beleben . Der stille Vorwurf , den er sich selbst hierüber machen mußte , war ihm unbequem , und er suchte sich durch eine Art von Humor zu helfen , der aber , weil er ohne Liebe war , auch der gewohnten Anmut ermangelte . Über alle diese Prüfungen half Charlotten ihr inneres Gefühl hinweg . Sie war sich ihres ernsten Vorsatzes bewußt , auf eine so schöne , edle Neigung Verzicht zu tun . Wie sehr wünschte sie , jenen beiden auch zu Hülfe zu kommen ! Entfernung , fühlte sie wohl , wird nicht allein hinreichend sein , ein solches Übel zu heilen . Sie nimmt sich vor , die Sache gegen das gute Kind zur Sprache zu bringen ; aber sie vermag es nicht ; die Erinnerung ihres eignen Schwankens steht ihr im Wege . Sie sucht sich darüber im allgemeinen auszudrücken ; das Allgemeine paßt auch auf ihren eignen Zustand , den sie auszusprechen scheut . Ein jeder Wink , den sie Ottilien geben will , deutet zurück in ihr eignes Herz . Sie will warnen und fühlt , daß sie wohl selbst noch einer Warnung bedürfen könnte . Schweigend hält sie daher die Liebenden noch immer auseinander , und die Sache wird dadurch nicht besser . Leise Andeutungen , die ihr manchmal entschlüpfen , wirken auf Ottilien nicht ; denn Eduard hatte diese von Charlottens Neigung zum Hauptmann überzeugt , sie überzeugt , daß Charlotte selbst eine Scheidung wünsche , die er nun auf eine anständige Weise zu bewirken denke . Ottilie , getragen durch das Gefühl ihrer Unschuld , auf dem Wege zu dem erwünschtesten Glück , lebt nur für Eduard . Durch die Liebe zu ihm in allem Guten gestärkt , um seinetwillen freudiger in ihrem Tun , aufgeschlossener gegen andre , findet sie sich in einem Himmel auf Erden . So setzen alle zusammen , jeder auf seine Weise , das tägliche Leben fort , mit und ohne Nachdenken ; alles scheint seinen gewöhnlichen Gang zu gehen , wie man auch in ungeheuren Fällen , wo alles auf dem Spiele steht , noch immer so fortlebt , als wenn von nichts die Rede wäre . Vierzehntes Kapitel Von dem Grafen war indessen ein Brief an den Hauptmann angekommen , und zwar ein doppelter , einer zum Vorzeigen , der sehr schöne Aussichten in die Ferne darwies ; der andre hingegen , der ein entschiedenes Anerbieten für die Gegenwart enthielt , eine bedeutende Hof- und Geschäftsstelle , den Charakter als Major , ansehnlichen Gehalt und andre Vorteile , sollte wegen verschiedener Nebenumstände noch geheimgehalten werden . Auch unterrichtete der Hauptmann seine Freunde nur von jenen Hoffnungen und verbarg , was so nahe bevorstand . Indessen setzte er die gegenwärtigen Geschäfte lebhaft fort und machte in der Stille Einrichtungen , wie alles in seiner Abwesenheit ungehinderten Fortgang haben könnte . Es ist ihm nun selbst daran gelegen , daß für manches ein Termin bestimmt werde , daß Ottiliens Geburtstag manches beschleunige . Nun wirken die beiden Freunde , obschon ohne ausdrückliches Einverständnis , gern zusammen . Eduard ist nun recht zufrieden , daß man durch das Vorauserheben der Gelder die Kasse verstärkt hat ; die ganze Anstalt rückt auf das rascheste vorwärts . Die drei Teiche in einen See zu verwandeln , hätte jetzt der Hauptmann am liebsten ganz widerraten . Der untere Damm war zu verstärken , die mittlern abzutragen und die ganze Sache in mehr als einem Sinne wichtig und bedenklich . Beide Arbeiten aber , wie sie ineinanderwirken konnten , waren schon angefangen , und hier kam ein junger Architekt , ein ehemaliger Zögling des Hauptmanns , sehr erwünscht , der teils mit Anstellung tüchtiger Meister , teils mit Verdingen der Arbeit , wo sichs tun ließ , die Sache förderte und dem Werke Sicherheit und Dauer versprach ; wobei sich der Hauptmann im stillen freute , daß man seine Entfernung nicht fühlen würde . Denn er hatte den Grundsatz , aus einem übernommenen unvollendeten Geschäft nicht zu scheiden , bis er seine Stelle genugsam ersetzt sähe . Ja er verachtete diejenigen , die , um ihren Abgang fühlbar zu machen , erst noch Verwirrung in ihrem Kreise anrichten , indem sie als ungebildete Selbstler das zu zerstören wünschen , wobei sie nicht mehr fortwirken sollen . So arbeitete man immer mit Anstrengung , um Ottiliens Geburtstag zu verherrlichen , ohne daß man es aussprach oder sichs recht aufrichtig bekannte . Nach Charlottens obgleich neidlosen Gesinnungen konnte es doch kein entschiedenes Fest werden . Die Jugend Ottiliens , ihre Glücksumstände , das Verhältnis zur Familie berechtigten sie nicht , als Königin eines Tages zu erscheinen . Und Eduard wollte nicht davon gesprochen haben , weil alles wie von selbst entspringen , überraschen und natürlich erfreuen sollte . Alle kamen daher stillschweigend in dem Vorwande überein , als wenn an diesem Tage , ohne weitere Beziehung , jenes Lusthaus gerichtet werden sollte , und bei diesem Anlaß konnte man dem Volke sowie den Freunden ein Fest ankündigen . Eduards Neigung war aber grenzenlos . Wie er sich Ottilien zuzueignen begehrte , so kannte er auch kein Maß des Hingebens , Schenkens , Versprechens . Zu einigen Gaben , die er Ottilien an diesem Tage verehren wollte , hatte ihm Charlotte viel zu ärmliche Vorschläge getan . Er sprach mit seinem Kammerdiener , der seine Garderobe besorgte und mit Handelsleuten und Modehändlern in beständigem Verhältnis blieb ; dieser , nicht unbekannt sowohl mit den angenehmsten Gaben selbst als mit der besten Art , sie zu überreichen , bestellte sogleich in der Stadt den niedlichsten Koffer , mit rotem Saffian überzogen , mit Stahlnägeln beschlagen und angefüllt mit Geschenken , einer solchen Schale würdig . Noch einen andern Vorschlag tat er Eduarden . Es war ein kleines Feuerwerk vorhanden , das man immer abzubrennen versäumt hatte . Dies konnte man leicht verstärken und erweitern . Eduard ergriff den Gedanken , und jener versprach , für die Ausführung zu sorgen . Die Sache sollte ein