, versuchte sie ihre Augen zu trocknen , ja sie lächelte , als sie der schönen Tänzerin entgegen trat und als sie sagte , sie freue sich über ihren Besuch . Therese machte dem Herrn Staiger eine freundliche Verbeugung , nickte den Kindern zu und zog dann , ohne weitere Umstände zu machen , Clara mit sich in die Fensternische , wo sie zu ihr mit gedämpfter Stimme sprach : » Du weißt , mein Kind , ich bekümmere mich sonst nur um anderer Leute Sachen , wenn man mich dazu auffordert . Diesmal aber gehe ich von dieser Regel ab und du wirst mir eine Frage erlauben . - Du warst vorhin bei der Becker ? « » Ja , « sagte Clara . » Da sahst du Herrn Arthur Erichsen ? - Er hat dich schlecht behandelt , wie die Becker sagte , denn er stürzte wie ein Wahnsinniger fort und du bliebst in Thränen zurück . Ja , in Thränen , « sprach sie heftiger , als Clara das verleugnen zu wollen schien ; » sie fließen noch , gestehe es mir , er hat dich schlecht behandelt . - Herr Gott im Himmel ! soll denn diesen Leuten Alles ungestraft hingehen ? « Damit schlug sie ihre feinen Handschuhe heftig zusammen . » Armes Mädchen ! Was kann man von dir Uebles denken ? - Du , die Beste von uns Allen ! - Nun , « fuhr sie sonderbar lachend fort , » das wäre gerade nicht zu viel gesagt , aber du , so gut und brav , daß sich sämmtliche Mädchen der Residenz ein Muster daran nehmen könnten ! - Sage mir um ' s Himmels Willen , Kind , was ist denn vorgefallen ? Gib mir Erlaubniß und ich setze ihm seinen Kopf zurecht . Ich will mit ihm reden . « » O nein , nein ! um Gotteswillen nicht ! « bat Clara . » Was es gab , das kann für jetzt nur in meinem Herzen verschlossen bleiben ; später will ich es dir vielleicht sagen . « » Später , wenn wohl Alles verloren ist , « entgegnete Therese wegwerfend . » Clara , du bist zu gut und zu eigensinnig ; es wäre mir eine Freude gewesen , einmal mit den Herren anzubinden , - denn , « fuhr sie mit entschlossenem Tone fort , » mit einem Andern aus der Familie habe ich ein sehr ernstes Wort zu reden . « » Ich bitte dich , liebe Therese , « versetzte Clara , » laß das gut sein . Glaube mir , ich danke dir für deine Theilnahme . Aber - über das , was er mit mir sprach , läßt sich kein Wort weiter verlieren . « Die Andere zuckte heftig mit den Achseln , warf den Kopf empor und sagte : » Du hast meinen guten Willen gesehen , und ich nehme dir auch gar nicht übel , daß du mich abweisest . Das magst daraus entnehmen , wenn ich dich versichere , daß ich zu jeder Zeit bereit sein werde , für dich einzutreten , - denn , « setzte sie mit sanfter , fast weicher Stimme hinzu , » ich habe dich sehr lieb , meine gute Clara . Wenn ich dich so ansehe , so denke ich mir immer : so hätte ich auch werden mögen . - Bah ! ' s hat anders kommen sollen , und ich halte mich noch immer viel zu gut für diese miserable Welt . « Damit legte sie ihre beiden Hände auf Clara ' s Haar , drückte einen langen Kuß auf deren kalte Stirne und war gleich darauf ebenso plötzlich verschwunden , wie sie gekommen war . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Marie hatte unterdessen den Tisch gedeckt , den Bruder und das fremde Kind daran gesetzt , Beiden einen weißen Lappen umgebunden , damit sie sich beim Essen nicht schmutzig machen möchten , und sagte nun mit sehr wichtigem Tone : » Jetzt ist die Suppe fertig ! Auch braucht Niemand mehr Salz dazu zu thun , denn ich habe zwei große Löffel voll hinein geworfen . « Fünfter Band Zweiundsiebenzigstes Kapitel . Mademoiselle Therese . Sobald es im Hause des Kommerzienraths Erichsen auf der großen Schwarzwälder Uhr Zwei schlug , erschien der alte Bediente mit dem Kaffee , und es war der Mann darin so pünktlich , daß ihn Arthur einmal antraf , Kaffeebrett und Tasse in der Hand , mit den Augen geduldig dem Lauf des Zeigers folgend , der noch circa eine halbe Minute bis zu der angegebenen Stunde zu laufen hatte . - Es hatte also heute zwei Uhr geschlagen , zu gleicher Zeit waren auch Bedienter und Kaffee erschienen , doch war es bereits halb Drei und Niemand von der Familie , selbst nicht einmal der Kommerzienrath , der sonst diesem Augenblicke sehnsüchtig entgegen sah , hatte daran gedacht , das Aufgestellte zu berühren . Die Kommerzienräthin saß in ihrer Sophaecke wie gewöhnlich , aber noch aufrechter und unbeweglicher als sonst . Mit den grauen und harten Zügen ihres Gesichts , aus denen die lange , spitze Nase drohender als je hervortrat , mit ihrem einfachen Kleide von einer Farbe , die ebenfalls in ' s Gräuliche spielte , hatte sie sehr viel Aehnlichkeit mit einer Versteinerung . Ja sogar ihre Augen hafteten fest auf einem Fleck in der andern Ecke des Zimmers , und ihre knöcherne Hand , die auf dem Tische lag , obgleich offenbar bereit zum Trommeln , hielt sich doch noch ruhig und hatte nur die Finger weit ausgespreizt . Marianne saß neben ihr in der anderen Ecke ; die Arme über die Lehne gelegt und die Hände gefaltet , den Kopf tief gesenkt , schien sie in ernste Betrachtungen versunken und sich gar nicht um die Anwesenden zu bekümmern .