lachen deih . Nei , weeten kann man ' t nich . « » Adieu Papa , und seht Euch vor . « » Wovor ? « » Vor ' m alten Sparr . « Er lachte und rief mir nach : » Nei , nei , de Sünn is joa noch an ' n Hewen . Un he kümmt nich an hell ' nlichten Dag 72 . « Es war , wie der Alte gesagt hatte , Prenden versteckte sich . Aber in einiger Entfernung drehte sich eine Mühle langsam im Winde . Dort mußt ' es sein . Und dort war es wirklich . Kaum , daß ich die Mühle passiert hatte , so stand ich abermals an einem jener vielen Taleinschnitte , die hier das Hügelland durchziehen , und sah , über die Kronen der unten stehenden Bäume hinweg , in Dorf Prenden hinein . Ich werde dieses Anblicks nicht leicht vergessen . Nach rechts hin dehnte sich ein stiller , graublauer See mit breitem Sandufer , während sich zur Linken ein durch Gartenland und bestellte Äcker hinplätscherndes Fließ in Wald und Wiese verlor . Dazwischen aber – dem Lauf des Tales nicht folgend , sondern die Längslinie desselben quer durchschneidend – lag das Dorf , auf seinen zwei höchsten Punkten Schloß und Kirche tragend . Die bunten Farben eines Herbsttages steigerten noch den Reiz des Bildes . Ich durchschritt das Dorf , um zuerst die jenseits gelegene Kirche nach ihren etwaigen Schätzen zu durchforschen . Konnte nicht Edell Sparr ein Marmordenkmal im hohen Chor oder Emerentia von Seestedt einen Denkstein vor dem Altar haben ? Die Hoffnung war gerechtfertigt , aber sie blieb unerfüllt , und ich habe selten einen freudloseren Platz betreten . Malerisch hatte mich die Kirche von der andern Seite des Hügels aus gegrüßt , nun erst sah ich , daß alles nicht viel anderes als eine Landschaftskulisse gewesen war . Das Innere kahl , der Kirchhof verödet , und kein Andenken erfindbar , als das eine , das sich der Feldmarschall selber gestiftet : zwei schöne Glocken , deren Inschriften unter einer Kruste von Schwalbenguano meiner Entzifferungskunst spotteten . Und so hatte ich denn Einblick in eine Kirche getan , deren gesamter Kunstschmuck ein zerbrochener Rest eines Altarschnitzwerks und deren historisches Glanzstück , außer den zwei Glocken , eine vereinzelte Kriegsdenkmünze vom Jahre 1813 war . Ich war enttäuscht , aber nicht verstimmt , denn Kirchhof und Kirche hatten als Musterstücke in ihrer Art zu mir gesprochen . Auch hatte ich bald der Öde vergessen , als die Dorfstraße mich wieder aufnahm . An hohen Stangen reiften die Saatbohnen für das nächste Jahr , und der eigentliche Baum an dieser Stelle schien der Holunderbaum zu sein , dessen schwarzrote Beerenbüschel über alle Zäune hingen . Diese selbst aber waren mehr in graue Flechten als in grünes Moos gekleidet und der Rauch stieg langsam und mühevoll auf , als läg ' ein Druck auf allen Dächern . So kam ich an den diesseitigen Krug , genau die Stelle , wo vordem die Einfahrt in den Schloßhof war . Die Krügerin berichtete mir ähnliches , wie der alte Reisigsammler , und fuhr dann , indem sie mich plaudernd an die Kirchentüre führte , fort : » Hier links und rechts waren die Karpfenteiche , soweit das Kohlfeld reicht , und weiterhin , wo Sie den Türkischen Weizen sehen , da fing der Obstgarten an . Dies hier herum war Hof . Mein Mann hat es gekauft : Krug und Schloß und Garten , und alles was auf und in der Erde ist . « Auf meine Frage , » ob viel in der Erde sei « , antwortete sie zustimmend und erzählte mir , daß nicht nur der Ziegenstall des alten Reisigsammlers , sondern auch die Wirtschaftsgebäude des Krügers aus dem bequemen Steinbruch des ehemaligen Sparrenschlosses gebaut worden seien . Ich trat nun in den Garten , um die Reste , die bis dahin der Spreng- und Grabekunst der Prendener gespottet haben mochten , in Augenschein zu nehmen . Anfangs empfing ich nur den Eindruck einer unentwirrbaren Masse , bald aber fand ich mich zurecht und konnte mit Hilfe der nach zwei Seiten hin völlig intakt erhaltenen Fundamente die Grundform des alten Schlosses unschwer verfolgen . Es scheint ein Gebäude von fünfzig Fuß Länge und halb soviel Tiefe gewesen zu sein , an das sich nach der Hofseite hin ein Turm , wahrscheinlich der Treppenturm , anlehnte . Die schön gewölbten Keller sind noch teilweis im Gebrauch , ja , bis vor kurzem ließ sich das ganze Souterrain durchschreiten , und Küche und Waschküche ( mit dem eingemauerten Kessel ) waren unverkennbar . Die Festigkeit dieser Grundmauern ist ihre Rettung gewesen , und ist es noch , sonst würden auch sie bald verschwunden sein , um als Stallgebäude wieder aufzuwachsen . Ein bescheidenes Maß von Schutz mag ihnen auch der Umstand gewähren , daß sie hoch mit Erdreich überschüttet sind , so daß Birnbäume darauf wachsen und Hagebuttensträucher eine Art lebendiger Hecke bilden . Ich pflückte mir einen Zweig , an dem bereits die roten Beeren hingen , und steckt ' ihn an den Hut . Und als ich bald darauf wieder auf der Höhe des Hügels stand und noch einmal in das verschleiert daliegende Dorf zurückblickte , das jetzt , bei niedergehender Sonne , in wunderbaren Farben schwamm , klang , von der andern Hügelseite her , die Betglocke zu mir herüber . Es war eine der alten Sparren-Glocken , und es klang mir , als riefe sie mir einen Gruß nach und einen Dank für freundliches Gedenken . Und nun trat ich , weiterschreitend , in den dunkel gewordenen Forst und die Fichtenkronen neigten sich tief im Abendwind . Ein Rauschen ging voll und wachsend durch den Wald . Ich zuckte zusammen , halb in Lächeln und halb in Bangen , und murmelte vor mich hin : » Sparr kümmt , – man kann et nich weeten . « Lichterfelde Lichterfelde Sein