genügen ihre einzelnen Sinne nicht , die in das Leben wie winkende Denkmale hingestellt sind . Und was ist das Herz der Natur anders als die Minute , wo sich die Arme umschlingen und alle Trennung ein Einziges wird , und was ist die Umarmung der Liebe anders als der geistigste und körperlichste Gedanke des Lebens , wo alles nur die Kraft wird , zu bilden , ohne zu reflektieren , das Objektivste ohne Bewußtsein , das Kunstwerk der Genialität ? Wenn wir die Kunst nur kennen , so werden wir auch Künstler werden können - ! Ja es giebt auch gesunde Kinder der Ehe , aber die Kinder der Liebe sind genialischer , und schöner , und fähiger . Ich will umarmt sein , indem ich mich selbst umarme . Ewig kehre ich an den Ähnlichkeiten der sogenannten Kunst im Einzelnen zu jener Sehnsucht eines Umgangs mit einem Höheren , wie an dem Anblick schöner Zerstörung in verfloßne Zeit der Jugend und Fülle des Werks , zurück . Dort scheint mir der Sinn des Wortes zu liegen , das nur noch silbenweise um mich tönt , als wäre nur noch eine Silbe der Zeit da , die es ausspricht . Das Element ist in dem ganzen Raume verbreitet , aber tief unter den Bergen rauscht die kristallene Woge , in einsamen Klüften dringt sie noch im Quelle rein aus dem Grabe der Jahrtausende . O ihr werdet sie nimmer zwingen , in den häuslichen Brunnen zu dringen , ihr werdet sie nicht durch die Fontainen eures Marktes künstlich dem Himmel entgegentreiben , höchstens zum Schauspiele könntet ihr sie gebrauchen , wenn ihr sie leiten könntet , denn das Geschlecht ist wahrlich zu krank , um das Reine zu ertragen . Mir steht die Musik , die Malerei und Bildnerei und die Poesie itzt da wie eine Relique des Ganzen , das die Liebe ist , und das mir auch die meinige immer war . Ich habe das alles umfaßt in Einem , der das alles im Einzelnen nicht war . Der Tempel ist über mir zusammengestürzt , und mein Gebet , das so frei und unwillkürlich an dem Gewölbe der Kuppel sich in Worte ründete , durch die Räume der erhabenen Säulenordnung in Takte zerklang und in ihren Kronen liebliche Tonspiele umarmte , ist mit dem Echo zertrümmert . Am freien Himmel hallt es nicht wider , und mein Dienst trauert wortlos und ewig in sich selbst zurückesinnend an den schönen Trümmern , die alle zu Altären geworden sind . Soll ich Opfer bringen ? Ein Opfer ist keine Liebe , es müßte sich sonst selbst entzünden . O dieses Nachsehen , und dieses Nachhallen ! Wenn ich Musik mache , so ist mir jeder einzelne Teil so traurig wie ein Brief an eine ferne vertraute Welt , die mich mißversteht , weil sie den Takt meines Herzens , meinen Blick , das Bild des Vorgetragenen in meiner Phantasie , die Schwäche der Maschine und die Tyrannei des Hebels nicht sieht , den mein Körper so ungeschickt zwischen mich und meine Äußerung hinlegt ; und doch ist dieses Stammeln , dieser Kampf zwischen Wollen und Können ein Muß , dem der Vorzug einzelner Töne vor einer weiten stillen Öde wenig Reiz giebt , denn der Starke ist lieber tot , als er tändelt . Doch spiele ich , ich spielte anfangs fremde Erfindung . Das dauerte nicht lange , es war mir , als schriebe ich an die ferne Welt , um an der Unzulänglichkeit schuldlos zu sein , aus einem Briefbuche ab , und schämte mich . Als mich mein Freund begleitete , fand ich in dem Einstimmen seiner Flöte in meine Akkorde wenigstens das scheinbare freie Schaffen der Liebe zu ähnlichen Gegengenüssen , wie das Schachspiel ein geistreiches Gespräch scheinen kann . Wer seine Flötenuhr akkompagniert , oder mit sich selbst Schach spielen mag , der muß mehr Kraft als Stoff haben , und das habe ich nicht . - Ich phantasierte , und sprach mich ganz aus , aber bald hemmte mich die sonderbare Empfindung , ich würde selbst ein wildes gestaltloses Lied , das ewig aus sich selbst ringt , und nie wieder in sich zurückkehrt : dies war mir schrecklich , ich erschien mir wie eine kalte Bildsäule , die in der fortstrebendsten Leidenschaft ewig ruht , ohne Ruhe zu sein , und auch dies war fürchterlich . - Habe ich denn nichts , wenn man mir nichts giebt , und bin ich denn nichts , wenn ich nicht durch die Augen eines andern gesehen werde ? Kein Genuß ohne Auswechselung ; ich hatte gesungen , und niemand hatte mich gehört . Der Ton , der nicht gehört wird , ist nicht da , ich hörte mich nicht mehr , denn ich sang mich . Ich sang dann in öffentlichen Konzerten und berauschte mich in der allgemeinen Stille . Es war keine Eitelkeit , es war das Gefühl , als breite ich mich über alle aus , mit weiten tausendfachen Armen , indem ich mich aus mir selbst in eine große Höhe verfolgte , und wenn ich mich in diesem Zustande in einem Bilde aussprechen sollte , so war ich der Strahl eines Springbrunnens , der aus der Mitte eines Bassins emporsteigt , sich in den Sonnenstrahlen spiegelt , und wieder zurückfällt . Es freute mich , daß ich Reize genug besitze , mir selbst alles geben zu wollen , und doch noch die Menge zu rühren . Da aber ihr Beifall im Händeklatschen über mich herfiel , war der schöne Traum geweckt . Sie schienen mit Gewalt aus sich herauspochen zu wollen , was ich in sie hineingesungen hatte . Die Männer hatten allein geklatscht , ich verachte die Galanterie wie gemachte Blumen , und will keinem mehr gefallen . Der scheinbare Umriß der Musik , sein ewiger Wechsel , und dabei doch die Sklaverei gewisser Verwandtschaften , Fesseln , denen man nie entgeht , und die , wegen ihres Spielraums , doch