungen geteilt , aber mit so ziemlich gleichförmiger Religion , gewohnt haben soll . Die Insel hieß Orplid , und ihre Lage dachte man sich in dem Stillen Ozean zwischen Neuseeland und Südamerika . Orplid hieß vorzugsweise die Stadt des bedeutendsten Königreichs : sie soll von göttlicher Gründung gewesen sein und die Göttin Weyla , von welcher auch der Hauptfluß des Eilands den Namen hatte , war ihre besondere Beschützerin . Stückweise und nach den wichtigsten Zeiträumen erzählten wir uns die Geschichte dieser Völker . An merkwürdigen Kriegen und Abenteuern fehlte es nicht . Unsere Götterlehre streifte hie und da an die griechische , behielt aber im ganzen ihr Eigentümliches ; auch die untergeordnete Welt von Elfen , Feen und Kobolden war nicht ausgeschlossen . Orplid , einst der Augapfel der Himmlischen , mußte endlich ihrem Zorne erliegen , als die alte Einfalt nach und nach einer verderblichen Verfeinerung der Denkweise und der Sitten zu weichen begann . Ein schreckliches Verhängnis raffte die lebende Menschheit dahin , selbst ihre Wohnungen sanken , nur das Lieblingskind Weylas , nämlich Burg und Stadt Orplid , durfte , obgleich ausgestorben und öde , als ein traurig schönes Denkmal vergangener Hoheit stehen bleiben . Die Götter wandten sich auf ewig ab von diesem Schauplatz , kaum daß jene erhabene Herrscherin zuweilen ihm noch einen Blick vergönnte , und auch diesen nur um eines einzigen Sterblichen willen , der , einem höheren Willen zufolge , die allgemeine Zerstörung weit überleben sollte . Neuerer Zeiten , immerhin nach einem Zwischenraum von beinahe tausend Jahren , geschah es , daß eine Anzahl europäischer Leute , meist aus der niedern Volksklasse , durch Zufall die Insel entdeckte und sich darauf ansiedelte . Wir Freunde durchstöberten mit ihnen die herrlichen Reste des Altertums , ein gelehrter Archäologe , ein Engländer , mit Namen Harry , war zum Glück auf dem Schiffe mitgekommen , seine kleine Bibliothek und sonst Materialien verschiedenen Gebrauchs waren gerettet worden ; Nahrung aller Art zollte die Natur im Überfluß , die neue Kolonie gestaltete sich mit jedem Tage besser und bereits blüht eine zweite Generation in dem Zeitpunkte , wo unser heutiges Schauspiel sich eröffnet . Was nun diese dramatische , oder vielmehr sehr undramatische Kleinigkeit betrifft , so sind meine Wünsche erfüllt , wenn die verehrten Zuschauer sich mit einiger Teilnahme in die geistige Temperatur meiner Insel sollten finden können , wenn sie für die willkürliche Ökonomie meines Stückes einen freundschaftlichen Maßstab mitbringen und sich mehr nur an den Charakter , an das Pathologische der Sache halten . Das ganze Ding machte sich , ich weiß nicht wie , vor kurzem erst , nachdem mir seit langer Zeit wieder einmal eines Abends die alten Erinnerungen in den Ohren summten . Eine längst gehegte tragische Lieblingsvorstellung drang sich vorzüglich in dem Charakter des letzten Königs von Orplid auf ; dagegen gab es Veranlassung , zwei moderne , aus dem Leben gegriffene Nebenfiguren lustig einzuflechten , wovon die eine in der Laufbahn meines Freundes Nolten dergestalt Epoche gemacht , daß diese Person - und sie soll ja neuerdings wieder in unserer Stadt spuken - sogar einigen der Anwesenden als eine nicht ganz unbekannte Fratze wiederbegegnen wird . « Hier steckten sich einige begierige Köpfe zusammen , und als es hieß , daß jener diebische Bediente Noltens im Schattenspiel seine Aufwartung machen werde , verlautete allgemein ein herzliches Vergnügen ; man machte sich überhaupt auf eine ergötzliche Unterhaltung gefaßt , nur Tillsen fühlte sich im stillen durch jene komische Berührung verletzt , wiewohl niemand an etwas Beleidigendes dachte . » In einem andern Subjekt « , fuhr der Schauspieler fort , » in dem Kameraden des vorigen zeig ich Ihnen meinen eigenen ehmaligen Sancho ; es machte mir Freude , diese beiden Tröpfe einmal treulich zu kopieren , Nolten verfehlte keinen Zug , und die Gesellschaft muß uns schon vergeben , wenn wir sie auf einen Augenblick