durchtoseten auch heute Bediente und Handwerker das Haus mit Zurüstungen zu einem Feste . Weder Aurelia , noch die Gräfin waren den ganzen Morgen über sichtbar , selbst die Bedienten thaten geheimnißvoll , wenn sie einander auf der Treppe begegneten . Gabriele saß in ängstlicher Spannung ; unfähig zu jeder sonst gewohnten Beschäftigung , lauschte sie auf jeden Fußtritt , auf jedes Knarren der Thüren in zitternder Unruhe . Sie ahnete das Herannahen einer für ihr ganzes Leben entscheidenden Stunde , sie ahnete einen Zusammenhang zwischen dieser Stunde und dem , was Ottokar am gestrigen Abende zu ihr gesprochen hatte , ohne doch begreifen zu können , wie dieses möglicher Weise seyn könne . Gegen Mittag ließ die Gräfin ihr sagen , daß sie und Aurelia allein in ihrem Zimmer speisen würden , zugleich schickte sie ihr einen sehr glänzenden Anzug für den Abend . Alles dieses so ganz Ungewohnte vermehrte Gabrielens peinliche Unruhe , sie begann weit früher , als sonst , sich anzukleiden , und zählte hernach jeden Pendelschlag ihrer Uhr . Endlich strahlten die Kronleuchter , Equipagen rollten herbei , und schon durchrauschten die Tritte vieler herannahenden Gäste Treppe und Vorsaal , ehe Gabriele sich wirklich entschließen konnte , den Versammlungs-Saal zu betreten , und eine immer steigende Angst hemmte jeden ihrer Schritte . Unter lautem Herzklopfen blieb sie unfern der Thüre stehen ; wie durch einen dichten Flor zeigte sich ihr die ganze glänzende Versammlung , welche längs den Wänden des Zimmers einen weiten Kreis bildete . Alle nahe und entferntere Verwandte der Gräfin , alle ihre vornehmsten Bekannten waren gegenwärtig , nur Frau von Willnangen fehlte , weil eine plötzliche Unpäßlichkeit Augustens sie zu Hause hielt , und weder Ernesto , noch irgend einer der Künstler und Gelehrten , welche sonst das Haus besuchten , waren zugegen . Am obersten Ende des Kreises stand die Gräfin , reich und festlich gekleidet , neben ihr Aurelia , im weiß und silbernen Kleide , diamantne Sterne im dunkeln , mit Perlen durchflochtnem Haar ; ihr großes blaues Auge überschaute die ganze Gesellschaft , so wie etwa eine Königin ihren Hofstaat übersieht , ob niemand fehle , und als sie Gabrielen an der Thüre gewahrte , winkte sie sie zu sich heran . Uebrigens herrschte tiefe Stille in der Versammlung , man konnte das Picken der Uhren hören , so regungslos erwartend stand alles da . Da trat Ottokar in völliger Hofkleidung aus einem Seitenzimmer in der Nähe der Gräfin herein , zum erstenmal sah Gabriele ihn von einem breiten Ordensband umschlungen , und einen blitzenden Stern auf seiner Brust . Mit freundlichem Ernst , etwas bleicher , als sonst , näherte er sich der Gräfin , die seine und Aureliens Hand ergreifend , mit würdevollem Anstande beide einige Schritte vorwärts gegen die Mitte des Kreises führte , und Ottokarn als Aureliens verlobten Bräutigam der Gesellschaft vorstellte . Die Gräfin schien sich zu dieser Festlichkeit eine kleine Rede ausgesonnen zu haben , die sie , zwischen Ottokar und Aurelien stehend , mit dem Anstande der Fürstin von Messina an die Anwesenden richtete . » Der Wunsch ihrer Väter , « sagte sie unter andern , » der Wunsch ihrer Väter , wenn gleich nicht ihr unabänderlicher Wille , bestimmte dieses Paar schon seit Aureliens Geburt für einander , doch blieb dieses , meinem Willen gemäß , beiden ein Geheimniß , bis ich überzeugt seyn konnte , daß kein innres oder äußres Hinderniß sich ihrer Verbindung entgegenstelle . Die Gnade des Fürsten hat auch das letzte beseitigt , indem sie den Grafen in den Stand setzt , seiner Braut mit seiner Hand auch einen meinen Wünschen angemeßnen Rang in der Gesellschaft zu bieten ; Ottokar erhielt heute seine Ernennung zum Gesandten in Rom , und Aurelia folgt ihm entzückt in das schöne Land , zu welchem schon längst sie , wie jeden Gebildeten , die Sehnsucht zog . Auch ich werde sie dorthin begleiten , und da Graf Ottokars Bestimmung die schnellste Ausführung des längst Vorbereiteten fordert , so wird uns leider das schöne Fest des heutigen Tages durch den Schmerz des Abschiednehmens von so werthen Freunden getrübt . Schon morgen verlassen wir die Stadt , in wenig Tagen wird das hochzeitliche Band auf meinem Landgute ganz in der Stille geknüpft , und in weniger als einem Monat eilen wir Italien zu , wohin Pflicht , Liebe und Sehnsucht uns rufen . In Jahr und Tag hoffe ich indessen Sie alle hier wieder zu sehen , ich kehre dann mit der festen Ueberzeugung des Glücks meiner Kinder zurück und hoffe , in Erinnerung und Gegenwart mit meinen Freunden frohe Tage zu verleben . Auch meine Nichte , Gabriele von Aarheim , wird mich begleiten . Ich habe dich von deinem Vater dazu erbeten , « sprach sie , in ihrem natürlichen Ton , sich plötzlich zu Gabrielen wendend , » du sollst auch Italien sehen , freue dich recht , Kleine , und wünsche deiner Kusine und ihrem Bräutigam Glück , « setzte sie hinzu , indem sie ihr näher zu treten winkte . Gabriele , welche schon früher auf Aureliens ersten Wink sich genähert hatte , drängte sich jetzt mit wunderbarem Ungestüm durch die Versammlung , welche sich in dem Moment auch in Bewegung setzte , um Aurelien ebenfalls ihre Glückwünsche zu bringen . Gabriele wankte , als sie der Tante näher kam ; im Begriff zu sinken , umfaßte sie unwillkürlich das Knie der Gräfin , um sich aufrecht zu halten . » Wunderliches Kind , wie stürmisch ist deine Freude ! Hier , hier bringe deinen Glückwunsch an , « sprach lächelnd die Gräfin , indem sie sie umarmte und dann zu Aurelien und Ottokar wendete . » Glück ! Glück ! « rief Gabriele , athemlos und wie verwildert , sie konnte in augenscheinlicher Bewußtlosigkeit kein anderes Wort hervorbringen , als dieses eine , das sie mehreremale schnell wiederholte . Die Gräfin , welche auch in der höchsten Bewegung die feingezogne Linie des hergebracht Schicklichen