länger darin wandeln mag ! ( » Ueberdruß an zu vielem Licht « - Lucinden fiel ein Schlaglicht - auf den gefangenen Klingsohr . ) Sie tadelt die kölner Handwerksmäßigkeit in der Uebung des Priesteramts . Auch die Sünden der Leidenschaft fehlten nicht und doch wolle man daselbst » die Ehre der Heiligkeit ohne Anstrengung « gewinnen . Sie vermißt das reine Feuer und den Duft der Lieblichkeit ... Das Gemurmel wurde so groß , daß der Außerordentliche sich dem Beifall anschließen mußte und sogar für die Bemerkung : Und vergessen Sie nicht , gnädige Frau , daß die Heilige selbst in Köln gewesen ist ! Beifall erntete ... Um so mehr also ! ergänzte Monika . Und sollte man nicht glauben , daß sie schon die Neigung der Kölner für Männergesang und Carneval gekannt hat , wenn sie - ich bitte die lieblichen Sänger von vorhin um Vergebung - sagt : » Ihr aber seid schon durch jeden fliegenden weltlichen Ruhm überwunden , sodaß ihr euch sogar als singende Possenreißer hinstellt ! « Bravissima ! rief glücklicherweise das ganze Quartett selbst ; es war vom Erfolg seiner Lieder im höchsten Grade befriedigt ... Moppes gab das Signal ... Monika sprach auch so lächelnd , daß sie nicht verwunden konnte ... Ihre grauen Locken hatten etwas so lieblich Elegisches , daß jeder entwaffnet war ... Terschka freilich wurde immer unruhiger und wechselte wieder Blicke mit Lucinden , die aufs neue durch Nück ' s Stimme erschreckt wurde ... Und die Kaufleute ! Die Kaufleute ! rief Nück , gleichsam den Uebermuth der Kaufleute , die hier so viel auf Kosten anderer lachten , strafend ... Sie spricht nur von der Geistlichkeit ! fuhr Monika fort . Die Pfründen wirft sie ihnen ' vor , wenn sie sagt : » Wegen eures Reichthums unterweist ihr eure Untergebenen nicht und gestattet nicht einmal , daß sie bei euch Belehrung suchen , indem ihr sprecht : Alles können wir nicht ausrichten ! « Wiederum ein schallendes Gelächter ... Selbst der Kanonikus war vom Spieltisch vorgekommen , zog in dem allgemeinen Jubel seine Dose und fand die Moral auch jetzt im höchsten Grade noch anwendbar . Denn wie oft war nicht gerade erst kürzlich bei der Ernennung eines so jungen Domherrn , wie Bonaventura , in der engeren Curie gesagt worden : » Alles können wir nicht ausrichten ! « ... Die Commerzienräthin stand in der Nähe . Sie war vielleicht die einzige , die nicht wußte , wovon die Rede war , aber sie lachte mit , da sie den Kanonikus lachen sah . Ich will die dann folgenden Rügen gegen die mangelnde Sittlichkeit der kölner Geistlichen nicht wiederholen ! fuhr Monika fort . Auch sind mir die Ausdrücke entfallen . Nur die ganz besonders überraschenden , die ich noch kürzlich las , weil meine Reise mich auch nach Köln führen soll , prägte ich mir mit Vorliebe ein . So macht sie der kölner Geistlichkeit den Vorwurf der diplomatisirenden Nachgiebigkeit ... Aha ! murmelten die Fanatiker ... Das Predigen und Lehren , das starke Zeugen für Gottes Gesetz wäre dort nicht an der Zeit mehr ! Aha ! Aha ! Ja , daß die Heilige dann den Kölnern die Reformation prophezeit , ist allbekannt ... Wie ? fragten die Ghibellinen staunend ... Unter den Welfen verbreitete dies Stichwort sofort eine ängstliche Stille . Terschka winkte Monika ... Aber sie fuhr fort : Nein ! Nein ! Fürchten Sie nichts ! In diesem Punkt ist die heilige Hildegard so beschränkt wie die Nonne von Dülmen und wahrscheinlich auch wie - die » Seherin von Westerhof « ... Terschka wurde immer unruhiger und sprach mit seinen flammenden Augen : Mäßigung ! Mäßigung ! Trotz des Schweigens , das nun eintrat , fuhr Monika fort : Wo ist jetzt wol eine Ekstatische , die so den Papst , die Erzbischöfe , die Domherren und Priester strafte , wie diese Aebtissin ! Aber leider - in Einem war sie schwach . Sie lebte in einer Zeit , wo es der Ketzer schon genug gab , in einer Zeit , wo man die Albigenser und Waldenser in Frankreich und in den piemontesischen Thälern mit Feuer und Schwert vertilgte . Die Glaubensgerichte konnten nur den ketzerischen Lehren , aber bekanntlich nicht den vortrefflichen Sitten der Ketzer beikommen . So ergibt sich Hildegard in diese Gewißheit , daß auch die künftige große Reaction gegen die kölner Geistlichkeit zwar vom Teufel ausgehen , aber ein außerordentlich klug gewähltes Gewand tragen würde . Sie sagt , das Volk würde diesen gemäßigten , in Zucht und Ehren lebenden neuen Predigern allerdings anhängen . Der Teufel stünde mit verborgenem Leuchter , daß man ihn nicht sehen könne , und spräche : Ha , ha ! Da glauben sie immer , ich müßte in Gestalt von Thieren , von Drachen oder von Fliegen kommen ! Aber ich mache mich auch einmal den Propheten » ein wenig ähnlich ! « Nun will ich machen , daß man tugendhaft nicht blos scheinen , sondern auch sein kann und doch nicht in Gott lebt ! Und ehe man noch über die Schärfe dieser Reden sich sammelte , wiederholte Monika : Tugendhaft sein , nicht etwa blos scheinen , sondern sein , und doch nicht von Gott stammen ! Monika wollte die Verurtheilung dieser Verblendung . Aber der Außerordentliche rief : Das ist ja ein erhabenes Wort ! Das ist ja die Selbstherrlichkeit Ihrer Philosophie ! Trefflich ! Trefflich ! Darin findet die Heilige die künftige Hölle der kölnischen Geistlichkeit ! Die scheinbare Logik der Kirchenverbesserung ist es ja , die scheinbare Tugend ihrer Bekenner , die scheinbare Aehnlichkeit mit den Propheten , die scheinbare Größe der , wie man sich rühmt , reiner erkannten Schrift , dies ewige Frösteln in der gemäßigten Temperatur des Rationalismus , das zu sehen , das der Menschheit genügend finden zu sollen , ja allerdings das kann und muß für jede rechtgläubige Seele schon auf Erden die Hölle sein ! In ein