, dem sein Geld erst zu einem Daseyn verhelfen sollte - und in dem Maße , wie ich mir sein Bild ausmalte , befestigte sich der Entschluß , gegen diese Gefahr mich zu schützen . Bis dahin hatte ich die Weise , wie ich dieses thun wollte , nicht beschlossen , ja nicht überlegt ; ein nichtsbedeutender Zufall mußte sie bestimmen . Während der Mahlzeit erwähnte Miß Arnold eines glänzenden Frühstücks , zu dem uns Lady B. auf den folgenden Morgen eingeladen habe . Mein Vater erklärte , daß ich weder bei diesem Frühstück , noch in irgend einer andern Gesellschaft erscheinen solle , bevor ich ihm nicht feierlich angelobt , mit Lord Friedrich keine Art von Verkehr mehr fortzusetzen . » So muß ich zu Hause bleiben « , sagte ich mit trotziger Entschlossenheit , » denn nach dem Frühstück ist ein Ball , und ich habe mit Lord Friedrich zu tanzen versprochen . « - » Nun so genießen Sie Ihr Frühstück zu Haus , Miß Percy ; ich hoffe , es soll so gut wie Lady B. ihres seyn . « - Mein Verdruß bei diesem Ausspruch meines Vaters war nicht gering ; denn ein gestickter Morgenanzug , um den Lady Maria in Handel gestanden , und den ich durch einen übermäßigen Preis ihr entzogen hatte , sollte heute ihren Neid erregen . Aber mein Widerwille , meinen Vater durch eine Bitte zu besänftigen , war viel größer , wie dieser Verdruß . Miß Arnold half dem Einen und dem Andern ab . Ihr Einfluß bei meinem Vater hatte seit Miß Mortimers Entfernung so zugenommen , daß es ihr auch bei dieser Gelegenheit nicht schwer fiel , seine Erlaubniß rücksichtlich des Frühstücks zu erhalten ; allein ein bestimmter Befehl , fortan jedem Verkehr mit Lord Friedrich unbedingt zu entsagen , verhinderte mich , Freude darüber zu empfinden . Den folgenden Morgen beim Familienfrühstück - denn meine Einladung bei Lady B. verhinderte diese Familienmahlzeit nicht - erhielt mein Vater einen Brief , den er mit sichtlicher Bestürzung las und , seine Theetasse unberührt hinstellend , augenblicklich das Zimmer und gleich darauf das Haus verließ . Sein Benehmen ängstigte mich , auch Miß Arnold schien es mit Unruhe zu bemerken , allein die Stunde des Ankleidens war da , und so überließ ich mich , ohne des Vorgangs wieder zu gedenken , dem Wirbel des Tags . Das Frühstücksfest verlief wie alle solche Feste : mit der Larve der Freude , mit leeren Köpfen , mit Herzen , die oft von Neid und Bitterkeit erfüllt , also schlimmer , wie leer sind . Es war seit jenem Abend des Maskenballs das erste Mal , daß ich Lady Maria begegnete ; der Anblick meines , ihrer Eitelkeit entzogenen Kleides konnte nicht dazu beitragen , ihr das Andenken jenes Abends in einem mildern Lichte erscheinen zu lassen , und so war ihr jede Gelegenheit mich zu demüthigen willkommen . Sie fand sie bei Veranlassung eines Tanzes , in welchem sie mich von meinem Platze verdrängte . Lord Friedrich , der mein Partner war , suchte die Sache beizulegen , allein die Umstehenden waren wenig geneigt , ihm behülflich zu seyn , so daß ich tief gekränkt den Reigen verließ . Lord Friedrich führte mich auf meinen Platz zurück , er nahm den Augenblick wahr , mir den Vortheil zu zeigen , den ein einziges Wort mir über Lady Maria geben könnte ; und was seine leidenschaftlichen Bitten nicht vermocht hatten , bewirkte der gekränkte Stolz - ich willigte ein , mit Lord Friedrich nach Schottland zu fliehen . Um allen Verdacht zu vermeiden , ward verabredet , daß wir Lady St. Edmond ins Vertrauen ziehen wollten ; sie solle mich am folgenden Morgen in ihrem Wagen bis Barnet führen , wo mich mein künftiger Ehemann in Empfang nehmen würde ; Miß Arnold gedachte ich den Plan zu verschweigen , denn sie hatte mich vor wenigen Tagen mit weisem Kopfschütteln gebeten : im Fall ich je in eine Entführung willigte , möchte ich sie mit dem Geheimniß verschonen , da sie es für ihre Pflicht halten könnte , meinen Vater davon zu unterrichten . Von dem Augenblick an , wo ich das unselige Versprechen gegeben hatte , schien mir die Gesellschaft um mich her , der Saal , die Musik wie in einem undeutlichen Nebel zu schwimmen . Mein Gemüth war so erschüttert , daß ich mir wie aus mir selbst herausgetreten vorkam ; Lord Friedrichs anscheinendes Entzücken hatte keinen Sinn für mich , ich sah die Dinge sich um mich drehen , ohne ihre Absicht und Bedeutung fassen zu können , so wie im Sonnenschein die Mücken vor unsern Augen schweben , ohne daß wir ihre Gestalten zu unterscheiden vermögen . Vergeblich warf ich mich in das Geräusch der Gesellschaft , suchte Gespräch , versammelte die Männer durch mein Geschwätz , entfernte die Weiber durch Jener Beifall - das gegebne Versprechen stand zwischen mir und der Außenwelt , es trieb mich nach Hause , und vor dem Gedanken schaudernd , daß mir dann erst jenes Schreckbild recht nahe treten würde , war ich doch die Letzte unter denen , die in später Nacht die leer gewordenen Säle verließen . Nach einer schlaflosen , der peinlichsten Unentschlossenheit dahingegebenen Nacht fand ich erst gegen Morgen einige Augenblicke unruhigen Schlummers ; dennoch stand ich sehr früh auf , machte die nöthigsten Vorbereitungen zu meiner vorhabenden Reise und versuchte ein paar Zeilen an meinen Vater zu schreiben . Sie sollten ihn meiner kindlichen Liebe versichern , ohne mein Vorhaben zu verrathen . Aber wie unfähig war ich zu diesem Geschäft ! Zehnmal setzte ich einige Zeilen zusammen , die mir nicht genügten , zerriß das Geschriebne und beschloß endlich , diese Absicht erst dann , wenn mein Vorhaben ausgeführt sey , zu erfüllen . Sobald die Frühstücksstunde geschlagen hatte , begab ich mich aus meinem Zimmer , eifrig die letzte Gelegenheit , meinen Vater zu sehen , ergreifend und zitternd , ihm mit diesem Bewußtseyn