, die er hat gießen lassen . Allerhand Sagen knüpfen sich außerdem an dieselbe , die den Feuertod sterben würden , wenn man sich entschlösse , durch Umschmelzung aus der alten Glocke eine neue zu machen . Die eine Sage berichtet die vielerorten wiederkehrende Geschichte vom Glockengießer , der eine Schlange mit in die Glockenspeise hinein getan habe , so daß seitdem die Schlangen aus der Umgegend verschwunden seien . Die andere meint , daß die Glocke aus türkischen Geschützen gegossen sei , die der Feldmarschall während seines Türkenzuges den Ungläubigen abgenommen , ja sie geht noch weiter und verbürgt sich , daß Sparr die Glocke selbst erobert und später dafür gesorgt habe , daß sie durch Tramper Bauern aus dem fernen Ungarlande herbeigeholt worden . Auch die glaubhaftere Hälfte dieser Tradition hält eine Kritik nicht aus , da die Glocke , wie sie selber besagt , 1660 gegossen wurde und » Vater Sparr « erst 1664 seinen großen Türkenzug antrat . * Und nun endlich Lichterfelde selbst . In seiner Kirche , der ausnahmsweise die Sparren-Glocken fehlen , befinden sich drei Kindergrabsteine aus der Sparrenzeit . Sie sind sehr abgetreten , einer so völlig , daß von Inschriftenlesen keine Rede mehr sein konnte . Bei den beiden andern entzifferte ich folgendes . Auf dem größeren : » Anno 1606 ( oder 1600 , wahrscheinlich letzteres ) ist geb . Anna Sparr und ... 16 ... in Gott selig entschlafen ; der Seele Gott genade « . – Auf dem kleineren : » Anno 1604 d. 2. Januar ist geboren Elisabeth Sparrn ... entschlafen d. 3. Januar um 12 Uhr in der Nacht « . Die Hauptsehenswürdigkeit ist das Schloß , in dem mutmaßlich um 1605 unser Otto Christoph geboren wurde . Dieser Umstand allein schon würde dem Schloß ein Anrecht auf unser Interesse geben ; es trifft sich aber , daß es , abgesehen von seinen Beziehungen zu den Sparrs , auch als eine durch Eigenart und Munifizenz ausgezeichnete bauliche Schöpfung anzusehen ist . Über die näheren Umstände des Baues , über Jahreszahl , Namen der Bauherren und des Baumeisters gibt eine lateinische Inschrift Auskunft , die sich in Front des Schlosses befindet . Sie lautet : Dominus conserva nos . Psalm 126 . Nisi Dominus aedificaverit Domum in vanum laboraverant , qui aedificant . Ao Dni 1565 Die 26 Julii Arend et Christoff Fratres de Sparn hanc Domum aedificare inceperunt , in Ao 1567 cum gratia Dei patris nostri Jesu Christi consummaverunt per Joachimum de Roncha ex Italia de Manilia . Soli Deo Gloria . Renovat . In Ao 1580 . Also etwa : Der Herr schütze und bewahre uns . Psalm 126 . ( muß heißen : Psalm 127 ) » Wo der Herr nicht das Haus bauet , so arbeiten umsonst , die dran bauen . « Anno 1565 haben die Brüder Arend und Christoph von Sparr dies Haus zu bauen angefangen ; Anno 1567 haben sie es durch die Gnade Gottes und unseres Heilands Jesu Christi beendigt und zwar unter Leitung Joachims von Roncha aus Manilia in Italien . Ruhm dem alleinigen Gott . Erneuert Anno 1580 . Diese Inschrift , wiewohl bis diesen Tag in aller Deutlichkeit zu lesen , hat zwei schwache Punkte : einmal den Namen und Geburtsort des italienischen Baumeisters , dann die Renovierungs-Jahreszahl 1580 . Es ist mindestens ungewöhnlich , daß ein überaus solid aufgeführter Schloßbau nach dreizehn Jahren schon wieder renoviert wird . Aber dies ist unwichtiger . Wichtiger ist die Frage : wer war dieser Joachim von Roncha aus Manilia in Italien ? gibt es ein Manilia , gibt es einen Roncha ? oder ist alles Irrtum und Verdrehung von Anfang bis zu Ende ? Mörner hat folgende Lesart vorgeschlagen : per Fra . Chiaramellum ( da Gandino ) ex Italia de Venetia , wobei er sich auf die Tatsache beruft , daß es einen Joachim von Roncha niemals gab , wohl aber einen Francesco Chiaramelo oder Chiaramelli ( da Gandino ) , der von 1562 – 1565 die Festung Spandau zu bauen begann . Diese Mörnersche Interpretation ist außerordentlich scharfsinnig und möglicherweise zutreffend . Wir lassen sie jedoch auf sich beruhen und treten lieber in den Schloßbau selber ein . Im Vorflur empfängt uns ein alter Herr , der Freund und Majordomus des Hauses , der in Abwesenheit des Besitzers die Repräsentation auf sich genommen hat . Wir nennen ihm unsere Namen , er zieht sein Käpsel und mit dem plauder-gemütlichsten Cicerone-Ton von der Welt , nicht ohne liebenswürdigen Anflug von Humor und Satire , beginnt er : » Sie werden hier eine der sonderbarsten Bauschöpfungen alter und neuer Zeit kennenlernen . Das Schloß hat weder Treppe noch Küche und besteht ausschließlich aus zwölf Zimmern und zwölf Klosetts . « So eingeführt , beginnen wir unsern Umgang und überzeugen uns alsbald , daß eine präzisere Totalbeschreibung des Schlosses und seiner baulichen Absonderlichkeiten nicht wohl gegeben werden konnte . Was sich der Baumeister , er heiße nun Chiaramelli oder Roncha , bei dieser Herrichtung gedacht haben mag , ist schwer zu sagen . Wohl bin ich Schlössern begegnet , z.B. dem berühmten Lochlevenschloß in Schottland , in denen die besondere Dicke der Mauern ebenfalls zur Herstellung solcher » Bequemlichkeiten « dienen mußte , weil es im übrigen an Raum gebrach . Wenn es indessen irgend etwas gibt , dessen das Lichterfelder Schloß nun gerade nicht ermangelt , so ist es Raum . Seine Dielen und Flure wirken wie Hallen und seine Zimmer wie Säle . Unser Cicerone sprach aber auch die Worte : » keine Treppe und keine Küche . « Und auch damit hat es seine Richtigkeit . Wenigstens gehabt . Was die Treppe angeht , so befindet sich dieselbe bis diesen Tag in einem eigenen , von außen angebauten Treppenhause , von dem die Sage geht , daß es deshalb früher nicht vorhanden war , » weil der alte Arendt Sparr , nach Art ähnlicher Sagenväter , den Zutritt zu seiner schönen Tochter durchaus unmöglich machen