ich vielleicht in der besten Absicht Euer Vorhaben zu nichte machte . Ich wußte weder von dem Widerwillen der Geschwister , noch von der bezweckten Versöhnung . Ich wette indessen , setzte sie mit einem verstohlnen Seitenblick auf den Jüngling bei , daß Euers Neffen redlich Gemüth auch ohne Überraschung und Vermittlung den rechten Weg einschlagen und die Bande fester knüpfen werde , die Vorurtheil und Zufall auflockerten . « » Ihr thut mir viel Ehre an , « erwiederte Dagobert höflich : » ich muß sie aber ablehnen . Wallradens hochfahrender Sinn hat sich stets so trotzig erwiesen , in jedem Verhältniß des Lebens , daß ich , selbst bei dem redlichsten Willen , die Hoffnung aufgeben mußte , ihn für meine redlichste Gutherzigkeit zu gewinnen . Auf der andern Seite bin ich auch , nicht der Mann , der Weiberlaunen unterthan ist , wären es auch die einer Schwester , die einer geliebten Gattin . « » Du versteigst Dich ; « unterbrach ihn der Prälat : » Nicht denken sollst Du an eine Gattin , die Du nimmer besitzen wirst . « » Nun denn , « rief Dagobert lachend : » Ist mir die Liebe verboten , so ist mir doch die Freundschaft erlaubt . Nicht wahr , mein Bäschen ? « Fiorilla nickte heimlich lächelnd , und Dagobert ergriff seinen gefüllten Becher . » Auf gute Freundschaft denn ! « sprach er schmeichelnd , und klang mit Fiorillens Kelchglas an . » Macht kein finstres Gesicht , Oheim ! Wir ungehobelten Deutschen müssen einmal den Becher zur Hand nehmen , ob wir Frieden machen , Krieg beschließen , der Minne oder der Freundschaft Bund heiligen . Wir wollen gute , gute Freunde seyn , Bäschen Fiorilla , oder Blümchen ! Aber selbst Eure Launen trag ich nicht . « Fiorilla setzte das Glas mit lieblicher Geberde an den Mund , und während ihre Lippen nippten , ruhte ihr Auge seelenvoll auf des Jünglings blühendem Gesicht . Der Prälat rückte unruhig auf dem Stuhle , und drohte der Italiänerin verstohlen mit dem Finger . Die Leichtfertige lachte , Dagobert stellte sich aber , als habe er es nicht bemerkt , und fuhr in lustiger Laune fort : » Ihr seyd mir noch die Erklärung schuldig , bester Ohm , wie es kömmt , daß ich Wallraden hier zu Costnitz finde ? Was führt sie her ? In welcher Absicht ist sie hier ? « » O seht ; « rief Fiorilla ; » seht , wie diese Neugierde schon verborgne Theilnahme verräth . « » Sie kam auf meine Ladung , mich zu besuchen ; « antwortete der Prälat dem Neffen kurz und gleichgültig . - » Eine Stiefmutter hat Euch Beide aus Eurem Stammhause vertrieben : ich halte es für Pflicht , Vaterstelle bei Euch zu vertreten , die der schwache Vater verließ . Indem ich Wallraden vor sechs Jahren mein durch Erbschaft mir zugefallenes Gut in Thüringen überließ , gab ich ihr schon ein sorgenfreies Geschick , und behielt mir dafür nichts vor , als die Befugniß , ihr einen Gatten zu wählen , und diesen Gatten denke ich ihr hier zu freien . « » Das muß eine herrliche Ehe werden ! « lachte Dagobert : » Lieber Ohm , wählt nur ein recht frommes Schaf , das von Geburt an gewöhnt ist , mit Gebiß und Trense zu laufen , und alleine keinen Schritt zu thun . Wie heißt der Glückliche , den Ihr der Sanftmüthigen zugedacht ? « » Dem Spötter nenne ich ihn jetzt nicht , « entgegnete der Prälat verletzt und hob durch sein Aufstehen die Tafel auf . » ' S ist auch gleichviel ! « versetzte , Dagobert in obigem Tone : » Bedauernswerth ist er , er heiße nun Adam wie der erste Mensch , oder Sylvester wie der letzte Tag im Jahre . Wohl bekomm ihm die Veränderung und der Hiobstand . « » Unerträglich ! « murmelte der Prälat zwischen den Zähnen . Gemäßigter aber fuhr er fort : » Ich habe noch einen Besuch zu machen , bei welchem ich Deiner Gegenwart entbehren muß , denn er gilt gerade Deiner Schwester . Es wird mich freuen Dich bald wieder zu sehen , und in schicklicherer Tracht . « » Verlaßt Euch darauf , « erwiederte der muntere Jüngling , nach dem Federhute greifend . » Im schwarzen Rock , mit Gürtel , Kragen und Kappe schaut Ihr mich nächstens wieder . Ich bin Euch gern gefällig , wäre gerne immer um Euch . « » Ich glaubs ; « spöttelte der Oheim mit einem Seitenblick auf Fiorillen : » Du wirst aber ermessen , daß ich Dir keine Herberge unter meinem Dache anweisen kann , weil mir ' s die Sorge für dieser lieben Beichttochter Ehre untersagt . « » Freilich ; « bestätigte Dagobert mit verstelltem Ernst : » Ihr müßtet nicht halb so gewissenhaft seyn , werther Ohm , als Ihr wirklich seyd , um solches zuzugeben . Ich weiß mich auch zu bescheiden . Ich verplauderte gerne noch den ganzen Tag mit meinem wunderlieblichen Bäschen , dem Blümlein Tausendschön , ... weil Ihr denn doch zu Wallraden geht ... aber die Sitte leidet ' s nicht ; ... in Deutschland mindestens nicht , aber ... « hier schwieg er heimlich lächelnd stille . » Aber ? « fragte Fiorilla muthwillig . » Aber ? « wiederholte der Prälat neugierig , und gedehnt . » Aber wollt ich sagen , « fuhr Dagobert fort - » das wird sich schon geben , wenn ich einmal die Kirchenfarbe trage . Darum will ich eilen , und den Schneider auf den Tod plagen , bis er meine Heiligkeit gefertigt hat ; den Freibrief der in Euerm Haufe mir das Öffnungsrecht verleiht . Gott befohlen , hochwürdiger Oheim ! träumt von mir liebe Base ! « Lachend und plaudernd eilte Dagobert von dem ungewohnten wälschen Weine aufgeregt , von dannen , und dachte unter