einmal in Deinem thatenreichen Leben gefühlt haben : wie schön , wie überschwänglich die Selbstüberwindung lohnet . Wenn ein hartnäckiger , listiger Feind Dich erbitterte , tausend Schwierigkeiten sich Deiner brennenden Ruhmsucht entgegen stellten , Du endlich nahe warst das Ziel zu erreichen , hat Dich da nicht oft Erbarmen mitten im Laufe zurückgehalten , und sind es nicht gerade diese Augenblicke , bey denen Du , wenn Dich alles Übrige anekelte , mit Wohlgefallen verweiltest ? - Gewiß ! Dein Schicksal liegt mir schwer am Herzen . Ich habe nur einen Wunsch : Dich mit Dir selbst einig zu sehen . Ich kenne nur eine Möglichkeit - doch , ich schweige . Aber das laß Dir sagen - denn wer wollte Dich um des augenblicklichen Schmerzens willen dem tückischen Irrthume preis geben - aufopfern wirst Du müssen , auf welche Seite Du dich wendest . Auch dann , wenn Du den Tod wählst , opferst Du auf . Wie viel ? - wer kann es bestimmen ! - Die große unergründliche Natur handelt nach unwandelbaren Gesetzen . Erbarmen ist ihr fremd . Hebst Du gewaltsam ihren Schleyer ; welche Macht kann Dich retten ? - So weit das Gedenkbare reicht , findest Du die schreckliche wieder . Darum gieb Dich duldend in ihre Hand . Dann wird sie sanft Dich erlösen . Du sagst : ich bin Dein Einziges . So entschließe Dich dann muthig , und schnell ! Komm an mein Herz ! Wir wollen meinen Olivier suchen . Vielleicht finden wir ihn wieder . Acht und dreyßigster Brief Olivier an Reinhold Er ist gefunden ! - Wohl ! ganz Recht ! eben weil ich im Tode noch aufopfere , will ich mir , was das Leben gewährt , noch erhalten . Ist kein Erbarmen zu hoffen ; warum soll ich mich erbarmen ? - Mag ich nun Schmerz hervorbringen ; ich selbst leide den höchsten . Ja ich habe mich schnell und muthig entschlossen . Ich selbst will sie nicht sehen ; aber dann soll auch kein männliches Auge sie erblicken . Anfangs wollte ich mich einem deutschen Klotze vertrauen ; aber ich sah bald , daß nur ein Südländer meine Leidenschaft begreifen konnte . Ich habe Einen gefunden , der mehr noch begreift als ich empfinde . Er soll sie bewachen . Ein menschenleeres Gütchen ist gekauft , das Haus mit einem Graben umgeben , und durch eine Zugbrücke geschützt . Drey fremde Mädchen habe ich zur Aufwartung kommen lassen , und hoffe der braune Wächter wird sie gehorchen lehren . Keine Anmerkungen ! ich bitte Dich ! Es war das Einzige was mir übrig blieb . Neun und dreyßigster Brief Reinhold an Olivier Nein ! keine Anmerkungen ! aber hier einen Brief von Wilhelminen . Sie glaubt , er würde durch mich am richtigsten besorgt werden . Das gute Mädchen weiß so vieles noch nicht . - Mein Schutzgeist verhüte nur , daß sie nicht nach Juliens Aufenthalt fragt . Ihre ganze Verachtung würde mich treffen ; wenn ich nicht mit Feuer und Schwerdt drein schlüge . Wäre sie hier , ich stünde Dir vor keiner zweyten Entführung . Das arme Mädchen hat sich nur immer an den Schein gehalten . Sie glaubte Dich frey , und Julie gefangen . Dich Du Unglücklicher ! Einen Sclaven der wüthendsten Leidenschaft frey ! - Vierzigster Brief Wilhelmine an Julie Ich bin in der Schweitz ; aber meine Erwartung ist nicht befriedigt . Blendender Schnee auf den Bergen , schneidende Luft in den Thälern , die Menschen eben so kalt und düster wie sie . O das alles ist mir fürchterlich zuwider ! Ewiger Zank unter den Hohen , ewige Klage unter den Niedern . Mangel bey allem Überfluß . Sclaverey bey allem Freyheitstrotz . Ach kein Feuer , keine Lebendigkeit ! Einsylbig , langweilig , das prosaischste Volk auf der Erde . ( So weit meine Wenigkeit sie gesehen hat . ) Ja ! donnernde Wasserfälle und schaurige Klüfte . Überhangende Klippen und stürzende Lavinen . Wer Lust hat erschlagen zu werden , der kommt hier schon recht . Ob ich das alles in einer andern Laune nicht anders gesehen haben würde ? Kann seyn ! aber ganz unwahr ist es nicht ; darauf kannst Du Dich verlassen . Nein ! nein ! mit dieser grausenden , zügellosen Natur kann ich mich nicht vertragen , mit diesen Menschen nicht sympathisiren . Was helfen mir die feisten Kühe und die üppigen Wiesen ? Was mir fehlt können sie mir nicht geben . Aber was fehlt mir denn ? - Nun , fürs erste will ich glauben : ein milderer Himmel , ein geistvolleres , lebendigeres Volk , Werke der unsterblichen Kunst , an denen sich mein Geist laben und erheben kann . Italien ! Italien ! da will ich hin . Antonellis Mutter ist da . Auch die will ich sehen . O was gäbe ich darum , daß sie arm wäre , oder sonst meiner Hülfe bedürfte ! Gewiß ! sie wird mich lieben ; denn ich werde ihr von dem Lieblinge erzählen . Wäre ich die Mutter dieses Sohnes ; Könige und Kaiser müßten mir weichen . Ach ! hätte ich nur ein Kind ! nur ein einziges Kind ! Ein solches Wesen , das ich mit Todesquaal mir erkauft , mit Lebensgefahr mir erhalten hätte ! - Ich wollte alles ! ja Dich selbst wollte ich darüber vergessen . Nur Geduld ! nur Geduld ! nur nicht gelächelt ! es wird sich alles finden ! - In Italien giebt es noch Menschen , die Liebe verstehen . Bauer , oder Bürger , einerley ! » Mein Freund - sage ich dann - gefalle ich dir ; so mögte ich wohl auf ein Jahr der fünf deine Frau werden . Sind wir glücklich ; so geben wir noch vier Jahre zu . Dann drey , dann zwey , und zuletzt hast du die Freyheit , dich alle Jahr von mir zu trennen . Aber in der