den jungen Wallnußbuam hinaufzuklettern ; ehe ich aber noch aufstehen und ihm folgen konnte , war das Thier bereits zur Stelle und hob sich an den Hinterfüßen an dem Baum empor . Sie können denken , daß dies nicht wenig dazu beitrug , die Schnelligkeit meines Vetters zu vermehren , der mich so kläglich im Stiche ließ . Meine Lage war in der That schlimm genug , denn jede Bewegung mußte sofort die Aufmerksamkeit der Bestie aus mich ziehen . Der Bär gab auch bald den Versuch auf , den Baum zu erklettern , wahrscheinlich , weil er mit seiner zerschossenen Pranke nicht fort konnte , und er wandte sich nun gegen mich . In diesem Augenblicke , Gott allein weiß es , wo ich ganz rath- und hilflos war , fuhr mir plötzlich die oft gehörte Erzählung durch den Sinn , daß der Bär nie einen todten odemlosen Menschen berühren soll , und indem mich das Thier bereits mit der Schnauze anstieß , beschloß ich , mich todt zu stellen und hielt den Athem an . Die Bestie stellte sich nun quer über mich und begann mich von oben bis unten zu beschnüffeln . Ich konnte , indem ich die Augen geschlossen hielt , den heißen Athem des Thieres und seine feuchte kalte Schnauze auf meinem Gesicht fühlen , und mir mit Anstrengung aller Willenskraft gelang es mir , die Augen geschlossen zu halten . Schon fing die Kraft , den Athem zu halten , an , mir auszugehen , als ich mich plötzlich von der gesunden Tatze der Bestie gestoßen und mich um und um gerollt fühlte . Dies wiederholte sich mehrere Male , bis mir die Luft völlig ausging und ich es nicht länger auszuhalten vermochte . Ich öffnete daher zugleich Mund und Augen und sah mich zu meinem Entsetzen dicht am Abhange des Felsens , der hier in einer fast senkrechten Wand wohl über 50 Ellen tief in eine Schlucht fiel . Das boshafte Thier hatte , keinen Athem an mir spürend und dennoch mißtrauisch , versucht , mich mit seiner gesunden Tatze an den nahen Abhang zu rollen und gab mir eben den letzten Stoß , der mich hinunter werfen sollte . In der Todesangst faßte ich zu und ergriff im Fallen glücklich die wunde Klaue der Bärin . Der Ruck meines Falles war so heftig , daß ich meinen dicht am Abgrund stehenden Feind mit hinunter riß und er nur noch Zeit hatte , sich mit der rechten gesunden Klaue an einer vorlaufenden Wurzel des Randes festzuklammern . Er brüllte grimmig vor Schmerzen in dem wunden Bein , an dein ich mich festhielt , und versuchte vergeblich , nach mir zu schnappen , oder mit seinen Hinterfüßen an der glatten Felswand einen Halt zu fassen ; während dem gelang es mir , mit den Beinen und Armen den Rücken des Bären zu umklammern , und so einen bessern Halt zu gewinnen . Ich rief Weliko aus allen Kräften zu , mir zu Hilfe zu kommen , sah ihn aber nur von dem Wipfel seines Baumes herunterrutschen und hörte ihn dann eilig davonlaufen , ohne auch nur den geringsten Versuch zu machen , mir in meiner gefährlichen Lage beizustehen . Der Bär bemühte sich nun , mit seiner linken Pfote gleichfalls den Felsrand zu fassen , doch ließ ihn der Schmerz der zerrissenen Muskeln nicht dazu kommen . Dagegen sah ich , daß seine Kraft unmöglich lange die doppelte Last an einer Tatze würde tragen können und glaubte uns Beide in wenig Augenblicken schon zerschmettert auf dem Grunde der Schlucht . Meine Augen rollten in der verzweifelten Lage hilfesuchend umher , als sie plötzlich etwa 6 Fuß unter mir und etwas zur Seite auf einen dort aus der Felsenritze hervorgewachsenen , jedoch vom Sturm wenige Fuß über dem Boden abgebrochenen jungen Baum fielen . Ich begriff im Augenblick , daß hier die einzige Möglichkeit der Rettung lag , und ohne mich weiter zu bedenken , ließ ich mich an dem Körper des strampelnden und arbeitenden Thieres hinunter gleiten . Während ich den nach der Seite des Baumes hin gerichteten Hinterfuß umklammert hielt , suchte die Bestie mich mit dem anderen von sich abzustreifen und riß mir dabei mit der Klaue das linke Ohr vom Kopfe , verletzte mich auch sonst im Gesicht und an den Armen , daß meine Kleidung ganz zerfetzt war , und das Blut aus vielen Wunden und Schrammen herausfloß . Dennoch gelang es mir , mit meinem Fuß den Stamm des Bäumchens unter mir zu erfassen und , mich allen Märtyrern empfehlend , ließ ich den Bären los und mich rittlings auf den neuen Stützpunkt niedergleiten . Der Stamm war glücklicher Weise zähe und fest genug , um den Stoß und meine Last zu tragen , und ich fand mich auf ihm reitend in einer , wenn auch nicht sehr bequemen , doch wenigstens vorläufig gesicherten Lage . Ich schaute nun nach meinem Feinde hinauf und bemerkte bald , daß , obschon von meinem Gewicht befreit , seine Kraft doch nicht mehr zureichte , ihn länger zu halten . Nach einem letzten verzweifelten Versuch , empor zu klimmen , ließ die Tatze los , und der Bär stürzte dicht neben mir und mich im Falle berührend , in den Abgrund , aus dessen Tiefe sein Aufschlagen dumpf emporschallte . Gott gab es , daß ich mich in dem verhängnißvollen Augenblick fest an meinen Sitz geklammert hatte , so daß mich die streifende Masse nicht aus dem Gleichgewicht brachte . So war ich nun zwar meines grimmigen Feindes los , doch meine Lage wahrlich nicht um Vieles besser ; denn vom Blutverlust und von der Angst ermattet , saß ich hier zwischen Himmel und Erde auf einem schwankenden Baumstamm , der jeden Augenblick nachgeben konnte , und ohne fremde Hilfe war es mir unmöglich , den Felsenrand zu gewinnen , der mehr als fünf Ellen über mir lag . « » Der lose Mund der Weiber hat Dir also mit Unrecht nachgesagt