, wovon sich der Kammerherr nicht überzeugen konnte . Da er sich einem so schwierigen Geschäfte einmal unterzogen hatte , so wollte er dies auch mit Verstand gethan haben . Hierüber fand kein Capituliren mit ihm statt ; und weil ich ungern zankte , so blieb ich weit davon entfernt , ihm auch den glimpflichsten Vorwurf zu machen . Er selbst trat mit Vorwürfen hervor , so bald er sah , daß die Sache , anstatt von der Stelle zu rücken , nur schwerkräftiger und schlimmer wurde . Mir war hierbei sehr übel zu Muthe ; denn ich sah sehr deutlich ein , daß ich mich in die fatalste Lage von der Welt gesetzt hatte . Es konnte nämlich nicht fehlen , daß ein Ungewitter von Gemeinheit über meinem Haupte losbrach , sobald die von mir zuerst entworfene Wiedervereinigung des Erbprinzen mit seiner Gemahlin nicht wirklich erfolgte . Was blieb mir aber , wenn dies durchaus geschehen mußte , anderes übrig , als entweder meinem Gehülfen den Prozeß machen , oder meinem ganzen Wesen zu entsagen und der Prinzessin eine Gemeinheit aufdringen , die mir selbst fremd war , und die sie ewig verabscheuen mußte ? Zu beidem war ich gleich unfähig ; ich konnte daher nur die Hände in den Schooß legen , und den Donner , der mich vernichten sollte , voll Ergebung erwarten . In der That , mein Geschlecht ist in jeder Hinsicht sehr übel daran . Werden die Plane eines Biedermannes vereitelt , so darf er sich deshalb rechtfertigen , und je kräftiger er die Wahrheit sagt , desto mehr ehrt man seine Tugend . Ein edles Weib hingegen kann die allertriftigsten Gründe der Rechtfertigung haben ; sie darf davon immer nur innerhalb der Schranken der Weiblichkeit Gebrauch machen , wenn sie nicht alles verlieren will . Wie viele weibliche Thränen würden unvergossen bleiben , wenn dem weiblichen Geschlecht die Sprache des Gemüths gestattet wäre ! Was ich mit so viel Bestimmtheit vorhergesehen hatte , blieb nicht lange aus . Die ganze Schuld des Mißlingens fiel auf mich zurück , ob ich gleich nicht dahin gelangt war , auch nur einen Finger in der Sache selbst in Bewegung setzen zu können . Es kam nur noch darauf an , sich das Wie zu erklären . Man erschöpfte sich in Vermuthungen über die Natur meines Verhältnisses mit der Prinzessin ; und da es unmöglich war , das Wort zum Räthsel zu finden , so machte man es wie immer : das Heiligste wurde bis zur Scheußlichkeit entheiligt . Man sprach ganz laut von Lastern , die uns selbst dem Namen nach unbekannt waren . Und welche Bewegungsgründe legte man mir unter ! Nach Einigen hatte ich es darauf angelegt , die Mätresse des Prinzen zu werden ; nach dem Urtheil Anderer war ich damit umgegangen , den Kammerherrn zu erobern , um , nach dem Tode des Herzogs , gemeinschaftlich mit ihm das Land zu regieren . Ein Paar Familien , welche seit hundert und funfzig Jahren im Besitz großer Vorrechte waren , und sich steif und fest einbildeten , daß von der Behauptung dieser Vorrechte nicht nur die Wohlfahrt des Herzogthums , sondern auch die des ganzen heiligen römischen Reichs abhange , nannten mich eine Verderberin der guten Sitten , weil ich eine Fremde war und meine Gesellschaftsdamen-Stelle nicht ihrer Großmuth verdankte . Der Herr Hofcapellan , auf dessen Intriguen ich nicht hatte eingehen wollen , vereinigte sich mit den Übrigen , und eröffnete den förmlichsten Kreuzzug gegen mich , indem er über den Text predigte : Es ist besser , daß Einer umkomme , denn daß das ganze Volk verdorben werde . Rache , Neid und Bosheit liehen der Verleumdung ihre Waffen , um mich zu Grunde zu richten , und nie wirkte eine Verschwörung , in welcher nichts verabredet war , conzentrirter . Hätte man wenigstens die Erbprinzessin verschont ! Doch um mich zu stürzen , glaubte man die ganze Hölle in Bewegung setzen zu müssen . Verworren und dumpf hallten zu der Prinzessin und zu mir die Gerüchte herüber , die man auf unsere Kosten verbreitete . Was sollte , was mußte geschehen , um das Ungewitter abzuleiten ? Ich gestehe , daß es Augenblicke gab , in welchen ich mich zermalmt fühlte ; aber diese Augenblicke gingen um so schneller vorüber , weil meine Liebe für die Prinzessin immer die Oberhand behielt . Noch hatte sie kein Wort von dem Entwurf erfahren , welcher zwischen dem Kammerherrn und mir zu ihrer Wiedervereinigung mit dem Erbprinzen war verabredet worden . Ich hielt es für meine Pflicht , sie gegenwärtig damit bekannt zu machen , weil in diesem Entwurfe alle die Unfälle eingewickelt lagen , die seitdem über uns zusammengeschlagen hatten . Sie lächelte , als meine Erzählung geendigt war . » Mein Wille war rein , « fuhr ich fort ; » meine Absicht edel ; meine Mittel auf die herrliche Natur meiner Freundin berechnet . « » Dies ist es nicht , « erwiederte die Prinzessin , » was mir ein Lächeln abdringt ; ich lächle nur darüber , daß meine Mirabella auch nur einen Augenblick an die Besieglichkeit der Gemeinheit glauben konnte . Doch was geschehen ist , läßt sich nicht ändern , fuhr sie fort ; und die Hauptsache ist und bleibt , welche Maaßregeln wir ergreifen müssen , um aus diesem Kerker ins Freie zu kommen ? Was meinen Sie ? « Ich sah es der Prinzessin an , daß sie große Lust hatte , mein Geschick zu theilen ; allein dies war etwas , das ich aus allen Kräften , wenigstens für den Augenblick , abwenden mußte . Ich sagte ihr also : Ich nähme mit Freuden die ganze Schuld auf mich , und würde mich darüber an Ort und Stelle schon zu verantworten wissen . Da man es nur auf meine Entfernung anlegte , so wollte ich auch die Einzige seyn , welche das Terrain räumte , ein noch größerer Triumph wäre zu viel Ehre für