Trommelbaß mit ewigem Ermahnen zum Piano unter dem Adagio weglief , drinnen mit dem erdenklichsten Fortissimo rufen mußte : » Pianissimo , Satan , Pianissimo ! « - Einige Male mußt ' er von seinen Arbeiten aufstehen , wenn in der Fechtstunde alles Zureden zur Quarte nichts half , und die Tür aufmachen und ergrimmt zum Wiener sagen : » Um Gottes Willen , Herr , sein Sie doch kein Hase und stoßen Sie ihm derb aufs Leder , wenn er nicht aufpaßt ! « - worauf der höfliche Fechtmeister nur leise zu Quartstößen anfrischte . - Gleichwohl lernt ' er viel ; in so frühen Jahren setzet man sich weder über den Putz noch über die schönen Künste eines Falterle hinweg , der noch dazu mit dem zauberischen Vorzuge mächtig war , in der verbotnen Hauptstadt geglänzt und gelehrt zu haben . Bloß der laute Aufschritt und die Stiefel waren dem Zöglinge nicht zu nehmen ; aber die Achseln waren in kurzem waagrecht und der Kopf steilrecht gedrückt und die oszillierenden Finger samt dem regen Körper mit einem Stahlschen Augenhalter festgemacht . Überhaupt haben Menschen mit einer liberalen Seele in einem schöngebauten Körper schon ohne Falterles Spalierwand und Schere einen gefälligen Stand und Wuchs . Dabei hatte er den niedlichen freundlichen Falterle mit jener heiligen ersten Menschenliebe , womit ein Kinderherz sich an alle Leute des Hauses und des Dorfes anklammert , schon darum lieb , weil den Wiener eine Dame um den Goldfinger , ja innen um den Goldring selber aufwickeln konnte , und weil er vom Ritter des goldnen Vlieses wie von einem Könige sprach und log , und weil er die gefälligste Haut war , die je über die Erde lief . Da ich in meinen Biographien Duldung und eine vielseitige Gerechtigkeit gegen alle Charaktere lehren will : so muß ich hier mit meinem Muster der Toleranz vorangehen , indem ich von Falterle bemerke , daß seine arme dünne Seele sich selber nicht unter den steinernen Gesetztafeln der Etikette und unter dem hölzernen Joche eines imponierenden Standes aufzubringen vermochte . Wem tat der arme Teufel etwas an ? Nicht einmal Damen , für welche er zwar , gleich einem Kupferstecher , immer vor dem Spiegel arbeitete an seinem Ich , allein nur um mit diesem Kunstwerke , gleich andern Figuristen , reine Schönheiten darzustellen , nicht aber solche zu verführen . Das Seewasser seines Lebens - denn er ist weder ein Millionär noch eben der größte Gelehrte des Säkuls , ob er wohl bei vielen Bücherverleihern herumgelesen - süßet er sich durch das Schönheitswasser ab , worin er sich stündlich badet . Er säuft und frisset fast nichts ; flucht und schwört er , so tut ers in fremden Sprachen , wie der Päpstler darin betet , und schmeichelt wenigen außer sich . Der Eitle und noch mehr die Eitle hassen Eitle viel zu stark , die doch mehr am Kopfe als am Willen siechen . Ich kann mich hier freudig auf jeden denkenden Leser berufen , ob er sich je , wenn er eben ungewöhnlich eitel einhertrat , tiefe Gewissensbisse oder Mißtöne im Ich verspürt zu haben entsinnt , welche doch niemals fehlten , wenn er sehr log oder zu hart war ; er nahm vielmehr ein ungemein liebliches Schaukeln seines innern Menschen in der Paradewiege wahr . Daher wird ein Eitler so schwer wie ein Spieler kuriert . Aber auch noch darum : die meisten Sünden sind Kasualpredigten und Gelegenheitsgedichte und müssen häufig ausgesetzet werden , vom 3ten bis loten Gebot inclus . - Die Ehe , den Sabbat , das Wort kann man nicht zu jeder gegebenen Stunde brechen - Verleumden kann einer so wenig als kegeln oder duellieren mit sich selber - viele beträchtliche Laster sind nur an der Ostermesse - oder am Neujahrstage - oder im Palais royal oder im Vatikan zu verüben - manche königliche , markgräfliche , fürstliche im ganzen Leben nur einmal - manche gar nicht , z.B. die Sünde gegen den heiligen Geist . - - Hingegen sich innerlich preisen und bekränzen kann einer Tag und Nacht , Sommer und Winter , an jedem Orte , auf dem Katheder , im Prater , im Generalszelte , hinten auf der Schlittenpritsche , auf dem Fürstenstuhle , in ganz Deutschland , z.B. in Weimar . Wie ? und diese perennierende Balsamstaude , die den innern Menschen immerwährend anräuchert , sollte man sich ausziehen oder beschneiden lassen ? - - 19. Zykel Alle diese Geschäfte und Dornen waren für Albano recht gute spitze Erdbeben-Ableiter , da in seiner Brust schon mehr unterirdische Gewittermaterie umherzog , als zum Zersprengen der dünnen Brusthöhle eines Menschen nötig ist . Nun kam er immer tiefer in die wilden Donnermonate des Lebens . Die Sehnsucht , Don Zesara zu sehen , entflammte sich an der römischen Geschichte mehr , welche Cäsars kolossalisches Bild vor ihm in die Höhe stellte und darunterschrieb : Zesara . Die verhüllte Lindenstadt wurde von seiner Phantasie auf sieben Hügeln getragen und zum Rom erhoben . Ein Posthorn schallte in sein Innerstes wie ein Schweizer Kuhreigen , der alle Höhen unserer Wünsche in langen Bergketten glänzend in den Äther hinausbauet ; und es blies ihm das Zeichen zum Aufbruch , und alle Städte der Erde lagen mit offnen Toren und mit breiten Fuhrstraßen um ihn herum . Und wenn er in jener Zeit an einem kalten hellen Sommermorgen neben einem nach Pestitz gehenden Regimente so lange metrisch mitzog , als die Trommeln und die Pfeifen lärmten : so feierte seine Seele ein Händelsches Alexanderfest - sie hörte die Vergangenheit - das Fahren der Triumphwagen - das Gehen der spartischen Heere und ihre Flöten - und die helle Trompete der Fama - und wie unter den letzten Posaunen erstand seine Seele unter lauter glänzenden Toten aus der aufgeriegelten Erde und zog mit ihnen weiter . - - Wenn die Geschichte einen edlen Jüngling in die Ebene von Marathon und auf das Kapitolium führt : so will er an seiner Seite einen Freund