nur unser Grauen . In jedem Zimmer lag ein toter Vogel , in manchem zwei , auch drei . In Sturmnächten hatten sie Schutz gesucht in den Rauchfängen , und immer tiefer nach unten steigend , waren sie zuletzt wie in eine Vogelfalle hinein geraten . Und hier vergebens einen Ausweg suchend , hin und her flatternd in dem weiten Gefängnis , waren sie verhungert . Spät am Abend mahlte sich unser Fuhrwerk wieder durch den Sand zurück . Es war kühl geworden und der Sternenhimmel gab auch dieser Öde einen poetischen Schimmer . Ich sah hinauf und freute mich des Glanzes . Aber in die heitern Bilder , die ich wachzurufen trachtete , drängte sich immer wieder das Bild von Schloß Kossenblatt hinein . Die weißen Wände starrten mich an , ich hörte das gespenstische Türenklappen und in dem letzten Zimmer des linken Flügels flog ein Vögelchen hin und her und stieß mit dem Kopfe an die Scheiben . Sein Zirpen klang wie Hilferuf . Und inmitten dieses Hilferufs wechselte das Bild und das Schloß stand in Flammen , und unsichtbare Hände trugen es ab und warfen es in das Feuer . Steinhöfel Valentin von Massow Valentin von Massow Valentin von Massow ward am 24. März 1793 zu Berlin geboren . Er erhielt eine sorgfältige Erziehung und teilte diese , sowie den Unterricht der Haus- und Privatlehrer , mit dem Grafen Friedrich Wilhelm von Brandenburg , dem späteren Ministerpräsidenten , dessen Erziehung König Friedrich Wilhelm der Dritte 1797 dem Obermarschall von Massow anvertraut hatte . Außer dem Grafen von Brandenburg war der zweite Bruder unseres Valentin , der spätere Hausminister von Massow , der einzige Gefährte seiner Knabenzeit . Dreizehn Jahre alt machte er als Junker im Regiment Rudorfhusaren die unglückliche Kampagne von 1806 mit , wurde bei Lübeck gefangen und auf Ehrenwort in die Heimat entlassen . Das band ihn bis zum Tilsiter Frieden . Nach dem Friedensschlusse seines Versprechens ledig , trat er ins Brandenburgische Husarenregiment und war im März 1812 mit unter den dreihundert Offizieren , die den Abschied nahmen , um nicht unter den Fahnen Frankreichs kämpfen zu müssen . Die Mehrzahl jener dreihundert trat bekanntlich in russischen Dienst . Unser Massow aber begab sich mit zwei gleichgesinnten Freunden : von Barner und von Scharnhorst ( Sohn des Generals ) nach England und von da nach Spanien . Er focht unter Wellington und wurde vor Burgos durch einen Lanzenstich in die Lunge lebensgefährlich verwundet . Er genas indes und kehrte 1813 nach Preußen zurück . Er trat hier bei den braunen Husaren ein , die damals der Oberst von Blücher , Sohn des Feldmarschalls , kommandierte , und machte in diesem Regimente die Kämpfe jenes schlachtenreichen Sommers und Herbstes mit . Am Schluß des Jahres ward er in den Generalstab versetzt . 1815 befand er sich im Hauptquartier des Fürsten Blücher , dessen Kommunikationen mit Wellington vor und während der Schlacht bei Belle-Alliance durch unsern Massow vermittelt wurden . Welch besserer Vertrauensmann hätte sich finden lassen als eben er , der schon drei Jahre früher unter den Augen des Herzogs gefochten hatte und dessen volle Kenntnis des Englischen ihn ohnehin empfahl . Der Niederwerfung Napoleons folgte bekanntlich eine Besetzung Frankreichs durch englische und preußische Truppen . Den Oberbefehl über dieselben führte Herzog Wellington , in dessen unmittelbare Umgebung unser Massow kommandiert wurde . Drei Jahre lang verblieb er in dieser Stellung , in der er sich die Zuneigung und das besondere Vertrauen des » Siegesherzogs « zu erwerben wußte . Die Berichte , die Massow während dieser drei Jahre von Paris und Cambray erstattete und die nicht nur militärischen , sondern auch allgemein politischen Inhalts waren , werden noch im großen Generalstabe aufbewahrt und gelten für ausgezeichnete Leistungen . Bei Ablauf der Okkupation nach Berlin zurückgerufen , ward er gegen Ende des Jahres 1818 zum Flügeladjutanten König Friedrich Wilhelms III. ernannt und stieg , in unmittelbarer Nähe des Königs verbleibend , von Stufe zu Stufe , bis er , nach langwieriger Krankheit , im Jahre 1843 seinen Abschied nahm und sich in die ländliche Stille von Steinhöfel zurückzog . Hier trieb er mit Eifer Landwirtschaft , erweiterte das Schloß , verschönerte den Park und steigerte den Wert des Familienerbes . Dabei war er in weiten Kreisen ein Tröster der Betrübten , ein Wohltäter der Leidenden , ein weiser Ratgeber aller , die ihm vertrauend ihr Herz öffneten . Die Ruhe ländlicher Zurückgezogenheit war ihm lieb geworden . Nur einmal noch ward er ihr entrissen , um auf kurze Zeit die Stille von Steinhöfel mit dem Lärm von London zu vertauschen . Der Eiserne Herzog war am 14. Oktober 1852 auf seinem Schlosse Walmer Castle bei Dover gestorben und auf den 15. November war sein feierliches Begräbnis festgesetzt . Fast alle europäischen Armeen schickten Deputationen , um » den Feldmarschall der sieben Reiche « auf seinem letzten Gange zu begleiten ; die preußische Deputation aber bestand aus Graf Nostiz , General von Scharnhorst und unsrem Massow , der in Veranlassung dieser Deputierung zum Generalleutnant ernannt worden war . So folgte dieser denn dem Sarge des großen Feldherrn , unter dessen Augen er vierzig Jahre früher zuerst das Hochgefühl des Sieges kennengelernt hatte , und neben ihm schritt General Scharnhorst , der , von gleichem Haß gegen die Napoleonische Familie erfüllt , mit ihm nach England gegangen war , um wo immer es sei , den Unterdrücker seines Vaterlandes zu bekämpfen . Beide waren der Fahne Wellingtons gefolgt , nun folgten beide seinem Sarge . Und welch Leichengefolge das ! Ein schönes Gedicht George Hesekiels hat diesen Zug beschrieben : – ein Leichengefolge schließt sich an , So wie ' s gehabt noch kein Untertan ! Von sieben Monarchen ist ' s deputiert , Für die er den Stab des Feldmarschalls geführt , Die Feldzeichen , die mit Trauerflor wehn , Vertreten die Trauer von sieben Armeen : Rußland , Preußen und Österreich Sie klagen heut mit dem britischen Reich , Niederland , Spanien und Portugal Begraben