meiner wichtigsten Begebenheiten . Es sind wunderliche Bilder der Vergangenheit in mir rege geworden , bei denen ich mich vielleicht zu lange aufgehalten habe , sie haben sich meiner bemeistert . Laßt es geheim zwischen uns bleiben , was ich euch erzählt habe . Es gibt Menschen , die das , was man ihnen sagt , selten so nehmen , wie man es sagt , und wie man es genommen haben will , sondern aus eigner Bewegung noch ganz etwas anders dahinter suchen und vermuten . Der Himmel gebe , daß euch meine Erzählung keine Langeweile gemacht , und daß ihr jetzt nicht übler von mir denkt als vorher . « Beide versicherten ihn ihrer freundschaftlichsten Teilnahme , und daß er ihnen vielmehr jetzt noch werter geworden sei . Sie unterhielten sich noch mit ihm über diese und jene Begebenheit , die ihnen aufgefallen war . Juliane erkundigte sich genauer nach den Namen , Verhältnissen und den Personen , die darin vorkommen . - » Fragen Sie mich nicht um dergleichen Zufälligkeiten , liebe Juliane , sie gehören nicht auf die entfernteste Weise zu mir , und von mir sollte ich Ihnen erzählen ! Hinz oder Kunz , es ist einerlei . Wenn es Ihnen so um den deutlichen Begriff der Persönlichkeit zu tun ist , so können Sie sich Personen nach Ihrer Bekanntschaft dazudenken , man findet sehr leicht passende Vorbilder . Und nun , bevor wir uns auf den Rückweg machen , lassen Sie uns noch erst tiefer ins Gebirge hineingehen , dort von dem Gipfel eines Bergs , den ich kenne , ist eine Aussicht , die ich , eh ' die Sonne untergeht , zeichnen und Ihnen , lieben Freunde , als ein Gastgeschenk und ein Andenken dieses Tages zurücklassen will . Die Sonne steht nicht mehr hoch , es hat sich ein kleiner Wind erhoben , und Sie können ohne Beschwerde gehen , Juliane . « - Jene waren es wohl zufrieden , man machte sich auf den Weg , und im Gehen sagte Florentin : » Jene Aussicht habe ich aus einem ganz besondern Grund zum Abzeichnen ersehen . Man sieht von dort ein Haus , das mich durch seine Bauart und eine Ähnlichkeit in der Lage an eine lustige Geschichte erinnert , die ich euch noch erzählen will . Ihr mögt euch meiner dabei erinnern , wenn ich fern bin , und ihr die Zeichnung beschaut in friedlichen Tagen . Als ich in Venedig war , ließ ich mich in einer der schönen Nächte mit einigen Leuten auf dem Golfo herumfahren . Wir machten Musik , und waren voller Mutwillen und Lust . Einer unter ihnen hatte eine gute Freundin , die in einem Landhause nicht weit vom Ufer wohnte , es fiel ihm ein , ihr eine Musik unter ihrem Fenster zu bringen , und er bat uns ihn zu begleiten : wir willigten ein , und stiegen ans Land . Die Musik ward gebracht , und so gnädig aufgenommen , daß man uns alle einlud ins Haus zu kommen , um Erfrischungen einzunehmen . Der gute Freund ging sogleich hinein , wir andern entfernten uns bescheiden , nachdem wir einen Ort bestimmt hatten , an dem wir uns wieder zusammenfinden wollten . Wir zerstreuten uns ; was die andern anfingen weiß ich nicht ; ich ging am Ufer des Golfo entlang , freute mich über die entzückende Aussicht , die in glänzendem Mondlicht vor mir lag , und hörte dem Gesang der Gondoliere zu , und der verschiedenen Musik auf den Gondeln , die hin und her schwammen . So fortwandelnd , sah ich mich auf einmal vor einem Gitter , das ein anmutiges Blumenparterre umschloß , von dem die Gerüche die Luft um mich her durchwürzten . Am andern Ende des Parterrs , dem Gitter gegenüber , war ein Haus sichtbar mit einem Balkon , der nur wenig von der Erde erhöht war , auf demselben standen die Türen offen , die nach einem Zimmer zu führen schienen , aus dem ein helles Licht schimmerte , und der Gesang einer weiblichen Stimme , von einer Gitarre begleitet , erscholl . Das Ganze zog mich hinlänglich an , um mich etwas näher umzusehen . In einem Augenblick sprang ich über das Gitter , und stand dicht vor dem Balkon , wo ich das ganze Zimmer hinter demselben übersehen konnte . Es war ein niedlich gebauter Salon , der so geschmackvoll und zugleich prächtig dekoriert war , als ich es selten gesehen habe . Besonders zog meine Blicke ein schöner Fußteppich an , mit grünem Grund , auf den zerstreute Rosen eingewirkt waren , der sich gegen die glänzenden mit Gold verzierten Wände sehr schön ausnahm . Das Ganze ward von einem kristallnen Kronleuchter zauberisch beleuchtet . Eine schöne junge Frau , im leichtesten zierlichsten Gewande , die schwarzen Haare oben auf dem Kopfe zusammengeknüpft , ging singend auf diesem Teppich mit leichtem Fuß umher , in ihrem Arm ruhte die Gitarre , die sie mit vieler Anmut spielte . Einige große Spiegel an der gegen mir überstehenden Wand vervielfachten das Bild der reizenden Gestalt im Vorüberschweben . Ich war wie festgebannt , ich konnte mich nicht satt sehen . Sie legte die Gitarre hin , und zog eine Schelle , ein Lakai in reicher Livree trat herein und brachte Erfrischungen , sie setzte sich nun auf den Sofa dicht am offnen Balkon und verzehrte einige Orangen , die sie erst mit großer Zierlichkeit schälte . Die unbedeutendste Bewegung gefiel mir an ihr . Ich mußte es wagen , sie zu sprechen , das war gewiß . Ohne mich lange zu besinnen , sang ich halb leise einige Verse auf dieselbe Melodie , die sie soeben gesungen hatte . Ich konnte sie genau dabei beobachten : erst war sie erschrocken , dann staunte sie , zuletzt ward sie aufmerksam , ich hörte auf und seufzte tief . Einen Augenblick besann sie sich , dann trat sie auf den Balkon heraus ; sie