nach allen Seiten , ich bin mitten darin , wie am Tage unter freiem Himmel . « Gnädige Frau , Sie empfinden , wie ich in diesem Augenblicke empfand . Die Wahrheit ist so einfach , daß sie uns auf die einfachste Weise am nächsten liegt . Lassen Sie das Licht von oben in Ihre Welt hineinfallen . Sie werden sich darin zurechtfinden , ohne überall auf Ecken zu stoßen . Weiter wüßte ich Ihnen für jetzt nichts zu sagen , nichts zu rathen . Alle Verhältnisse des Lebens sind kraus und bunt . Es hilft nicht viel , äußerlich daran zu rücken oder darüber zu klügeln . Man muß hindurch . Deshalb bewahren Sie sich Klarheit und Muth . Sie haben , ich will es glauben , mit ungewöhnlichen Menschen zu thun . Lassen Sie sich das nicht irren . Bleiben Sie Ihrem Gott und Ihrem Herzen getreu . Auf Ausdauer kommt es zumeist im Leben an . Wie viele ungleiche Wallungen prallen an dem festen Damm unerschütterlicher Gesinnung ab . Der Fels steht , wenn die Woge zerrinnt . Lassen Sie das Licht von oben kommen . Sie finden den Pfad durch das Labyrinth von selbst . Und so leuchte Ihnen denn die ewige Sonne unverhüllt . Das ist das Gebet , mit dem ich Sie einem höhern Schutze empfehle . Hugo an Elise Hier ist das befohlene Buch . Ich hätte es Ihnen lieber gebracht als geschickt . Aber Sie wollten mich nicht hören , ehe Sie lasen . Es ist auch meine Art , fremdes Urtheil zu entfernen , ehe ich mit dem Gegenstand bekannt werde , von dem es sich handelt . Ich bin neugierig , wie wir hier zusammentreffen werden ? Es bleibt doch morgen bei der Parthie nach dem Vogelheerd ? Heute ist es trauriges Wetter ! Es regnet . Der Tag ist für mich so gut wie verloren . Er fesselt mich unbarmherzig zu Hause . Bedauern Sie mich ein Bischen . Ganz Ihr unterthäniger Hugo . Antwort Der Regen dauert fort ! Es ist zum verzweifeln ! Natürlich wird aus dem Frühstücke im Walde nichts ! Morgen vielleicht ! Man sagt das so hin , und giebt auf , weil man schon an den Ersatz denkt . Was sichert uns diesen ? Ich glaube , Ihr Buch hat mich ganz umgestimmt ! Mir ist etwas davon in der Seele geblieben , das schwer wiegt . Fragen Sie mich nicht , ob es mir gefällt ? Das weiß ich nicht , auch ist das eigentlich gar kein Ausdruck für Gefühle und Zustände des Innern . Genug , ich habe in einem Zuge fortgelesen , bis zu Ende , und bleibe mitten darin . Wollen Sie noch ein anderes Urtheil ? Ich kann mich sonst auf nichts Bestimmteres einlassen . Aber so viel ist gewiß , die Bücher werden immer seltener , die Einem empfinden lassen , daß es noch eine Welt giebt , ausser der , von heute und gestern . Eine andere Frage wäre , ob die Welt , in die ich mich hineingelesen habe , meine Heimath sein darf oder nicht ? Ist sie es , was fange ich denn mit dem Aussenleben an . Ich wollte heute mit Ihnen über das Alles weitläufig sprechen . Aber es regnet . - Der Himmel sagt zu Vielem Nein , was der Wille anders will . Leben Sie wohl ! Hugo an Elise Ich bestreite den letzten Satz Ihres Billets , gnädige Frau ! Der Himmel sagt zu Wenigem Nein , was der Wille recht will . Wäre es wirklich Ihre Absicht gewesen , mir mehr mitzutheilen , als die flüchtigen Zeilen enthalten , Sie hätten die Sonnenblicke am Mittage zu einer Spatzierfahrt im Walde benutzt . Mich , waren Sie gewiß , dort zu treffen . Auch hatte die Tannenhäuserin Befehl , mich sogleich von Ihrer Ankunft zu benachrichtigen . Jetzt ist es zu spät , und Sie fürchten morgen wohl auch die feuchte Luft . Wäre der Präsident nicht in Geschäften abwesend , und ich dreist genug , ohne Emma ' s Begleitung Ihre Einsamkeit zu unterbrechen , Sie würden mich schon frühe am Tage an Ihrem Gartenpförtchen sehen . Allein Sie äusserten einmal : Nur unter Frauen könne zwangloser , nachbarlicher Verkehr stattfinden . Nun , und die meinige ist am Krankenbette des Onkels gefesselt , dem das Podagra viel zu schaffen macht , sonst hätte ich ihre Fürsprache bei Ihnen nachgesucht , denn gewiß , mich verlangt , mehr über ein Thema zu hören , das viele Streitfragen in sich faßt . Gnädige Frau ! ich kehre gleich die von Ihnen aufgeworfene um : » Was finge ich mit dem innern Leben an , wenn die Welt der Empfindungen nicht meine Heimath wäre ? « Sagen Sie selbst , hört man nicht auf , ein Fremdling zu sein , wenn man es hier ist ? Antwort Kommen Sie immer , wenn Emma Sie auch leider nicht begleiten kann . Ich habe große Lust , mit Ihnen zu streiten . Emma an den Geistlichen Sie hatten ganz recht ! Die Ruhe nach der Reise machte mich krank . Wie wünsche ich mir Glück , Niemanden als Ihnen , ehrwürdiger Herr , meine Schwachheit anvertraut zu haben ! Jetzt sehe ich Alles in ganz anderm Lichte . Ich weiß nicht , ob dieses von oben kommt ? Allein , es ist überall Tag , es ängstigt mich länger kein trüglicher Schatten , ich athme frisch und lebe heiter . Es war vielleicht ein Glück , daß der Oheim seine gewöhnlichen Gichtanfälle dieses Jahr früher , als sonst , bekam . Wir naheten uns einander dadurch schneller . Seine Bedürftigkeit und mein Wunsch , ihn diese weniger empfinden zu lassen , setzten uns über unzählige kleine Zwischenräume hinweg , welche der geordnete Lauf der Dinge erst nach und nach beseitigt . Mit steigender Freude fühlte ich , wie nothwendig ihm meine Pflege ward . Hiermit regten sich Kräfte und Wille wie