nur Acht , wie unglücklich es sie macht , daß sie immer dieses und jenes wünschen , was sie entweder gar nicht , oder nur dadurch , daß sie schlechter werden , erhalten können ; wie bald würden sie inne werden : daß Lieben die Hauptsache auf Erden , und alles Uebrige ohnedem nur Tand ist . O , Gretchen ! warum bist du nicht für einen Thron geboren ? Ei , gnädiger Herr ! weil ich mich nicht auf ihn schicke . Soll ich dir beweisen , daß du dich auf ihn schickst ? Das müßten Sie - rief ich wieder lachend - wunderlich anfangen ! Ganz natürlich fang ' ich es an . Ich setze dich darauf . Da würden die Leute was zu lachen bekommen . Das Lachen würde sich geben ; denn die Lacher würden es mit mir zu thun haben . Dann hätten sie aber schon gelacht . Würde dich das abhalten ? Lieber Gott , gnädiger Herr ! warum sollen wir von Sachen sprechen , die ja gar nicht möglich sind ? Ja , sie sind möglich ! - rief er - ich werde sie möglich machen ! aber du selbst mußt es wollen . Ich verstand ihn immer noch nicht , und sagte ganz verwirrt und betäubt : mein Gott ! was muß ich denn wollen ? Du mußt mein , ganz mein werden wollen . Dann setz ' ich dich dahin , wo du Tausende beglücken kannst . Doch schmerzen würd ' es mich , wenn nur das dich bestimmte . Wie mir nun wurde , herzliebste Mutter ! kann ich gar nicht sagen . Ich sah nichts mehr , das Herz stand mir ganz still , und ich würde gefallen seyn , hätte mich der Fürst nicht auf einen Sessel gebracht . Er sagte mir nun noch vielerlei ; aber ich verstand nichts mehr , und man mußte mich zu Hause und ins Bette bringen . Als ich mich wieder erholte , saß die Frau Präsidentin vor meinem Bette , und schien sehr bekümmert zu seyn . Ich sah es ihr an , daß sie mich gern fragen wollte , und dann doch wieder Bedenken trug zu fragen . Darum sagt ' ich ihr nun gleich Alles , und wie Angst und Schrecken mich so betäubt haben , daß ich nichts mehr von mir selbst gewußt . Daß du über diesen Antrag erstaunen konntest - sagte sie - begreife ich wohl ; aber woher dieses gewaltige Schrecken ? - Ach , liebste Frau Präsidentin ! - antwortete ich - Sie kennen ja den Fürsten ! wie leicht er aufgebracht wird . - Wenn ich nun seinen Antrag nicht annehme , wird der arme Herr Stephani Alles büssen müssen . Ah , jetzt begreif ' ich ! Für Stephani ist dir bange . Sey unbesorgt . Der Fürst ist ein sehr edler Mensch . Sey ganz offen gegen ihn . Er wird deinem Herzen keine Gewalt anthun . Hast du einen andern Mann gewählt , er wird , wie viel Ueberwindung es ihm auch kostet , er wird die Wahl billigen . Liebste Frau Präsidentin ! - rief ich - ich habe ja gar keinen Mann gewählt , und werde auch keinen wählen ! Sie sah mich nun ganz erstaunt und betroffen an , und sagte weiter kein Wort . Ich aber konnte vor Unruhe nicht mehr im Bette bleiben , und bat sie , da ich ja gar nicht krank sey , wieder aufstehen zu dürfen . Nur mit Mühe willigte sie darein ; kaum aber war ich wieder ordentlich angekleidet , als man den Fürsten meldete . Liebste Mutter ! es ist Nacht , der Bote kommt morgen früh 6 Uhr , und ich muß schliessen . Sey sie aber nur ganz unbesorgt . Gott schützt mich auf allen Wegen , und seine heiligen Engel werden über sie wachen , und vor aller Kümmerniß bewahren . Mir , herzliebste Mutter ! wird es immer gut gehen : das glaube sie nur festiglich . Stephani an seine Verwandten . Franz kam ausser Athem zu mir herein mit der Nachricht : Gretchen sey vom Fürsten krank zu Hause gebracht , und liege im Bette . Es schien mir unglaublich ; denn ich hatte sie noch niemals krank gedacht . Doch eilt ' ich voll Zweifel und Schrecken zu Mathilden ; aber in dem Augenblicke wurde der Fürst gemeldet und trat fast zu gleicher Zeit mit mir ins Zimmer . Er schien äusserst bewegt , auch da noch , als Mathilde ihm versicherte : Gretchen sey wieder auf und vollkommen hergestellt . Ich hatte nicht den Muth , ihn anzureden , und auch er blickte nur seitwärts und verstohlen nach mir hin . Bis endlich Fränzchen Farben und Pinsel ebenfalls mit der Nachricht brachte : Gretchen sey schon wieder auf , habe wieder ganz rothe Wangen , und wir können wieder malen . Alle Einwendungen halfen nichts , er zog mich fort , und der Fürst folgte nach . Nach langem Stillschweigen fragte dieser endlich : Weiß sie noch nichts von dem Bilde ? Ich glaube nicht . Und das Kind schweigt wirklich ? Franz nickte schalkhaft mit dem Kopfe und zeigte nach der Gegend , wo auch er abgebildet ist . Das Gemälde ist fertig . Nicht ganz . Wann denkst du es zu vollenden ? Gewiß zum heiligen Feste , Hast du Antwort von Pisa ? Nein . Aber ich zweifle nicht , daß man die Bedingungen annehmen werde . Man soll mich augenblicklich benachrichtigen . Ich werde nicht ermangeln . Ich wünsche , daß sie das Bild zuerst in der Kirche an dem ihm bestimmten Orte sehe . Ich schwieg . Oder hast du es anders beschlossen ? Ich beschliesse nichts mehr über dieses Bild . Doch scheinst du etwas zu fürchten . Vielleicht eine zu starke Erschütterung bei Margarethen . Ich will sie vorbereiten . Ich schwieg abermals , kurz darauf trat sie in das Wohnzimmer und er verließ