früh noch so schwärmerisch über die Tugend philosophirt hatte , jetzt kommen wir hinter deine Schliche , du Tugendspiegel ! Hier Herr Sergeant , festgehalten ! Drinnen steht unser Tisch -runde Tafel - Couvert zehn neue Groschen - holen Sie nur Ihre Mutterpfennige hervor , Landsmann ! Fränzchen muß trinken lernen ! Und dabei flüsterte sie der Zitternden zu : Dein Franzose ist ja nicht hier ! Sei doch lustig ! Ich verrathe nichts . Fränzchen ließ Alles willenlos geschehen . Sie hätte in die Erde sinken mögen . Sie konnte nicht Widerstand leisten , daß man sie und Sandrart in die Restauration zog und ihr einen Platz an einem mit Tellern und Gläsern besetzten Tische gab , wo sie noch Manchen antraf , der zur Gesellschaft gehörte , unter Andern den Kutscher Neumann , einen mürrischen , widerlichen Menschen mit fuchsigem , fast bis in ' s Auge gezogenen Backenbart , Ringen im Ohr und ein paar ungeschlachten rothen Händen . Sie wußte , daß Jeannette überall Liebschaften , aber Neumann als wirklichen Verlobten für die künftige Ehe hatte . Hier , Herr Sergeant , Sie rechts , sagte Jeannette und placirte die Neuangekommenen ; du hübscher Fratz , links bei deiner Cousine Dore ? Oder willst du lieber bei der Lore ? Die Flore ist nicht da , obgleich dich Die am liebsten hatte und bei der Durchlaucht dein Glück wollte , Närrchen ; hier hergesetzt und sich ausgesöhnt mit den Fräuleins Wandstabler ! Und dabei flüsterte sie ihr in ' s Ohr : Halt ' dich tapfer ! Die haben schon deinen Franzosen auf dem Strich . Dieser Wink machte in der That , daß Fränzchen aufschreckend etwas wieder von Besinnung und Geistesgegenwart gewann . Wußte sie doch nur zu gut , daß die schlimmen Cousinen das Glück hatten , jetzt täglich mit Louis Armand in Einem Hause , vielleicht in Einem Zimmer zu sein , und wie die Liebe Jedem , auch dem schwächsten Wesen , eine gewisse Kraft und einen muthigen Aufschwung verleiht , so gewann nun auch Fränzchen eine kräftigere Haltung über sich und warf ihren Cousinen einen dreisten , fast schnippischen Gruß zu , der Fränzchens Reiz in den Augen des von seinem Rencontre mit den Offizieren noch sehr bewegten Heinrich Sandrart nur noch mehr hob . Franziska , stoß an ! sagte die mittelste Wandstabler , die Lore , deren magere Gesichtsformen sich durch die Glut des Tanzes und der Atmosphäre gefüllt , ja ganz angenehm gerundet hatten . Fränzchen stieß mit dem Glase ihrer Cousine an und nippte ein wenig von einem Getränke , das vielleicht ein helles Bier , vielleicht künstlicher Champagner war , sie wußte es nicht ... bis der Sergeant aus dem Seitenfutter seiner Uniform ein kleines Portemonnaie zog und sich , wie es schien , nicht ohne eine gewisse Überlegung , entschloß , zwei Papierthaler an eine wirkliche Flasche Champagner zu wagen . Er mochte fühlen , daß er sein Avancement etwas kostbar feierte ... aber er bestellte echten Champagner ! Die Wirkung dieses Momentes war groß . Alles um den runden Tisch blickte staunend und voll Bewunderung auf diesen jungen militairischen Rothschild ! Echter Zwei-Thaler-Champagner ! Dies hob oder setzte tief herab , je nachdem der Schwung der Phantasie sich für das Große berufen hielt oder sich keiner solchen Flügel bewußt war . Man schwieg eine Weile und blickte feierlich um sich her , als hätte man für diese Standeserhöhung Zeugen gewünscht . Die Wandstablers beschlossen jetzt , mit Fränzchen , die einen solchen Liebhaber aufweisen konnte , sich auszusöhnen . Dorette , die Jüngste , mit der es Franz von » Geheimraths « sehr geschäftig hatte , war blässer , als ihre Schwester , auch etwas verstimmter . Sie hatte Ideen , die höher hinauf stiegen als die Sphäre , in der sie sich hier bewegte und die eigentlich Jeannette so gewaltsam improvisirt hatte . Guten Abend , Fränzchen ! sagte sie und reichte ihrer kleinen Cousine jetzt erst die Hand . Muß es denn erst so kommen , daß uns ein solcher Abend wieder einmal zusammenführt ? Ein solcher Abend ? fragte Heinrich Sandrart fast verletzt , der seine zwei Thaler los war , nun aber dafür auch lustig sein wollte . Kann man traulicher und vergnügter beisammen sitzen ? Dabei wollte er Fränzchens Hand ergreifen und sie an sich drücken . Aber die kleine , braunäugige Spröde litt schrecklich , auch über die Kosten , die sie ihm verursachte , und zog die Hand zurück . Fräulein Dorette schmachtet nach stiller Einsamkeit , sagte die nicht ganz ungebildete , aber zügellose Jeannette parodirend , sie liebt ! Sie liebt einen Franzosen , stolz und feurig ; o seit ich weiß , daß man diesem Franzosen so edle Vorsätze verdanken kann , selbst den Fortunaball nicht zu gering für Liebende zu finden , biet ' ich mich ihm für die Rückreise nach Paris als Gouvernante an ; ich arme conditionslose Person - Fränzchen war in der That von Eifersucht nicht frei . Sie sah ihre Cousine Dorette starr an und mußte sogleich fühlen , daß diese wirklich bei dem Balle nicht anwesend schien . Lorette aber , die Mittlere , sagte leise zu ihr : Du Glückliche ! Herr Louis Armand hör ' ich , soll dir Blumen schenken und ich wette auch Gedichte macht er auf dich . Heute las er Floretten eins vor , das er gewiß auf dich gemacht hat ! Fränzchen erröthete . Sie wußte wohl von den Blumen , aber nichts von dem Gedichte , das ohne Zweifel ihr gelten sollte und Siegbert Wildungen erst übersetzt und noch in seinem Portefeuille hatte . Indem knallte Sandrart ' s Champagnerkork und in einem der hingestellten Spitzgläser zischte vor ihr der perlende Wein , dessen Güte wir nicht zu bestimmen wagen , da wir über den Fortunawirth noch nicht wissen , ob er der Ehrlichkeit seines Bruders , des Pelikanwirthes , entsprechen wird .... Kaum am Rande ihres Glases nippend ,