eilte in das Haus . Die schwarze Kleidung des Dieners sagte ihm Alles . Er fragte nach den Frauen . Man wies ihn nach dem Gartensaale . Seba und Davide saßen bei dem Frühstücke . Als Paul in die Thüre trat , fuhren sie beide erschreckend auf . Man hatte ihn so früh nicht zurückerwarten können . Mehr als drei Jahre waren vergangen , seit sie einander nicht gesehen hatten . Mitten in der Lust eines Festes war er von ihnen gegangen , nun fand er sie im Hause des Todes in tiefer Trauerkleidung wieder . Ich komme zu spät ! - das war alles , was er sagte . Seba gab ihm nur mit leiser Neigung des Hauptes Antwort . Ihr fehlte die Kraft zum ruhigen Worte , und sie wollte ihren Schmerz durch lauten Aufschrei nicht entweihen . Er nahm sie an sein Herz , er küßte ihre Stirn , ihren Mund , er ließ sie weinen , und sie weinte so sanft , so still , als wisse sie sich nun sicher und geborgen vor allem Unheil . Als sie sich , seine beiden Hände zuversichtlich drückend , emporrichtete , trat er an Davide heran , und jetzt erst , da er aus Daviden ' s hellen Augen die Thränen auf die Wangen niederrollen sah , fingen auch die seinigen zu fließen an . Liebe Davide ! rief er leise , aber es bebte eine unaussprechliche Bewegung durch sein Herz und ein beseligendes Feuer durchströmte sein ganzes Wesen . Er hatte ihre Hände ergriffen und blieb schweigend , in ihren Anblick versunken , vor ihr stehen . Wie oft , wie oft hatte er an sie gedacht , wie oft hatte er sie vor sich gesehen wie an dem Abende , an dem er sich auf dem Balle von ihr getrennt hatte ! Nun war er wieder da , und sie stand vor ihm - dieselbe wie sonst , und doch so anders und so viel schöner , als er sie je gedacht ! Liebe Davide ! wiederholte er noch einmal , und sie lehnte sich freiwillig an seine Brust , und er fühlte , wie ihre Lippen leise das Eiserne Kreuz berührten , das er auf derselben trug . Mit einer Glücksempfindung , deren er das Menschenherz nicht für fähig gehalten hatte , schaute er in ihr Antlitz , in die Augen , die sich voll sehnsüchtiger Liebe zu ihm erhoben ; aber war es die Achtung vor dem Schmerze Seba ' s , war es ein Zartgefühl , welches ihn hinderte , sich in dem Hause der Trauer einer Freude hinzugeben , oder war es das Bewußtsein , daß dieses schöne Wesen aufhören werde , für sich selber zu bestehen , sobald er es sich angeeignet habe , er vermochte nicht , es in seine Arme zu schließen . Er war befriedigt durch Daviden ' s bloßen Anblick , beruhigt durch ihre lang entbehrte Nähe und voll großer Freude durch die feste Ueberzeugung , daß zwischen ihr und ihm gar nichts zu sagen sei , daß lautere Klarheit zwischen ihnen herrsche und Einer sich der Liebe des Andern , obschon nie ein Wort davon gesprochen worden , so völlig sicher fühle , wie der unzerstörbaren Gemeinsamkeit ihrer ganzen Zukunft . Er drückte und küßte ihre Hand , dann gehörte er wieder Seba an , und Davide verstand ihn ohne Worte . Es verging eine geraume Zeit , ehe sie zum rechten Sprechen kommen konnten . Sie mußten sich erst darein finden , daß sie nicht mehr zu Vieren , daß sie nur ihrer Drei in diesem Saale , an diesem Tische bei einander waren . Die verheerendsten Kriege , der Tod von Millionen Menschen , der Sturz der Mächtigen und der Sieg der Gebeugten hatten nichts geändert in diesem stillen Raume . Die chinesischen Blumen auf der Tapete hatten ihre Farben voll bewahrt , die fremdartigen , gemalten Vögel guckten mit ihren starren Augen noch gerade so wie vor dem Kriege von der Decke des Gartensaales herab . Das silberne Theegeräth , die Tassen von sächsischem Porzellan , sie waren für Paul wie für Davide mit ihren schönen Frucht- und Blumen-Zierrathen in ihrer Kindheit Gegenstände der höchsten Bewunderung gewesen , standen wie seit Jahren und Jahren auf der weißen Damastdecke , und doch war das alles nicht mehr dasselbe . Denn des Vaters große Tasse nahm nicht mehr die alte Stelle in der Mitte der Geräthschaften ein , man hatte sie fortgetragen , wohl verwahrt , weil der Vater sie nicht mehr brauchte , weil der Vater nicht mehr da war , weil zwei gute Augen sich geschlossen hatten für immerdar . Kommt , rief Seba endlich , sich zum Frühstückstische wendend , kommt , Paul hat es nöthig , etwas zu genießen ! - Aber es fehlte das Gedeck für ihn . Gib ihm des Vaters Tasse ! sagte Seba . Davide holte sie aus dem Eckschranke herbei . Dem Hausherrn ! stand darauf . Dem Hausherrn ! sagte Seba kaum hörbar , während sie mit bebender Hand die Tasse vor dem Heimgekehrten niedersetzte , und allen Dreien stürzten bei dem Anblicke dieses unscheinbaren Geräthes die Thränen aus den Augen , und in allen Dreien stieg sie noch einmal empor , die uralte Klage , daß des Menschen Dasein dahinfährt wie ein Traum und ein Schlaf , daß des Menschen Leben vergänglicher ist , als die vergänglichen Dinge und die zerbrechlichen Geräthschaften , die er geschaffen und deren er sich bediente . Es kam Paul vor , als sei erst jetzt sein alter Freund gestorben , da man für ihn die Tasse reichte , aus welcher , so lange Jener gelebt , nie ein Anderer getrunken hatte . Er fühlte es in diesem kleinen Zeichen sinnlicher , deutlicher , als in all den Tagen , daß er jetzt das Haupt der Familie sei , in welcher er Schutz und Liebe gefunden , seit er denken konnte , und mit einem schmerzlichen , aber ihn