gewusst - nein , das freilich nicht , aber vorgeschwant hätte es ihr , daß es so oder so etwa kommen werde . Und der Frau hätte sie ja nicht um die Ecke getraut ; so etwas Maliciöses im Gange und den Fingerspitzen , in den Locken und Lippen , und die cachirte Vornehmheit ! An ihrem Gesichte konnte man ihr die Giftmischerin ansehen . Und wenn sie nur Den wüsste , der sie ihr zuerst ins Haus gebracht ! War dies vielleicht die arme Baronin ? Sie saß über ihren Stuhl gelehnt wie ein Bild des Entsetzens , blaß mit weit aufstarrenden Augen , sprachlos . Es war ihr Vieles im Leben begegnet , sie hatte einmal geglaubt , noch vor Kurzem , was sie dulden müsse , das dulde Keiner außer ihr , aber das , was sie jetzt erlebt , war mehr , es war zu viel . Sie hatte dafür keine Sprache , vielleicht auch keine Gedanken . Die Lupinus galt ihr , und war ihr immer vorgestellt worden als ein Muster von feiner , edler Bildung , von Herzensgüte und Verstand , das sie zwar nicht erreichen , aber auf das sie zur Nacheiferung , blicken , woran sie sich halten könne . Und glaubte die Eitelbach nicht , daß sie schon eine Andere , Bessere geworden ! Hatte sie nicht erkannt , woran es ihr fehle , hatte sie es in einem gerührten Augenblicke nicht geradezu ausgesprochen , und die Lupinus hatte ihre Hand auf sie gelegt und mit herzgewinnender Güte gesagt : die einfältigen Herzens sind , denen ist das Himmelreich offen ! - Und ja , sie war es wirklich , welche die Lupinus zuerst mit der Kompagnonin ihres Mannes bekannt gemacht hatte . Da brach es heraus . Schmerz , Aerger , Wuth : » Herr Gott , wenn die ' ne Giftmischerin ist , was sind wir dann Alle ! « Der Legationsrath Wandel schien in dieser fürchterlichen Scene nicht die Fassung behalten zu haben , welche er in allen Lagen des Lebens an den Tag gelegt . Das Unglück einer theuren , langjährigen Freundin musste auch ihn momentan erschüttert haben . Er war wenigstens für die nächsten Minuten nicht ganz Herr seiner selbst . Er saß auf einem Stuhle , den Rücken der Gesellschaft zugewandt . Sein Kopf sank über . Plötzlich aber stand er auf , und trat in die Mitte des Zimmers . Sein Auge leuchtete , indem er die Anwesenden überschaute , ein hochmüthiger , fast verächtlicher Ton in seiner gehobenen Stimme : » Und wer sagt - ich frage , wer wagt die Frau , welche man aus unserm Kreise geführt , eines Verbrechens anzuklagen ! Hat Jemand von Ihnen Beweise ? Liest man in ihrem Herzen ! Wer , ich frage , traut sich zu , auf bloßes Geschwätz , Vermuthungen hin , ein Urtheil über eine Dame zu fällen , die als ein leuchtendes Exempel von Tugend bis da in unserer Mitte stand ? Wer ? wiederhole ich , fühlt sich so reinen Herzens , um den Stein auf sie zu werfen ! - Warum senken Sie die Köpfe ? - Wie ! Weil die Dienstleute ein Gerücht hereintrugen , ungebildete Gerichtsdiener , übereifrige Beamte sie verhaftet , vielleicht auf ein bloßes Mißverständniß , eine Verwechslung - Kommt das nicht vor ? Giebt es nicht Justizmorde ? - Wie , darum verdammen wir Die , die Sie Alle durch lange Jahre mit Bewunderung , Respekt betrachtet , die uns galt für ein Wesen höherer Art ! Diese Bewunderung für ihre guten Eigenschaften , der Eindruck , den sie unwillkürlich auf uns Alle geübt , wäre erloschen , fortgewischt durch ein einziges Wort ! O mein Gott , lassen Sie mich nicht so schlecht von uns Allen denken , daß ein unbesonnenes , überhastetes Wort die Thaten eines ganzen Lebens verlöschen könnte - « » Aber - « fiel ihm Jemand ins Wort . Wandel ließ ihn nicht zu Worte kommen . » Sie haben Recht , der Schein ist gegen sie . Ich vermesse mich auch in keiner Art hier Richter zu sein , noch ableugnen zu wollen , was etwa von emsigen Polizeibeamten zu Protokoll gegeben ist . Nein , von solcher Anmaßung bin ich weit entfernt . Aber meine verehrten Freunde , hüten wir uns Schlüsse zu ziehn aus dem , was scheint , was wir vermuthen . Wollte ich meinen Vermuthungen nachträumen , dem Scheine trauen , der eben wie ein Blitz vor mir aufzückt , ich müsste zum Ankläger werden gegen die edelsten Männer , die lautersten Charaktere Berlins . Sie traute keinem Arzte mehr , sie glaubte ihre Schwächen durchschaut zu haben , sie nannte sie insgesammt Charlatane ; das wussten Heim , Selle ; Mucius hat es auch gewusst . Sie präparirte sich selbst ihre Hausmittel , sie hatte sich eine kleine Apotheke von Herrn Flittner verschafft , wie ich ihr auch abrieth und vorstellte , daß es zu Mißdeutungen eben von Seiten der Aerzte führen könne . Es hat dazu , meine Herren , geführt , man hat Urtheile über sie ausgesprochen , die ich nicht wiederholen will . Wie nun , wenn ich diesem Schein nachginge , argumentirte : sie war eine sehr kluge Frau , die tiefer sah als Andere , darum waren Die , denen sie ins Handwerk schaute , ihre gebornen Widersacher , die ihr auf den Dienst lauerten , jede ihrer Handlungen mißdeuteten ; diese Aerzte sind es , die , weil sie dieselben vom Todtenbette ihres Gatten fern gehalten , weil sie dieselben beleidigt , verhöhnt , an Ruf und Praxis geschädigt , sie sind es , welche den Verdacht gegen die Unglückliche ausgestreut , bis andere daraus eine Denunciation gebildet . O nein , meine Freunde , ich unterdrücke diese Vermuthung , und noch andere , ich versichere Sie , Vermuthungen , die einem Andern als mir zu Schlüssen würden . Nein , sie steht mir zu hoch ,