verbindlich und ironisch ... Wen ? fragte er ... Wen mögen Sie nicht leiden ? Dante , Dante ! sagte Terschka ... Wie ? lautete ein ironisches Erstaunen ; Dante nicht , der - den Päpsten doch fluchte ? Sie lieben ihn also ! Und warum ? entgegnete Monika und stellte den Teller sich zur Seite auf einen nahe stehenden Tisch , da sie nicht essen mochte und sich zum Gehen rüstete ... Weil Dante für seine Zeit der größte aristokratische Dichter war ! Und für unsere Zeit ist er der katholischste ! Damit entschlüpfte er triumphirend ... Ich mag ihn nicht , grollte Monika düster vor sich hin , während Terschka einen Tisch arrangiren wollte und sie zurückhielt ... Fast wäre sie geblieben , als sie aus Lucindens Munde durch folgende Worte überrascht wurde : Ich finde an Dante peinlich , sagte das ihr jetzt erst auffallende schöne junge Mädchen , wie er sich müht , Martern zu ersinnen , die er seine Gegner erleiden läßt ! Weil ihn seine Mitbürger aus Gründen nicht mochten , ruft er die Fremden zu Hülfe , will Italien mit Feuer und Schwert von den Ghibellinen und den Deutschen verwüstet haben und läßt alles , was ihm persönlich oder seinem Princip misgünstig scheint , in der Hölle gemartert , gesotten und gebraten werden . Eine grellere Einbildungskraft hat es noch nie an einem Dichter gegeben , als sich hinzusetzen und zu grübeln ) welche Qualen dem oder jenem seiner Feinde einst zu Theil werden würden ! Und wen wirft er nicht alles in seine Hölle ! Einen Brutus , einen Cato , einen Cassius ! Ueberall wittert er Unordnung in seinem Sinn und Freiheit und was darunter die florentinischen Gilden verstanden haben mögen , die nur seinen hohen Werth nicht anerkannten , nicht seine gelehrten Verse mochten , in die er , wie er sagte , seine Feinde lebendig einmauern wollte . Beatrice liebte er , nur um ein Ideal für seine Phantasie zu haben ; im Leben und als Person war sie ihm völlig gleichgültig . In der That , wenn ich die wie mit Gift geschriebenen Verse Dante ' s lese , diese lang hingezogen sich ringelnden Terzinenschlangen und Molche , diese dem Verstand abgequälten Bilder und Allegorieen , zu denen man , um sie zu verstehen , dicke Commentare lesen muß , so könnt ' ich mich wie eine welfische Löwin fühlen , die mit dem demokratischen Haß eines Vorstehers der florentinischen Schustergilden dem Adler der Ghibellinen den Kampf anbieten könnte . Ich sympathisire dann mit den Mönchen , die auf den Zinnen der italienischen Mauerthürme gegen die Ghibellinen kämpften - Ein Savonarola war unter ihnen ! fiel Monika voll Staunen und gesteigerter Theilnahme ein ... Pötzl , der Träger der Bologneser , unterbrach eine fast leidenschaftliche Annäherung Monika ' s und sprach heimlich mit Lucinden ... Monika fuhr inzwischen fort : Und da muß ich wieder Mutter Hildegard eine wunderbare und liebliche Poetin nennen . Die blickt auch in die Hölle , aber sie schmort und kocht und foltert die Gottlosen doch nicht so greulich , wie dieser Dante , dessen Bild mit seiner langen Nase und dem dicken über die Kapuze gezogenen Lorberkranz ich nie sehen kann , ohne an ein altes Weib zu denken ... Lucinde wurde zur Commerzienräthin abgerufen , die bei ihrem fortwährenden Patrouilliren und dem dutzendmal wiederholten Worte : » Haben Sie denn auch ein Glas ? « naturgemäß jetzt überall auf Pitern zurückkommen mußte . Das Muttergefühl und die Sorge der Hausfrau siegte über die Liebe zu den Bolognesern und zu den Hausfreunden und zu hundert Fremden , mit denen sie Conversation begann und nach fünf Worten wieder abbrach . Lucinde bekam den bestimmtesten , ja von » Verzweiflung « dictirten Auftrag , eine Recherche nach der jetzt constatirten » ja furchtbar ängstlich werdenden und ein Unglück ahnen lassenden « Abwesenheit Piter ' s anzustellen . Sie mußte sich besinnen , daß sie hier im Hause eine Dienende war ... Monika sah , daß Terschka ihr einige Schritte folgte ... Wer ist das schöne , seltsame Mädchen ? fragte sie , als er zurückkehrte ... Sie stand allein und Terschka nützte seinen Vortheil . Zwar machte er ihr ernstliche Vorwürfe , doch wurden sie von der Glut seiner Huldigungen gemildert ... Monika hörte nur wenige seiner Worte , riß sich los und trat wie fliehend aus dem Zimmer ... Der Abend rauschte und wogte dahin ... 8. Die Worte der geistesstarken jungen Frau , die Widersprüche zweier Pole im Katholicismus - die größte Abhängigkeit und doch eine eigenthümliche Freiheit - hatten Lucinde in alle Gedankenreihen gestürzt , die ihr vorzugsweise schon oft bei Serlo ' s Memoiren entstanden waren ... Aber mehr , mehr als alles , was sie zu einer würdigen Denkerhöhe , zu der auch sie so viel Berechtigungen in sich trug , emporheben und ihr den oft bitter errungenen , aber tiefinnerlich beglückenden Stolz , in solcher Höhe einsam zu stehen wie Alpenhäupter , erhaben über die alltägliche Denkweise der Menge , hätte einflößen können , quälte sie ihr eigenes Geschick ... Paula - Bonaventura - Hildegard - der Benedictiner Gottfried - alles das überwältigte und lähmte jeden Aufschwung ... Ein großer Unterschied zwischen Monika und Lucinden ! Monika eine Frau und liebend das Gute um des Guten willen . Lucinde ein Mädchen - den meisten ihrer Gesichtspunkte fehlte Ernst und Festigkeit und das Gute liebte sie nur , weil das Gute in den meisten Fällen das Klügere ist . Monika entsagte schon lange dem Leben und stellte sich entschieden auf sich selbst . Lucinde suchte einen Anhalt . Nicht von Hause aus saß Neid in ihrer Brust , aber er nistete sich mit der Zeit durch ihr Unglück ein . Die Unglücklichen sind neidisch . Sie werden sich immer sagen , daß sie sich ebenso berechtigt glauben zum Glück wie die Glücklichen .... Seltene , Edelste deines Geschlechts , ich habe dich lieb , ich bewundere dich , nimm