nicht wiedergegeben werden . – D.B. ] Was uns an diesem beschriebenen Quartblatt am meisten interessiert , ist wohl der Umstand , daß uns dasselbe ( eben weil Brouillon ) in die Entstehungsgeschichte dieser und ähnlicher Versbriefe des Kronprinzen einführt und uns genau zeigt , wie er arbeitete . Es überrascht dabei einmal eine gewisse Strenge gegen sich selbst , die sich in den doppelten und dreifachen Varianten ausspricht , andererseits aber ein gewisses prosaisches » sich ' s bequem machen « , das die Reimworte nicht mit ahnungsvoller Sicherheit im Momente heraufbeschwört , sondern sie aufschreibt , um nun völlig nüchtern und nach Bedürfnis die Auswahl treffen zu können . So finden wir in kurzen und langen Kolumnen untereinander geordnet , erst : hyperbole , parole , dann pretendu , venu , parvenu , dann magnifique , rustique , implique , philosophique , intrique , musique , inique , poetique ; endlich aprouvé , depravé , annoncé , consumé alarmé etc. , Aufzählungen , aus denen ersichtlich wird , daß der Kronprinz in vielen Fällen nicht eine Hülle für den Gedanken , sondern einen Gedanken für die Hülle suchte . Übrigens arbeiten bekanntlich viele Poeten auf ähnliche Weise und so unpoetisch , auf den ersten Blick , dieser Weg erscheinen mag , so ist doch schließlich nicht erwiesen , daß derselbe wesentlich schlechter sei als ein anderer . Er erinnert an das Verfahren einzelner Maler , besonders guter Koloristen , die zunächst eine bloß harmonische Wirkung auf die Sinne bezweckend , nicht klare Gestalten , sondern Farben nebeneinander stellen . Farben , die dem Reim entsprechen . Form und Gedanke finden sich nachher . Wie sie sich finden , scheinbar zwanglos oder aber sichtlich erzwungen – davon hängt dann freilich das Gelingen oder Scheitern ab . Wir haben diesem umrahmten Quartblatt Papier wieder seinen Ehrenplatz an der Längswand des Bibliothekszimmers gegeben und treten nun aus dem kühlen schattigen Raum in den sonnbeschienenen Park hinaus . Es ist jener Mittagszauber , von dem es im Liede heißt : Vor Wonne zitternd hat die Mittagsschwüle Auf Tal und Höh in Stille sich gebreitet , Man hört nur , wie der Specht im Tannicht schreitet Und wie durchs Tobel rauscht die Sägemühle . Hier ist es nicht die Sägemühle , die rauscht , aber ein Bach , der , aus dem Felde kommend , über ein natürliches Wehr von Feldsteinblöcken niedersprudelt und schillernd in Regenbogenfarben in den hellbeleuchteten Park tritt . Weiterhin wird er ein Teich und die umstehenden Bäume werfen ihr Bild in die dunkelklare Tiefe . Durch den Park hin , südenwärts , ist eine Lichtung geschlagen und vor die lichte Öffnung schiebt sich in Dämmerferne der Hügelzug der » Rauenschen Berge « . Die scharf gezogene Kontur ihres Profils mahnt an südlich Land und blauen Himmel . Über den Teich hin fliegen Libellen , das einzig Lebende , das um diese Zeit noch flügg ' und munter ist . Denn ihre Flügel sind groß und ihre Leiber sind leicht . Ein seltsam Klingen und Tönen zieht durch die Luft , Jetzt ist die Zeit , wo tief im Schilf ein Wimmern Den Fischer weckt ... aber eh noch das Klingen ein bestimmter Klang geworden , fällt die Kirchglocke mit ihren zwölf Mittagsschlägen ein , der Mittagsspuk verfliegt und nur der Zauber der Schönheit und der Stille bleibt . Von Sparren-Land und Sparren-Glocken Prenden Prenden Es scheint ein langes , stilles Ach zu wohnen In diesen Lüften , die sich leise regen . Platen Otto Christoph war ein Lichterfeldescher Sparr . Wenn dieser Aufsatz , der einen kurzen Lebensabriß des Feldmarschalls beabsichtigt , dennoch den Namen des Nachbargutes Prenden als Überschrift trägt , so geschieht es , weil dieses Besitztum , mehr als irgendein anderes , mit dem Leben Otto Christophs verbunden ist . Es war sein Lieblingsaufenthalt und hier starb er , wie denn auch Prenden – nachdem das Elend des Dreißigjährigen Krieges den Sparrs ihren alten Besitz geraubt hatte – zuerst wieder als ein Kurfürstliches Geschenk in die Hände der Familie und zwar unseres Otto Christoph zurückgelangte . Otto Christoph von Sparr Otto Christoph von Sparr wurde mutmaßlich 1605 aus der Ehe Arndts von Sparr mit Emerentia von Seestedt 68 auf dem Schlosse zu Lichterfelde geboren . Die Jugend Otto Christophs hüllt sich in Dunkel . Ob er sich im Parke zu Lichterfelde oder im Garten zu Prenden – dessen Mitbesitzer sein Vater war – umher tummelte , ob er im Hause des letzteren oder in der benachbarten Hauptstadt erzogen wurde , was und wo er war , als die ersten jener Gewitterwolken heraufzogen , die dann dreißig Jahre lang über dem unglücklichen Lande stehen sollten – darüber verlautet nichts und wird auch in Zukunft wenig verlauten , denn es war eine eiserne Zeit , die wenig schrieb und am wenigsten bei Jugendgeschichten verweilte . Annehmen aber dürfen wir , daß die Erziehung unseres Sparr eine sorgfältige war , da wir im weiteren zu zeigen haben werden , daß er keineswegs jenen abenteuernden Naturen zugehörte , die , voll Mut und Rücksichtslosigkeit , auf dem Boden des Krieges rasch emporwuchsen , sondern umgekehrt in Wissenschaften glänzte , die ihn befähigten , Befestigungen zu leiten und Feldzugspläne zu entwerfen . Ein im Auftrage des Kurfürsten von ihm angefertigtes Memorial über » Kriegsführung gegen die Türken « ist ein Meisterstück einfach klarer Darstellung , und unter den verschiedenen Städten , an deren Befestigung er erfolgreich gearbeitet , werden Peitz , Hamm , Berlin und Magdeburg vornehmlich genannt . König rühmt von ihm , daß er fortgesetzt habe , was in der Kriegskunst siebzig oder achtzig Jahre vor ihm durch Rochus von Lynar begonnen worden sei . Wahrscheinlich um 1626 trat er , wie so viele andere Märkische vom Adel , in die Dienste des Kaisers . Den Forschungen Theodor von Mörners ist es geglückt , auch über diesen weitzurückliegenden Abschnitt einiges Licht zu verbreiten und unseren Otto Christoph , zumal während des letzten Jahrzehnts des Dreißigjährigen Krieges auf seinen Kreuz-