und , weil er immer Herr über sich selber war , auch ohne daß er es suchte und wollte , Herrschaft über Andere zu gewinnen . So währte es denn nicht lange , bis Steinert , den kleinen Unmuth überwindend , die Frage aufwarf : Und was willst Du mit ihm machen ? Ihn nach Amerika hinüberwerfen . Zu welchem Zwecke ? Damit er vor allen Dingen das Gehorchen verlernt ! Steinert verstand nicht , was Tremann damit sagen wolle ; dieser war also genöthigt , sich deutlicher zu erklären . Es ist mir an Deinem Sohne aufgefallen , sagte er , daß er bei unverkennbar guten Anlagen unselbständig ist , und das ist nicht seine , sondern seines Lebensweges Schuld . Du bist ihm ein wackerer Vater gewesen , hast ihn streng zum Gehorsam erzogen , und das erste Kindesalter hat das nöthig , denn in ihm muß der vernünftige fremde Wille die eigene mangelnde Vernunft ersetzen . Aber Eure Schulen , wie sie jetzt sind , fordern ebenfalls unbedingten Gehorsam von dem Knaben ; Alles ist vorausbestimmte Regel , Alles vorausgesehen , der ganze Weg von der Kindheit bis zum reiferen Jünglingsalter für Alle derselbe , für Alle unwandelbar festgestellt ; das schadet der freien Entwicklung der Persönlichkeit . Nun ist er aus der Vormundschaft des Vaterhauses und der Schule noch in das Heer getreten , wo abermals fremder Wille seine Schritte vorgezeichnet hat und Gehorsam seine erste Pflicht gewesen ist . Er kennt also noch gar nichts Besseres , als pünktliches Unterordnen unter einen fremden Willen , und eben darum fühlt er auch die Neigung , in einer lebenslänglichen Unfreiheit und Dienstbarkeit zu bleiben , wo diese , wie im Heere , mit einem gewissen äußern Glanze und in die Augen fallenden Auszeichnungen verbunden sind . Gönne ihm denn die Zeit , einmal gelegentlich den Druck der Abhängigkeit zu empfinden , gönne seiner Jugend auch den Triumph , mit unsern Truppen den feierlichen Siegeseinzug in die Heimath zu theilen , und dann wollen wir weiter von der Sache sprechen und sehen , ob wir ihm die Lust am Dienen nicht abgewöhnen können . Wir Steinert ' s haben so lange gedient , meinte der Vater , daß .. Daß es endlich Zeit war , sich frei zu machen , fiel ihm der Andere in die Rede , weil er befürchtete , daß Adam ' s Empfindlichkeit noch nicht völlig überwunden sei , und daß Dein Sohn sehr unrecht thun würde , freiwillig auf die Vortheile zu verzichten , die Deine rüstige Entschlossenheit ihm bereitet hat . Er weiß , daß ich im Vereine mit dem englisch-amerikanischen Hause , in dem ich früher gearbeitet habe , Landankäufe in Amerika gemacht habe und noch zu machen denke , die verwerthet werden sollen . Dabei können wir junge Leute , die , wie Dein Sohn , in der Landwirthschaft aufgewachsen und bei ihr hergekommen sind , verwenden , und er kann , indem er unseren Absichten dient , sich die Grundlagen eines selbständigen Vermögens erschaffen , mit dem er sich dann später in der neuen oder in der alten Welt auf die eigenen Füße stellen mag , auf denen jeder Mann denn doch am besten steht . Diese Aussicht will ich ihm eröffnen , ehe ich gehe , vorausgesetzt , daß sie Deinen Ansichten nicht widerspricht , und ich müßte mich in dem braven Burschen irren , wenn nicht endlich in ihm das Verlangen nach Selbständigkeit den Sieg über die Freude an den blanken Epaulettes davontragen sollte . Steinert drückte dem Freunde die Hand . Du bist sehr gut , sagte er , denn selbst mit Sorgen beladen , sorgst Du Dich um Andere , und während Du eigene , schwere Vermögensverluste zu ersetzen hast , denkst Du daran , das Vermögen Dritter zu begründen . Wie soll ich Dir das danken ? Danken ? wiederholte Paul ; davon kann ja in dieser einfachen Angelegenheit gar nicht die Rede sein . Sieh ' , fuhr er dann , nachdem sie eine Weile schweigend neben einander hergegangen waren , in seiner Rede fort , sieh ' , das dünkt mich so schön am Leben , daß für denjenigen , der geneigt ist , die Verhältnisse einfach zu nehmen , sich Alles einfach macht oder doch mit leichter Mühe zurechtlegen läßt , wenn der Mensch nur erst begriffen hat , daß sein Vortheil und der Vortheil aller Anderen gleichbedeutend sind . Zu dieser Einsicht gelangt aber Niemand so leicht und so sicher , als der Kaufmann , der durch tägliche Erfahrung darüber belehrt wird , wie sein Wohlstand auf den Wohlstand Anderer begründet ist , und wie er den seinen nicht vermehren kann , wenn er das allgemeine Capital des auf der Erde vorhandenen Besitzes nicht vergrößern hilft . Es ist für mich schon lange eine Ueberzeugungssache , daß klug und gut in gewissem Sinne gleichbedeutend sind , und daß man immer das Gute thut , wenn man das von den praktischen Verhältnissen Gebotene befördert . Im großen Sinne ein Kaufmann zu sein , ohne seinen sittlichen Werth dadurch zu erheben , scheint mir fast unmöglich . Man sollte an die Richtigkeit dieses Satzes glauben , meinte der Andere , wenn man Dich vor Augen hat , und doch , daß ich Dir es ehrlich gestehe , haben der Glückswechsel und die Unsicherheit der Zustände , wie sie sich im Handel kundgeben und wie Du sie an Dir selber jetzt erfahren müssen , etwas , das mich gegen den Handel einnimmt und mich , wie ich einmal geartet bin , unfähig gemacht haben würde , ihn zu betreiben . Von einem Tage zum andern neue Plane zu schmieden , beständig über Erfolg und Mißlingen im Ungewissen , fortwährend mit seinem Sinne auf die Verhältnisse der ganzen Welt gerichtet zu sein , wäre meine Sache nicht . Ich muß den festen Grund und Boden unter meinen Füßen fühlen , ich will es nur mit ihm und mit den natürlichen Ereignissen , die Gott