muß . « Das hieß , er ging dahin , wo Elise ihren Himmel gefunden hatte . Mit dieser gab er sich denn auch zusammen ; denn sie hatte ein artiges , unabhängiges Vermögen und war der gute Wille selbst . Jetzt schmähete und lästerte er , trotz der gallenreichsten alten Jungfer . In der Dämmrigschen Familie erwartete man mit jedem Posttag die Nachricht ihrer ehelichen Verbindung . Neunzehntes Kapitel Albertine trieb sich ohne allen frohen Genuß unter den wogenden Masken umher . Ihr Herz hob sich in den langsamen Pulsen innerer Trauer , unter dem bunten Gewande der Freude ; in ihr Auge traten unwillkürliche Thränen , als der Klang der Saiten in ihr Ohr drang . Der Anblick des Barons weckte ihre ganze Empfindlichkeit über das Vergangene , und sie glaubte , nicht ohne Affectation einen Punct unberührt lassen zu können , der ihr zwischen verschiedenen Geschlechtern eine nicht anständige Vertraulichkeit schien . Ihre Verwirrung ließ den Baron nur ahnen , was sie sagen wollte ; er lehnte mit Feinheit und Grazie den Dank ab , ( der ihm freilich auch nicht gebührte ; denn Albert war der , der die Schuld in möglichster Eil und Verschwiegenheit getilgt hatte ; ) indeß wußte Weißensee sich schnell zu orientiren , und ließ es sich aus gewissen Ursachen gern gefallen , für Albertinens Beschützer gehalten zu werden , ohne daß es ihm einen Heller kostete . Unter dem Gedränge bemerkte Albertine eine Kosaken-Maske , von der sie nicht nur immer verfolgt , sondern auch scharf beobachtet schien . Sie redete ihn einige Male an , seiner los zu werden ; aber er antwortete nicht , schüttelte den Kopf und legte seufzend die Hände auf seine Brust , welches ihrem Begleiter , dem Hofmarschall , Anlaß zu manchem schaalen Scherze gab , an welchem unsre Freundin wenig Geschmack fand . Endlich drängte sich der Kosak noch einmal an sie , und sagte mit verstellter , doch leiser Stimme : » Weile nicht zu spät hier , schöne Maske ! Ein Sturm bricht über dich ein ! « - Albertine wurde empfindlich , sehnte sich hinweg , und machte sich auf , ihre Gesellschaft zu suchen . Indessen gingen in Albertinens Wohnung wunderliche Dinge vor , die wir , der Ordnung gemäß , berichten wollen . Albertine hatte nicht sobald das Haus verlassen , als sich ihr Zöfchen , Lisette , an ihre Arbeit begab , die zu einem Geschenk für den charmanten Monsieur George , des Barons Kammerdiener , bestimmt war . Schauerlich heulte der Wind durch die Kamine der großen , jetzt leeren Gemächer . Unserm Lisettchen wurde es gar unheimlich um ' s Herz ; sie fing an Riegel zu zuschieben und Schlösser zu verwahren , setzte sich wieder an ' s Tischchen , und lauschte gar ängstlich nach der Thüre hin , als plötzlich ein Gepolter entstand und eine kräftige Hand anklopfte . » Wer ist da ? « wimmerte Lisettchen . - » Gut Freund ! « antwortete die Stimme von außen . - » Ich mache Niemand auf , der sich nicht nennt . « - » Lisette muß mir aufmachen , auch wenn ich mich nicht zu nennen für gut finde . « - » Herr Jemine ! wie wissen Sie denn meinen Namen ? « - » Weil ich gut Freund bin . « - » Herr Je ! ich muß doch einmal sehen ! « - Lisette machte auf ; da war sie aber eben so klug . Denn den Herrn im Reisekleide , der sich ziemlich keck und herrisch betrug , kannte sie gar nicht . Daß er aber unklug sei , nahm sie für ausgemacht an ; denn er sah zwar sehr schön , aber verwildert aus , sprach nicht , näherte sich Albertinens Bette , streckte die Hand bedeutend darnach hin , küßte die Decke , riß einen ihrer Handschuhe vom Tisch und küßte ihn ungestüm , trat an die Staffelei , betrachtete das Gemälde , worauf der Gemahl sterbend abgebildet war , und weinte laut . Lisette hatte sich vor dem großen wilden Mann hinter die Stühle geflüchtet und antwortete ganz schüchtern , als er , nicht mit donnernder , sondern sehr affectvoller Sprache fragte : » ihre Dame ist also - hab ' ich denn recht verstanden ? - auf dem Ball ? « - » Auf dem Ball ! « wiederholte er einige Male und immer weicher . » O Gott ! wie feierlich versprach sie ' s mir ! und hier , hier in diesem verfluchten Treibjagen nach Lust ! « - In diesem Affect entfiel dem Fremden ein Handschuh , und Lisette sah mit Entsetzen , daß er in dem Handschuh keine Hand hatte , und schrie wie Zeter Mordio : » Herr Jesu ! Sie sind doch nicht unser seliger gnädiger Herr ? « - - » Selig wahrhaftig nicht in diesem Augenblick ! Schweige sie ! « - » Ach nein ; ich will lieber den alten Herrn wecken ; mir graut ' s mit dem Herrn allein . « - » Nicht von der Stelle ! sag ' ich ihr . Wer ich auch sei ; ich muß ihre Dame sprechen . Ich bringe ihr Nachrichten , die ihr wichtig seyn müssen . « - - Indeß hatte sich Lisette den wilden Mann etwas besser besehen , und fand sein Antlitz sehr menschlich , ja sogar schön ; und vollends , wenn er sprach , und die schönen Augen so auf einen richtete ; und dann seine Gestalt , die schlank und doch kräftig , und sein Anstand , der so herrisch und doch auch wieder so milde , so ungezwungen edel war ! - Genug , Lisetten verging das Grausen so gut , daß sie gar redselig wurde und dem Fremden viel von ihrer Herrschaft erzählte , die wohl die schönste Dame in der Stadt sei , der es aber auch nicht an Verehrern fehle . Den Baron Ulmenhorst habe sie