solchen Gesellschaften sobald nicht wieder zu nähern . Sandrart schenkte aufs neue die letzten Reste seines Excesses ein und rief : Also der alte Franzose klingelte .... Nein , nein , sagte Fränzchen Heunisch , nicht der ! Ein Andrer - ? fiel der Sergeant ein und rückte näher und legte ermuthigt den Arm auf die Stuhllehne Fränzchens , indem er ihr weingeröthet in die braunen brennenden Augen sah . Genug , genug ! unterbrach ihn Jeannette , die schon merkte , daß der Sergeant mit Fränzchens Verhältnissen völlig unbekannt war und vielleicht nicht einmal wußte , wo sie wohnte ; es klingelte also Wallstraße Nr. 14 , wo ich künftig auch wohnen werde ... Du ? fragte Fränzchen , erstaunt über diese scharfbetonten Worte . Ja , Fränzchen , antwortete Jeannette , ich werde Gelegenheit nehmen , so lange bei meiner Freundin Franziska Heunisch , Wallstraße Nr. 14 zu wohnen , bis meine Angelegenheiten geordnet sind - Diese Erklärung , in scharfen Worten vorgetragen , erregte allgemeines Erstaunen und bei Niemandem mehr als bei Fränzchen ... Dein Zimmer ist klein , - schadet nichts - ein Bett stellt sich schon noch hin und - Aber Jeannette ... Mein voller Ernst ... ich spreche mit den Märtens Wallstraße Nr. 14 ... Fränzchen konnte sich nicht fassen , so überrumpelte sie dieses verschmitzte Mädchen , dem sie sich von früher gewohnt war , gehorsam unterzuordnen . Aber die Rothe ! Die Rothe ! hieß es . Wer ist ' s ? Sandrart merkte sich , mit einem dankbaren Blick auf die wilde Jeannette , die Adresse des Mädchens , in das er wie verloren war und dem zu Liebe er , ein wohlhabender Bauernsohn , zu rechnen anfing , ob er wol noch zwei Thaler aus dem Unterfutter hervorziehen sollte ... Die Menschen sprechen vom Verschwenden ! Die Gerechtigkeit zwingt uns aber einzugestehen , daß sich alle Dinge in der Welt , selbst die bösen , nicht immer sogleich ganz böse machen . Ja , sagte Fränzchen kleinlaut über die schreckliche Aussicht , an diese Jeannette in ihrer bisherigen bescheidenen Existenz geknüpft zu werden , ja es klingelte . Ich dachte , es wäre - unser Miether . Ich ziehe mich an und gehe hinunter . Wen find ' ich ? Eine Freundin , die ich nicht nennen kann . Sie machte sonst Putz mit mir auf dem alten Markt bei der Florentine . Franziska , du mußt mit mir auf den Fortunaball gehen , rief sie . Komm nur ! Komm nur ! Ich weiß , du kannst helfen . Damit zog sie mich durch den Hof , an der Werkstatt vorbei , in mein Kämmerchen hinauf , das sehr eng ist , sehr eng , liebe Jeannette - O man richtet sich ein - ich will nur bei soliden Leuten wohnen . Wallstraße Nr. 14 , im Hofe zwei Treppen hoch ! Damit sah Jeannette wieder Sandrarten scharf an -dieser nickte glühend , er hatte schon dem Kellner zugeflüstert , eine zweite Flasche zu bringen ; Fränzchen fuhr fort : Wie wir oben waren , weinte sie und jammerte . Sie müsse auf den Fortunaball , schrie sie . Sie müsse wegen eines Menschen da sein , der ... Wegen Hackert ? fragten Einige durcheinander , die am Tische saßen und immer noch an Fräulein Melanie dachten . Fränzchen , Fränzchen , halt ' dich an die Wahrheit , sagte Jeannette , es war Melanie - Neumann weiß es ganz genau ! Neumann war im Hofe und fand da etwas nicht in Ordnung . Der Thorweg ging einmal leise von innen auf . Es schlich sich Jemand vom Hofe fort .... Jeannette ! Schäme dich ! rief Fränzchen ; das vornehme Fräulein ! Abscheulich ! Wie kann man so verleumden ! Hm ! hm ! hm ! ... sagte Jeannette mit Bosheit . Sie ist jetzt verschwunden die Rothe , seit sie mich entdeckt hat . Nein , fuhr Fränzchen entrüstet fort , meine Freundin heißt Louise und Der , den sie suchte , den kenn ' ich nicht . Fränzchen , sagte sie , ich bin arm und du bist es , wir haben keine Kleider , um auf den Fortunaball zu gehen . Aber unsre Armuth kommt auch daher , daß Die , die von uns leben , uns nicht bezahlen . Ich wußte , daß du diese kostbaren Kleider für die Florentine nähst . Ich sah selbst , daß Florentine sie dir zum Besetzen einhändigte , als ich bei ihr war und das aufgeblasene , abscheuliche Weib , die mit fremdem Gelde ein Geschäft etablirt , um die mir nun seit drei Jahren schuldigen fünfzehn Thaler mahnte . Sie zahlt nie . Diese Kleider sind für den Verkauf in ihrem Laden bestimmt . Ich verlange sie von dir ! Hier ist Florentinen ' s Schuldschein und nun Muth , Franziska , mein ist dieser rothe und dein ist dieser blaue Anzug ! Bravo ! rief die ganze Gesellschaft , ohnehin entzückt von der zweiten Flasche , die inzwischen ankam , und klatschte in die Hände . Der Spaß , so zu einer Garderobe zu kommen , gefiel allgemein . Das nenn ' ich resolut - So muß man Schulden eintreiben ! Louise soll leben ! Holt die Rothe ! Sie muß Champagner trinken ! Sandrart sogar , der sonst gesetzte und ruhige Sergeant , rief in seinem Wirbel und alle Bedenklichkeiten seines sonst sittsamen und vor dem strengen Vater im Ullagrunde sich fürchtenden Gewissens hinunterspülend : So commandirt ein General , wenn er sich in aller Kürze in schwieriger Position zu helfen sucht ! Napoleon sagte : En avant ! Und diesem Manöver verdanken wir unser liebenswürdiges Fränzchen Heunisch Wallstraße Nr. 14 auf dem Fortunaball ! Hurrah ! Jeannette blinzelte dem gebildeten Sergeanten , der eben französisch gesprochen hatte und sagte ihm augenzwinkernd , als er ihr einschenken wollte : Comment vous portez vous , Musje ? Sie können sich wol denken , fuhr Fränzchen unbekümmert