als daß ich ihr helfen sollte durch das Verderben Anderer . - Sie wundern sich über meinen persönlichen Eifer . Nun wohl denn , wenn Ihnen die Entrüstung eines Edelmanns über das Unrecht , das man einer edlen Frau anthut , nicht Grund genug ist , so habe ich keinen , unter so nahen Freunden zu verschweigen , daß meine Achtung und Bewunderung für Madame Lupinus mich nach dem Tode ihres Gatten trieb , um ihre Hand zu werben . Ich sprach es noch nicht aus , um ihre Gefühle zu schonen , aber schon bei einer bloßen Annäherung kam sie schonend , doch mit einer Würde mir entgegen , die alle meine Hoffnungen zurückwies . Sie gehöre dem Todten wie einem Lebenden an , und nichts dürfe sich zwischen sie und diese heilige Erinnerung drängen . Brauche ich Ihnen zu sagen , wie ich diese heilige Empfindung verstand und ehrte , da Jeder von Ihnen weiß , daß ich seitdem ihr Haus nicht mehr betrat . Und diese Frau wagt man zu beschuldigen , daß sie Hand gelegt an das theure Haupt ihres Verewigten ! Diese Mittheilungen bin ich dem Kriminalgericht schuldig . Ich werde sie machen und zum Richter sprechen : Untersuchen Sie streng , das ist Ihre Pflicht , aber erlauben Sie mir auch , eine moralische Ueberzeugung vor Ihrem Stuhle auszusprechen . Möglich ist Alles , aber nur Die , welchen die Sünde in ihrem ersten Stadium , im Argwohn und Neid gegen die Besseren und Glücklichen , genaht ist , werden die Beschuldigung aussprechen , sie werden ein Behagen daran finden sie zu glauben , eine edle , reine Seele wird die Worte ausrufen , welche mir vorhin ins Ohr klangen : Wenn sie eine Giftmischerin ist , gütiger Gott , was sind wir dann Alle ! « Der Eindruck der Rede war groß . Er hatte seinen Hut ergriffen , sich gegen die Gesellschaft verneigt , am tiefsten gegen Madame Braunbiegler . Die Gesellschaft verstand die Bedeutung . Trotz des allgemeinen Schauers , trotz der Unruhe des Aufsbruchs , denn die Meisten nahmen Abschied , bewunderte man den ritterlichen Mann , welcher so der Ehre einer Frau sich annahm , die ihm den Korb gegeben ! Und seine hohe Gestalt , sein tiefglühendes Auge unter einer Stirn , die sich im edlen Zorn immer höher zu wölben schien ! So hatte man ihn nur gesehen , als er im Hause der Obristin als Retter auftrat . Niemand schien vergnügter als Baron Eitelbach , er hätte , als Beide im Vorzimmer sich begegneten , dem Legationsrath um den Hals fallen können : Seine Frau übernahm es statt seiner . Eine Thräne glänzte in ihrem schönen Auge , als sie , vom Arm ihres Mannes sich losmachend , ihre Hände auf seine Schultern legen und , auf den Zehen sich erhebend , einen Kuß auf seine Stirn hauchte : » Eine schöne That verdient eine Belohnung . Eigentlich , daß Sie ' s wissen , habe ich Sie nicht leiden können - Sie sind ein guter Mensch , das wusste ich , aber es war mir doch immer daneben , als wenn sie ein schlechter Mensch wären - heute aber nein , Sie sind gar kein Mensch nicht , heute waren Sie wie ein Gott . « Schade , daß die schöne Scene durch ein kreischendes Gelächter unterbrochen ward . Nicht das des Barons , der nur etwas » grinste « und sich vor Schadenfreude die Hände rieb , sondern gespornte Stiefel polterten die Treppe herauf , und der Rittmeister schrie schon von draußen sein : » - Tralirum la ! Krieg ! Krieg ! Ausmarschordre ! - Laforest kriegt seine Pässe ! « Es war ein Intermezzo , das überhaupt zu dem , was hier geschehen , nicht stimmte : Trompetengeschmetter , das einen Choralgesang , die Trauermusik eines Grabeszuges unterbricht . Glühte sein Gesicht nur von der Freude oder auch vom Wein ? Gleichviel , es glühte und er war trunken . Er fiel um den Hals , wer ihm in Weg trat . » Krieg ! es geht los ! « begleitete den Kuß . Er hatte den Baron Eitelbach so umarmt , er drückte auch der Baronin seinen Bart und seine Lippen an die Wangen . Nur vor der aufrechten Gestalt des Legationsraths wich er zurück , um den General-Stabs-Chirurg Görecke ans Herz zu schließen . Herr von Wandel glaubte einen schmerzlichen Zug um die Augen der Baronin zu sehen . Er flüsterte ihr ins Ohr : » Nicht verzweifelt , meine Freundin . Man muß in solchen Momenten der Aufregung auch einer Rohheit nachsehen , die unter anderen Umständen unverzeihlich wäre . - Er kann sich bessern , obgleich - doch es kommt eben darauf an , ob er ein Diamant ist , oder nur ein Kieselstein . « Neunundsiebenzigstes Kapitel . Wir werden Alle Blut sehen müssen . Die blaugraue Dämmerung eines Nebelmorgens drang noch kaum durch die von der innern Wärme angeschlagenen Scheiben in das Zimmer der Fürstin , als diese im Negligé aus ihrem Kabinet trat . Wandel , der hinter ihr die Thür schloß , war schon fertig angezogen . Er sah blasser als gewöhnlich aus und schlang ein wollenes Tuch gegen die Morgenkälte um den Hals , ehe er sich anschickte , den Mantel umzuwerfen . Die Fürstin wies auf die Thür zur Hintertreppe : » Sie können durch den Gartensalon . Adelheid schläft schon seit gestern nicht mehr hier . « - » Der Abschied von der Tugendprinzessin war wohl sehr rührend ? « Die Gargazin sagte nach einigem Besinnen : » Ja - ich habe geweint . « Was sie noch sagen wollte , verschluckte sie . » Tant mieux , Madame , sie kann uns nun protegiren . Le temps se change , mais pas les hommes . « - » Ich wünschte , Sie changirten , « sagte die Fürstin ernst . » Hat Sie der Anblick des jungen Mädchens nie gerührt