um diese ihr ganz ungeläufigen Koketterieen einer doch mechanten Nebenbuhlerin fort , Sie können sich wol denken , wie ich mich geweigert habe . Aber es half nichts . Eh ' ich mich versah , waren mir diese Kleider über meine gewöhnlichen kattunenen - wie Sie Alle sehen können -übergezogen - das Haar verdeckte die Kapuze . Sie selbst nahm den rothen Anzug - und so huschten wir über den Hof , nahmen einen Fiaker und hier kauften wir die Masken . So bin ich hergekommen und denke mit Schrecken an Mamsell Florentinen auf dem alten Markt , die wegen ihrer Kleider zur Polizei gehen wird . Sie soll ihre Schulden bezahlen ! sagte Heinrich Sandrart und schlug mit dem Glase auf den Tisch , daß es fast zerbrach , zog wieder sein Portemonnaie und wollte nun auch all ' das Essen bezahlen , das immer während des Trinkens und Erzählens genossen wurde . Jeannette aber litt diese Großmuth nicht . Sie warf Neumann einen Wink zu , der sich dann in die Brust warf und sich den Wirth der Gesellschaft nannte . Indem er aufstand und etwas langsam berechnete , während der Sergeant schon zahlte , kamen die Jockeys und flüsterten dem Kutscher etwas in ' s Ohr . Jetzt dran ! sagte er mit brutalem Ton . Was ist ? fragte der junge Soldat ... Wir wollen die Rothe suchen , sagte Jeannette , die die geheimen Zeichen verstand . Steht auf , Kinder , der Tanz fängt wieder an . Es schlägt drei . Bis fünf bleiben wir da , nicht wahr , Fränzchen ? Siehst du , daß die Welt viel lustiger ist , als du dir ' s in deinem Hinterhof eingebildet hast , Närrchen . Gieb mir einen Kuß und ängstige dich nicht um mein Bett ... ich ziehe nicht zu dir ! Damit wußte die Schlaue es so zu wenden , daß sie zwischen das sich plötzlich erleichtert fühlende Fränzchen und Heinrich Sandrart kam und diesem ihren linken Arm zugeschoben hatte , er wußte nicht wie . Sie hatte Fränzchen am rechten Arm . Da es beim Eintritt in den Saal wieder sehr eng wurde , war sie des Sergeanten Tänzerin zu seinem eignen Erstaunen und , wie es schien , unangenehmstem Befremden . Noch merkte man nicht , daß sich die zum Tanze antretenden Paare lichteten . Der Garten mochte leerer sein , aber hier unter den drei mächtigen Kronenleuchtern und oben in den überfüllten Logen ringsum , wo die feinere Gesellschaft tafelte , verrieth nichts die Annäherung des Morgens , der sich mit einer sanften Röthe in Osten schon ankündigte . Fränzchen hatte nach einer Tour in der Runde wieder Sandrart am Arm . Jeannette huschte in den Garten ... Oben auf der » Sternwarte « ließ sich das neuerdings wieder zusammenströmende Gewühl nun am besten unterscheiden . Dort saßen Mullrich und Kümmerlein auf kleinen Sesseln und schauten schlaftrunken in den Saal hinab . Zuweilen kam Pax , um Neues , besonders über Signalement Nr. 2 , die schwarze Binde , wie er sie nannte , zu hören . Dann wieder schickte Frau Katharina Peters aus ihren unerschöpflichen Bier- und Punschvorräthen eine Stärkung hinauf , die ihnen einmal sogar Peters selber bringen mußte . Sie wollte durchaus , daß er sich in seine neue Laufbahn fände und sich mit so wichtigen Personen befreunde , die er sehr oft auf ihr antreffen mußte . Was machen denn Ihre Thüringer ? sagte Kümmerlein etwas spitz . Man sieht ja Herrn Peters jetzt immer nur drüben in Loge Nr. 13 unter den Offizieren ; sind die Landsleute doch im Garten nicht vergessen ? Peters antwortete gleich lieber gar nicht , um nicht ausfallend zu werden . Soviel konnte er aber doch nicht hinunterschlucken , daß er die Bemerkung hätte verschweigen sollen : Lieber schon wär ' mirs , es ginge diese verfluchte Treppe nicht erst in den Tunnel und ich könnte gleich in Nr. 13 von hier hinüber , wo meine Thüringer mit den Offizieren sitzen . Die Agenten , die um fünf Uhr etwas mit Thüringern vorhatten , lehnten sich über die Brüstung und versuchten in Nr. 13 zu sehen . In der That waren Dankmar und Siegbert nach ihrem langen , stillen und traulichen Zwiegespräch , wo der Ältere über die Abenteuer des Jüngern fast sprachlos staunen mußte , eben , wie sie nach Hause gehen wollten , von den neuankommenden Offizieren und vielen andern Bekannten , zu denen jetzt auch Reichmeyer und Heinrichson gehörte , so zu sagen aufgegriffen und in die Loge Nr. 13 , die geräumigste und comfortabelste , zu einem dort veranstalteten Bankett fast gewaltsam entführt worden . Erst waren sie auf der Gartenbank , trotz des sie umgebenden Geschwirres von Dankmar ' s Erinnerung an Hohenberg so gefesselt , daß ihnen Stunde auf Stunde verlief . Nun wollten sie , doch leidlich getröstet über das viele Widerwärtige , was sie an diesem Tage und Abende verlebt hatten , sich zur Ruhe begeben und nun zwang sie Heinrichson , der den höchst Gefälligen , höchst Liebenswürdigen machte , zu bleiben und in den scheinbar genialen Ton , den er anstimmte , mit einzustimmen . Sie thaten ihm den Gefallen , aber widerstrebend . Ihre Anwesenheit hatte jedoch in der Loge schon den Erfolg , daß bei der Abstimmung über die Frage , ob man die hübschesten Mädchen aus dem Tanzsaale in die Loge mit hinaufnehmen wollte , die Minorität zur Majorität erhoben und mit 15 gegen 13 Stimmen den von Aldenhoven und Heinrichson beantragten Vorschlag eines sabinischen Mädchenraubes oder einer Razzia , wie Aldenhoven sagte , zur Niederlage brachten . Das Gespräch beschäftigte sich also mit dem einzigen Thema , das sich hier verhandeln ließ : Frauen und Politik , ohne daß die Ersteren daran Theil nahmen . Aber es wäre doch vielleicht besser gewesen , sie zuzulassen ; denn der Streit über die zweite würde dann weniger heftig geworden sein . Es flogen die spitzesten Pfeile ,